Zeugen machen widersprüchliche Aussagen

Prozessauftakt: Aleksei vor Disco ins Wachkoma geprügelt

Aleksei liegt seit 2018 im Wachkoma.
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21. Februar 2020 - 9:34 Uhr

Anklage wegen schwerer Körperverletzung

Die Tat passierte im September 2018 vor dem Nachtclub "Infinity" in Hannover. Sebastian F. soll sich laut Anklage mit dem heute 22-jährigen Aleksei gestritten und ihm unvermittelt ins Gesicht geschlagen haben. Aleksei wurde daraufhin ohnmächtig und schlug mit dem Kopf auf den Asphalt. Er liegt seitdem im Wachkoma und hat irreparable Hirnschäden. Sebastian F. muss sich jetzt wegen schwerer Körperverletzung vor dem Amtsgericht Hannover verantworten. 

Die Tat "verfolgt" den Angeklagten Sebastian F.

Der Angeklagte Sebastian F. sagte heute nicht selbst vor Gericht aus, sondern ließ eine Einlassung über seinen Anwalt verlesen. Darin hieß es: "Meinem Mandanten tut es leid und er ist sprachlos, was alles passiert ist. Er wollte niemals Aleksei so verletzen, dass solche Folgen entstehen. Es verfolgt ihn." Sebastian F. war vor der Tat Fallschirmspringer, er wurde sofort aus der Bundeswehr entlassen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 10 Jahre Haft.

Angespannte Stimmung, widersprüchliche Zeugenaussagen

Am ersten Verhandlungstag sagten verschiedene Zeugen aus, die in der Nacht die Auseinandersetzung beobachtet haben wollen. Alexander F., der Onkel des Angeklagten, sagte: "Aleksei hat Sebastian zuerst geschlagen". Sebastian F. habe aus Notwehr gehandelt. Im Vorfeld sollen Aleksei und seine Freunde die Gruppe um Sebastian F. provoziert haben. Das bestritt ein Freund von Aleksei während der Verhandlung: "Ich bin mir tausendprozentig sicher, dass Aleksei nicht als Erster geschlagen hat."

Eine weitere Zeugin sagte aus, dass Aleksei hinter dem Angeklagten hergelaufen sei und gefragt habe: "Willst du Probleme?".

Der Anwalt von Alekseis Familie, die als Nebenkläger auftritt, fasst die Situation so zusammen: "Aus meiner Sicht ist die Stimmung auf beiden Seiten sehr angespannt."

Viele Tränen: Alekseis Familie war beim ersten Prozesstag in Hannover dabei

Alekseis Mutter, sein Vater und seine Schwester verfolgten den ersten Prozesstag im Gericht. Als seine Mutter von Zeugen hörte, dass ihr Sohn den Angeklagten provoziert habe, kamen ihr die Tränen, berichtet RTL-Reporterin Laura Küsel. Auch bei der Aussage des Arztes, der Aleksei in der Nacht untersuchte und unter anderem ein schweres Schädelhirntrauma feststellte, brach seine Mutter in Tränen aus. Wie rührend sich die Familie um den Wachkomapatienten kümmert, sehen Sie im Video.

Gab es Absprachen unter den Zeugen der Disco-Prügelei?

Während der Verhandlung sagte ein Zeuge aus, dass er und andere Zeugen im Vorfeld die Möglichkeit gehabt hätten, sich ihre Aussagen aus der Tatnacht bei der Polizei noch einmal durchzulesen. Die Akten sollen bei Alekseis Familie gelegen haben. "Weil ich Lücken habe, habe ich meine Aussage gelesen. Ich habe Familie K. [Alekseis Familie, Anm. d. Red.] darum gebeten. Ich war mir unsicher, was ich überhaupt ausgesagt habe." Theoretisch hätten die Zeugen so auch die Möglichkeit gehabt, sich untereinander abzusprechen. Dazu sagte der Zeuge: "Wir haben uns nicht getroffen, um Aussagen zu besprechen, sondern um Aleksei zu besuchen."

Der Anwalt der Familie sagte dazu: "Für die Verteidigung ist das ein Angriffspunkt. Jedoch aus meiner Sicht sind die Angaben der Zeugen glaubhaft, trotz dessen, dass sie die Möglichkeit hatten, bei der Familie des Opfers ihre Aussagen zu lesen."

Am Ende muss die Richterin die Glaubwürdigkeit der Zeugen bewerten. Ein Urteil wird für Freitag erwartet.