Freundin des Stalking-Opfers: „Sie ist gebrochen"

Salzatal: Mann stalkt, überfällt und vergewaltigt seine Ex-Frau

Mann stalkt seine Ex-Frau nach der Trennung und vergewaltigt sie. (Symbolfoto)
Mann stalkt seine Ex-Frau nach der Trennung und vergewaltigt sie. (Symbolfoto)
© dpa, Angelika Warmuth, awa kde fux

08. Juni 2021 - 12:45 Uhr

Prozess gegen mutmaßlichen Stalker aus Salzatal

Das, was sich in Salzatal bei Halle (Sachsen-Anhalt) ereignet haben soll, hört sich an wie in einem Horrorfilm: Anfang 2019 trennte sich eine Frau von ihrem Ehemann und dann begann der Stalking-Albtraum für sie. Denn ihr Ex-Mann wollte sie unter keinen Umständen gehen lassen. Er soll seine Ex-Ehefrau nach der Trennung 24 Stunden beobachtet, verfolgt, überfallen und vergewaltigt haben. Nun läuft der Prozess gegen den 31-Jährigen.

Ex-Frau verfolgt und pausenlos beobachtet

Im Wohnzimmer seiner Ex soll er eine Überwachungskamera versteckt haben, im Auto ein Smartphone mit einer installierten Tracking-App. So soll der 31-Jährige pausenlos gewusst haben, wo seine Ex-Ehefrau gerade ist und was sie macht. Doch das Zusehen allein soll dem Angeklagten irgendwann nicht mehr gereicht haben. Im September 2019 soll er direkt an der Haustür geklingelt, seiner Ex das Handy entrissen, die Frau zur Seite geschoben und sich so Zutritt in die Wohnung verschafft haben.

Eine Freundin der Ex-Frau, Liane S., erzählt einer RTL-Reporterin, wie beängstigend die Zeit für die Klägerin gewesen sein muss: "Es wurde ständig die Polizei gerufen, weil er ständig aufs Grundstück gekommen ist. Er hat sie Tag und Nacht gestalkt, hat auch nachts die Rollläden hochgezogen." Aber das sollte lange noch nicht alles gewesen sein.

Stalking
Ein Stalker beobachtet eine Frau (Symbolfoto)
© picture-alliance/ dpa, Frank Kleefeldt

Stalker soll Ex-Ehefrau gefesselt und vergewaltigt haben

Anfang Oktober 2019 rauchte die Klägerin draußen, vor ihrem einst gemeinsamen Einfamilienhaus eine Zigarette. Dort soll der 31-jährige Stalker ihr aufgelauert und sie angegriffen haben. Er habe seine Ex-Ehefrau maskiert überfallen. Dann soll er sie mit Klebeband gefesselt und sie vergewaltigt haben.

Ende Oktober 2019 soll der Mann seine Ex-Frau wohl erneut überfallen und mit einem Schraubenzieher bedroht haben. Er hatte es offenbar auf einen Schnellhefter mit Protokollen von Aussagen abgesehen, die die Frau im Rahmen des Gewaltschutzverfahren gemacht hatte. Den Ordner soll er ihr abgenommen haben.

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Freundin des Opfers aus Salzatal hielt Ex für "liebenswürdigen Mann"

Liane S. erzählt, dass sie die Stalking-Vorwürfe gegen den Ex ihrer Freundin zunächst gar nicht ernst genommen habe. Sie kenne ihn schließlich schon eine Ewigkeit und zugetraut hätte sie ihm das alles nicht: "Ich hab ihr am Anfang auch nicht geglaubt, weil ich den Angeklagten seit 20 Jahre kenne. (...) Er ist ein liebenswürdiger, hilfsbereiter Mann. Ich hab es erst realisiert, wo ich nach der mutmaßlichen Vergewaltigung gesehen hab, wie sie aussah, überall blaue Flecken." Erst da glaubte Liane S. ihrer Freundin. Sie soll dem Angeklagten auch schon oft geraten haben, sich Hilfe zu suchen, dies lehne er aber ab.

Mutmaßlicher Stalker streitet alle Vorwürfe ab

Lianes Freundin leide bis heute sehr. "Sie will eigentlich nur Ruhe haben.", erzählt Liane S. Doch statt Ruhe muss die Frau jetzt noch mal alle Geschehnisse vor Gericht durchleben. Dem 31-Jährigen werden u.a. Vergewaltigung in Tateinheit mit Körperverletzung und schwerer Raub zur Last gelegt. Der Angeklagte ist allerdings mehrfach nicht zu den Gerichtsterminen erschienen, weshalb diese immer wieder verschoben werden mussten – Eine schwere Belastung für die Klägerin. "Sie ist gebrochen.", erzählt Liane S.

Zum Prozessauftakt Anfang Juni 2021 stritt der Angeklagte alle Vorwürfe ab. Seine Ex-Ehefrau kollabierte während dieses Gerichtstermins und musste vorerst krankgeschrieben werden. Heute soll sie vor Gericht als Zeugin aussagen, noch ist unklar, ob sie das schafft. Ein Urteil wird frühestens Ende Juni erwartet.

Hier finden Opfer von Gewalt Hilfe

Sie sind Opfer von Gewalt? Egal, ob Sie geschlagen, gestalkt oder missbraucht wurden: Sie sind nicht allein, denn es gibt Hilfe. Wir haben für Sie wichtige Anlaufstellen aufgelistet, an die Sie sich im Notfall wenden können. (mca)