Verzögerung in Diesel-Affäre

Prozess gegen Ex-VW-Chef Winterkorn: Steht er erst 2024 vor Gericht?

Martin Winterkorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Martin Winterkorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
© deutsche presse agentur

26. August 2021 - 7:47 Uhr

Im September sollte es losgehen

Zwei Mal wurde der Prozess gegen Martin Winterkorn um den Diesel-Skandal bei Volkswagen wegen der Corona-Pandemie bereits verschoben. Nun sollte er eigentlich im September beginnen. Doch jetzt könnte es bis zu drei weitere Jahre dauern, bis der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Volkswagen vor Gericht steht.

Verfahren könnte ohne Winterkorn starten

Bisher war der Start des Prozesses vor dem Landgericht Braunschweig gegen Martin Winterkorn und vier weitere VW-Führungskräfte für den 16. September geplant. Doch nun prüft das Gericht offenbar das Verfahren ohne Winterkorn zu starten. Zunächst würde dann am 16. September nur der Prozess gegen die vier anderen Angeklagten beginnen. Das sagte der Sprecher des Landgerichts, Stefan Bauer-Schade, am Mittwoch zu einem Bericht des Wirtschaftsmagazins "Business Insider". Der NDR berichtet, das Gericht habe am Dienstagabend alle Prozessbeteiligten über diese Absicht informiert. Der Prozess gegen Winterkorn würde dann erst beginnen, wenn das Verfahren gegen die anderen Angeklagten beendet sei.

Hintergrund sind mehrere Hüft-Operationen

Grund für die Überlegungen ist offenbar der Gesundheitszustand des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden. Winterkorn muss dringend an der Hüfte operiert werden. Wie aus einem medizinischen Gutachten hervorgehe, wäre er nach einer dritten Hüft-Operation wohl erst Mitte 2022 wieder verhandlungsfähig. Die Abtrennung des Verfahrens sollte dann lange Wartezeiten für die vier weiteren Angeklagten verhindern. Wie der NDR berichtet, könnte das Verfahren gegen die vier weiteren VW-Manager mindestens zwei Jahren dauern, also bis in den Herbst 2023. Winterkorn käme daher wohl frühestens 2024 vor Gericht - fast zehn Jahre nach dem Auffliegen des Diesel-Skandals. Bis zum 3. September müssen die Anwälte von Winterkorn sowie der anderen Angeklagten und die Staatsanwaltschaft Braunschweig sich zu den Plänen des Gerichts äußern.

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Vorwurf: Bandenmäßiger Betrug

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten gewerbs- und bandenmäßigen Betrug im Zusammenhang mit den Abgas-Manipulationen an Millionen Autos vor, die 2015 die Dieselkrise ausgelöst hatten. Selten zuvor richtete ein Wirtschaftsskandal in Deutschland so großen finanziellen Schaden an. Im September 2015 hatte Volkswagen nach Prüfungen von Behörden in den USA Manipulationen an Abgaswerten zugegeben. Die Enthüllungen traten den Abgasskandal los, der den Konzern bis heute weit über 30 Milliarden Euro an juristischen Ausgaben kostete. Winterkorn war schnell zurückgetreten. Er sei sich jedoch "keines Fehlverhaltens bewusst", sagte er damals. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig klagte ihn nach langwierigen Ermittlungen dennoch an. (dpa/lzi)