Umweltschützer machen Front gegen "fossile Party"

Proteste gegen Formel 1 in Zandvoort - Vettel: "Ich finde das gut!"

Sebastian Vettel hat Verständnis für die Proteste gegen die Formel 1
Sebastian Vettel hat Verständnis für die Proteste gegen die Formel 1
© Getty Images, Bongarts, AJB / WTM

03. September 2021 - 13:37 Uhr

Formel 1 bleibt für Klimaaktivisten rotes Tuch

Die Formel 1 will nachhaltig werden – um ihre Zukunft zu retten. Umweltschützer vermag der Plan nicht zu überzeugen, für sie bleibt die Königsklasse ein rotes Tuch. In Zandvoort prallen beide Welten aufeinander. Und zumindest ein Fahrer hegt ganz offen Sympathien mit den Klimaaktivisten und ihren Aktionen: Sebastian Vettel.

"Unnötige Emissionen, Naturzerstörung und Vetternwirtschaft"

Nur ein paar Hundert Meter von der Strecke entfernt rollen die Wellen der Nordsee an den Strand, rundherum erstreckt sich eine grüne Dünenlandschaft – ein Naturschutzgebiet. An diesem Wochenende ist es dort erstmal vorbei mit der Idylle. Die Formel 1 kommt nach Zandvoort, bringt ihre brüllenden Boliden mit und dazu 70.000 Fans pro Tag.

Für Umweltschützer beschreibt dieses Rennen ziemlich genau, was falsch läuft in der Welt: "Der Grand Prix ist ein Beispiel für unnötige Emissionen, Naturzerstörung und Vetternwirtschaft, die unsere Zukunft gefährden", teilt die Bewegung Extinction Rebellion mit, und die niederländische Regierung mache eine Ausnahme "für diese fossile Party".

Vettel findet Proteste in Zandvoort gut

Die Formel 1 gerät an diesem Wochenende wieder mal unter Erklärungsdruck, denn neuerdings hat sie selbst sich ja der Nachhaltigkeit verschrieben. Für viel ist das ein Widerspruch in sich. Ja, sagt auch Sebastian Vettel, er verstehe diese Einwände, und er habe auch von den Aktionen rund um das Rennen gehört.

Am Sonntag soll ein Fahrrad-Protest in den Straßen Zandvoorts als Gegenveranstaltung stattfinden, "es ist wichtig, Aufmerksamkeit zu erregen, ich finde das gut", sagt Vettel. Der Ex-Weltmeister ist neben Rekordchampion Lewis Hamilton so etwas wie das Gewissen der Königsklasse geworden, wenn es um die künftige Rolle des Motorsports geht.

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Das Problem sind nicht die Boliden, sondern das Großereignis

Und die wackelt durchaus, denn es geht ja nicht bloß um die unmittelbare Gefährdung der Landschaft in Zandvoort. Wie passt ein PS-Zirkus, der im Jahr mehr als 20-mal um den Globus reist und mit 1.000-PS-Autos im Kreis rast in eine Welt, die gegen den Klimawandel kämpfen muss? In diesem Sinne ist die Formel 1 ein einfaches Ziel, und das hat sie erkannt.

Bis 2030 will die wichtigste Rennserie der Welt klimaneutral sein, und dabei geht es nicht um die Autos auf der Rennstrecke. Die sind im Jahr nur für 0,7 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich, die in einer gesamten Formel-1-Saison produziert werden. Vor allem die gewaltige Logistik rund um die Grand Prix, der Transport mit Flugzeugen und Trucks, belastet die Umwelt.

Und der Ausstoß der Formel 1 ist dabei noch um ein Vielfaches kleiner als etwa der einer Fußball-WM. Das schwerwiegende Problem ist das Großereignis an sich, weniger die Boliden auf der Strecke.

Vettel: Formel 1 tut nicht genug für den Klimaschutz

Und so müsse jeder verstehen, worum es in den kommenden Jahrzehnten geht, sagt Vettel: "Wenn wir es nicht verstehen, dann gibt es keine Zukunft. Das klingt sehr düster, aber das Schöne ist, dass man noch immer viel tun kann. Und ich glaube, dass die Formel 1 da auch ihren Platz finden kann."

Dafür müsse sie ein Technologietreiber sein, momentan sei sie das nicht. Zwar sind die in der Rennserie eingesetzten Hybrid-Antriebe so effizient wie kein anderer Motor auf der Welt, sie nutzen die enorme Bremsenergie und die heißen Auspuffgase für den Elektroschub. Das nützt allerdings kaum etwas, weil das im Straßenverkehr nicht umsetzbar ist. Wichtiger sei die neue Motorenformel, die ab 2025 ausschließlich klimaneutrale, nachhaltige Kraftstoffe aus biologischem Abfall verwenden wird - und damit interessant für den Individualverkehr sein könnte.

Bisher habe die Formel 1 bloß kleine, erste Schritte unternommen, sagt Vettel, "das ist gut. Aber ist es schon genug? Nein." Mit diesem Problem sei sie allerdings nicht allein. "Tut die Menschheit schon genug? Vermutlich nicht."