„Prince Charming“-Kolumne, Folge 8

Ein schwules Märchen geht zu Ende – Was hat „Prince Charming“ wirklich bewegt?

Nicolas Puschmann hat seinen Prince Charming gefunden: Podcaster Lars.
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20. Dezember 2019 - 14:35 Uhr

Von Phillip Syvarth

20 Männer, ein Prince und am Ende steht ein Liebespaar: Das war sie, die erste deutsche schwule Dating-Show. Im Finale entscheidet sich Nicolas für Lars, nach einem finalen Kuss und einem halbgroßen Feuerwerk ist dann alles vorbei. Die Highlights der letzten Folge sind aber keinesfalls die romantischen Momente, sondern die Szenen mit Nicolas' Schwester Sabrina. Denn als die ihren Bruder in Griechenland besucht und ihn bei seiner finalen Entscheidung unterstützt, zeigt die Reality-Soap noch einmal ganz deutlich ihre Stärke.

Sympathisch, hübsch, selbstbewusst: Die Prinzenschwester zu Besuch

Sabrina ist wie die anderen Puschmanns auch: Auf Anhieb sympathisch, hübsch und sie fühlt sich sofort wohl vor den Kameras. Selbstbewusst trifft sie erst Dominic und dann Lars, führt mit ihnen Bewerbungsgespräche um die Stelle als Partner ihres Bruders und lässt ihnen den Raum, noch einmal ihre Geschichten zu erzählen. Das bewegt, denn Dominic hat inzwischen den Kontakt zu beiden Elternteilen verloren, Lars' Mutter hat sich das Leben genommen, als er ein kleiner Junge war.

Gerade Dominics Geschichte deutet an, dass sich Deutschland auch heute noch schwertut mit der Akzeptanz von Schwulen und LGBTQ – übrigens auch rechtlich: Homo – und bisexuelle Deutsche werden noch immer nicht in Artikel 3, dem Gleichbehandlungsartikel erwähnt, dürfen nur unter absurden Bedingungen Blut spenden und Konversationstherapien für Minderjährige sind erst seit diesem Monat verboten. Die Geschichten von Dominic und den anderen Jungs, wie beispielsweise Alexander, der mit seinem Outing mit seiner Zeugen-Jehovas-Familie brach, machen auf fehlende Akzeptanz in Deutschland aufmerksam.

Familie Puschmann macht Mut

Dass Sabrina die beiden Finalisten dann dazu auffordert, Nicolas einen Brief zu schreiben, verwundert ein bisschen. Nach der Post von Manuel und Kiril müssten Briefe für den Prince doch inzwischen schon an Wert verloren haben, doch Dominic und Lars machen's gerne mit und während die Jungs sich ans Werk machen, trifft Sabrina endlich ihren Bruder. Die Geschwister ziehen sich mit Wein auf die Terrasse zurück und schnacken. Und genau dann zeigt die Show ein weiteres Mal, wo ihre Stärke liegt. Denn mit den Puschmanns hat man eine Familie gecastet, die sich jeder Homo wünschen würde. Dass sich Sabrina und Nicolas lieben, checkt man sofort und wie die kleine Schwester ihren Bruder in Sachen Liebe berät, ist ein bisschen herzzerreißend. Jungen Schwulen vor dem Fernseher geben solche Szenen sicherlich Mut und den Zuschauern, denen das Thema Homosexualität fremd ist, wird ihre Normalität vor Augen geführt.

Die Puschmann-Geschwister vereint: Sabrina berät Bruder Nicolas in Sachen Liebe.
Die Puschmann-Geschwister vereint: Sabrina berät Bruder Nicolas in Sachen Liebe.
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Nicolas Puschmann: „Ich habe die Podcasthure zur Nonne gemacht“

Lars gewinnt das Herz von Nicolas, eine Entwicklung, die ich zu Beginn der Show nie kommen sehen habe und die sich bereits im Halbfinale abgezeichnet hat. Ein bisschen irritiert es trotzdem, wenn auch im Finale Lars' Podcast Erwähnung findet: "Ich habe die Podcasthure zur Nonne gemacht", meint Nicolas und Lars, dem der Werbeslogan gefällt, nickt zufrieden. Der Verdacht will sich einfach nicht auflösen, dass Lars in der Kuppelshow vor allem eine Plattform für ein B-Promidasein sucht. Im "Stern"-Interview erklärt er zurück in Deutschland, dass er sofort ins RTL Dschungelcamp gehen würde und auch Nicolas erwähnt im großen Paarinterview noch einmal den Podcast – mit Namen.

Trotzdem kann ich nur raten, was sich Nicolas und Lars in Zukunft wirklich voneinander wünschen und wie bei jeder Kuppelshow muss sich einfach auf die Aussagen des Gewinnerpaares verlassen werden. Laut Prince und Podcaster ist es Liebe und beiden wollen schon im Februar zusammenziehen.

Ein schwules Märchen geht zu Ende

Letztendlich geht es bei "Prince Charming" aber auch gar nicht darum, ob Nicolas seine wahre Liebe gefunden hat oder nicht. Es geht darum, dass zum ersten Mal in einer deutschen Kuppelshow 20 Männer auf Liebessuche waren: Nicolas und seine Jungs haben sich gedatet, geküsst, über schwulen Sex gesprochen, Coming-Out-Stories geteilt und ihren Stolz gezeigt. Für eine zweite Staffel wünscht man sich einen diverseren Cast und einen Prince, für den ein Sixpack beim Gegenüber zweitrangig ist. Trotzdem war "Prince Charming" schlussendlich ein schwules Märchen, das einen kleinen Meilenstein in Sachen Repräsentation von LGTBQ gesetzt hat.