RTL News>News>

Polizeigewalt gegen 13-Jährigen in Duisburg? Emirhan (13) konnte nicht atmen und hat schwarzgesehen

Freunde des Teenagers filmten mit

Polizeigewalt gegen 13-Jährigen in Duisburg? Das sagen der Junge und sein Vater zu dem Vorfall

Polizeigewalt gegen 13-Jährigen in Duisburg Jetzt spricht Emirhan Altintas
02:24 min
Jetzt spricht Emirhan Altintas
Polizeigewalt gegen 13-Jährigen in Duisburg

30 weitere Videos

Weil er in Duisburg angeblich zwei Wahlplakate von Laternen gerissen und anschließend geflohen sein soll, hatten Polizisten vergangene Woche einen 13-Jährigen in Gewahrsam genommen , ihn am Boden fixiert und Handschellen angelegt. Videos des Vorfalls gingen durch die sozialen Medien, vielfach ist von Polizeigewalt die Rede. RTL hat mit Emirhan Altintas und seinem Vater gesprochen. Was sie dazu sagen, und wie sich die Polizei selbst äußert – im Video.

Polizei Duisburg: "Es kam zu einer Widerstandshandlung“

Freunde des Schülers filmten die Szenen mit ihren Handykameras, bezeichnen den Vorgehen als Polizeigewalt. Ihnen zufolge habe der 13-Jährige beim Spielen aus Versehen Wahlplakate abgerissen und dann auch selbst wieder aufgestellt. Da war die Polizei schon informiert, denn in Duisburg häufen sich Fälle, in denen solche Plakate beschädigt oder geklaut werden.

„Die haben mein Handy genommen und meine Umhängetasche“, so Emirhan Altintas. Anschließend hätten die Beamten gefragt, ob er einen Ausweis oder Schülerausweis dabei habe, was der 13-Jährige verneint habe. „Dann wollten die mich, ohne was zu sagen, ins Auto reinsetzen.“ Eine Sprecherin der Polizei schildert die darauf folgenden Szenen so: „Als sie ihm dann mitteilten, dass sie ihn jetzt zu den Eltern bringen müssen, um auch die Personalien nochmal zu überprüfen, nahm der Junge Reißaus. Die Polizisten folgten ihm, stoppten den Jungen. Es kam zu einer Widerstandshandlung.“

Emirhan (13) über Polizeieinsatz in Duisburg: "Habe schwarzgesehen, konnte nicht mehr richtig atmen"

Im Video ist zu sehen, wie Emirhan auf dem Rücken liegt, weint, sein Gesicht ist gerötet. „Da habe ich halt angefangen zu weinen, weil das weh getan hat. Als die dann mit dem Knie auf meinem Hals waren, habe ich nur schwarzgesehen und ich konnte nicht mehr so richtig atmen. Fünf, sechs Sekunden lang“, sagt er im Gespräch mit RTL. Ob ein Beamter tatsächlich auf seinem Hals kniete, ist auf den Aufnahmen nicht zu sehen. Die Polizei selbst dementiert das. Das Knie des Beamten sei zu keiner Zeit in einer gefährlichen Position gewesen, heißt es.

Emirhans Vater hat kein Verständnis für das harte Vorgehen der Beamten. Er glaubt, dass die Polizei mit der Situation überfordert war. RTL hat Michael Mertens von der Polizeigewerkschaft mit den Bildern konfrontiert. „Es stand nicht abschließend fest, dass er dreizehn ist und auch, wenn er dreizehn wäre: Unter gewissen Umständen darf die Polizei unter Bewahrung der Verhältnismäßigkeit einfache körperliche Gewalt gegen Kinder anwenden.“ Die Duisburger Polizei weist die Kritik zurück. „Nach allem was wir derzeit wissen, handelt es sich um regelkonformes Verhalten der Kollegen“, so eine Polizeisprecherin.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Kurze Videomitschnitte können irreführend sein

Regelmäßig landen Videos von Polizeieinsätzen im Internet. Das Problem: Sie zeigen selten den kompletten Tathergang, Szenen sind aus dem Kontext gerissen, die Realität verzerrt. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das „davor“ und das „danach“ mindestens genauso wichtig ist wie dieser kurze Ausschnitt und ein Sachverhalt nur im gesamten Kontext bewertet werden kann. Deshalb wird es wichtig sein, den Sachverhalt komplett aufzuklären und danach zu bewerten“. so Mertens.

Emirhan ist mit seinen dreizehn Jahren nicht strafmündig, ihm droht somit wohl kein Verfahren, etwa wegen des angeblichen Widerstands gegen Polizeibeamte, oder des vermeintlichen Vandalismus. Gegen die Beamten jedoch ermittelt jetzt die Polizeibehörde Düsseldorf. Ergebnis offen. Um Fälle wie diesen in Zukunft lückenlos aufklären zu können, werden Polizeibeamtinnen und -beamte in Nordrhein-Westfalen zukünftig mit Bodycams ausgestattet. (cwa)