Wenn die Mutter plötzlich zum Pflegefall wird

Tochter Monika unter Tränen: "Die Entscheidung für geliebte Menschen zu treffen, ist ganz, ganz schwer"

17. Januar 2022 - 16:09 Uhr

von Gunda Möller und Tim Kirschsieper

Was mache ich, wenn ein Angehöriger plötzlich zum Pflegefall wird? Von heute auf morgen muss ein Pflegeheim her – und woher weiß ich, dass dort alles so läuft, wie man sich es wünscht? Laut einer neuen Untersuchung der Bertelsmannstiftung gibt es oftmals nicht ausreichend Informationen über die verschiedenen Einrichtungen. Welche Erfahrung Monika Fink aus Pfungstadt bei der Suche eines Pflegeheims für ihre Mutter gemacht hat – im Video!

Sturz der Mutter stellt Monika vor große Herausforderungen

Eben noch gesund und munter den 80. Geburtstag gefeiert – plötzlich verändert ein Sturz von Elfriede Fink alles. Auch das Leben ihrer Tochter Monika (61). Durch die schweren Verletzungen beim Sturz - die Seniorin bricht sich Schulter und Hüfte - muss Elfriede zunächst sechs Wochen ins Krankenhaus. Und dann ist ihre Tochter Monika gefragt: Die kurzfristige Entlassung und die Tatsache, dass ihre Mutter in ihrem Zustand nicht alleine leben kann, stellt sie plötzlich vor die große Herausforderung: Ein Platz in einem Pflegeheim muss her.

"Es tut weh, Angehörige weggeben zu müssen"

"Erstmal versucht man, was zu Hause zu organisieren. Der Verweis an ein Pflegeheim ist für die Familie immer der letzte Schritt. Es tut weh, Angehörige weggeben zu müssen", sagt Monika Fink, selbst Angestellte in der ambulanten Pflege, im RTL-Interview. "Für sich selbst etwas zu entscheiden, ist das eine. Aber für Angehörige, die man liebt, eine Entscheidung zu treffen 'du musst jetzt den Weg gehen', das ist ganz, ganz schwer", gesteht die 61-Jährige unter Tränen.

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Schwere Entscheidung: Monika Fink ist sehr froh, für ihre Mutter Elfride das passende Pflegeheim gefunden zu haben.
Schwere Entscheidung: Monika Fink ist sehr froh, für ihre Mutter Elfriede das passende Pflegeheim gefunden zu haben.
© RTL

Senioren haben große Angst vor Vereinsamung

"Der alte Mensch, der da gehen soll, hat vor allem Angst", erklärt uns Monika Fink aus der Sicht der Tochter aber auch der Pflegedienst-Angestellten. Tagtäglich ist sie mit den Emotionen der Betroffenen und der Angehörigen konfrontiert. Drei bis viermal am Tag erhält ihre Dienststelle Anfragen für eine ambulante Pflege – und viele müssen aufgrund von Personalmangel abgelehnt werden.

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"In so einem Pflegeheim ist man erst einmal ganz alleine und fremd. Im gewohnten Umfeld trifft man mal den Nachbarn, da kennt man den Metzger, den Bäcker. Die größte Angst ist, im Pflegeheim zu vereinsamen," beschreibt Monika die schwierige Lage der Senioren. Angesichts dieser Ängste ist es umso wichtiger, dass die Einrichtung die Senioren auffängt und gut betreut.

Pflegeheimsuche ist Glücks- und Vetrauenssache

Durch Mundpropaganda findet Monika das passende Pflegeheim zur Kurzzeitpflege für ihre Mutter. Das sei laut der Pfungstädterin eh die beste Lösung: mit Nachbarn und Bekannten sprechen. Viele haben Pflegefälle in ihren Familien und können ein Heim empfehlen. Ob das dann wirklich die erwartete Qualität hat, ist dann natürlich Glücks- und Vertrauenssache, sagt Monika Fink. Die Bewertungen, die es öffentlich gibt von einem Heim sei vergleichbar mit denen eines Urlaubshotels – der eine findet's super, der andere beschwert sich durchgehend.

Hilfe bei der Pflegeplatz-Suche

Oftmals bleibt durch eine unerwartete Situation wie ein Sturz auch gar nicht viel Zeit, sich wegen der Qualität zu informieren, so Monikas Erfahrung. Krankenhäuser geben einem Adresse zur Hand. Ob ein Heim geeignet ist, muss man jedoch selbst recherchieren.

Offizielle Hilfe kann zum Beispiel der AOK-Pflegenavigator geben. Über 30.000 Einrichtungen (Pflegedienste und -heime) bundesweit sind hier detailliert beschrieben und teilweise auch bewertet. Außerdem gibt es sogenannte Pflegestützpunkte in den jeweiligen Gemeiden, an die sich Angehörige für eine Auswahl eines Dienstes wenden können.

In Hessen erhalten Sie nur in den Einrichtungen selbst Informationen zur Qualität der Einrichtung. Nur Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen veröffentlichen die Ergebnisse so, dass sie allgemein online verfügbar sind. Die Untersuchung der Bertelsmannstiftung fordert hier bundesweit mehr Transparenz. (gmö)