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Pferdefleisch-Skandal: EU-Staaten entscheiden über Gentests

Pferdefleisch-Skandal: EU-Staaten entscheiden über Gentests

Expertin: Medikament in Pferdefleisch nicht harmlos für Menschen

Die Affäre um falsch deklariertes Pferdefleisch zieht Kreise in ganz Europa. Heute wollen die EU-Staaten daher über die Einführung von europaweiten Gentests für verarbeitetes Rindfleisch entscheiden. Mit den Tests sollen die Aufsichtsbehörden feststellen, ob es sich bei den Proben um Pferdefleisch handelt.

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Nach dem Bekanntwerden des Pferdefleisch-Skandals wollen die EU-Staaten über Fleisch-Gentests entscheiden.
dpa, Patrick Pleul

Nach dem Brüsseler EU-Beschluss könnten es die ersten 2.500 Gentests im März geben, etwa 200 davon in Deutschland. Ergebnisse sollen EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg zufolge Mitte April veröffentlicht werden.

Um sicherzustellen, dass Verbraucher kein mit Medikamente verseuchtes Fleisch zu sich nehmen, schlägt die EU-Kommission zudem eine weitere Testreihe vor. Dabei sollen die Behörden Pferdefleisch auf mögliche Rückstände des Medikaments Phenylbutazon untersuchen. Das Mittel wird bei Pferden gegen Entzündungen eingesetzt. Es gilt auch als Doping-Mittel im Pferdesport. 1.500 in die EU eingeführte Pferdekadaver sollten untersucht werden, zudem 2.500 in Europa geschlachtete Tiere.

Jenes Phenylbutazon ist nach Experten-Einschätzung keineswegs harmlos. "Es ist ein stark wirksames Mittel gegen Entzündungen im Körper und keinesfalls total unproblematisch", sagte Petra Zagermann-Muncke von der Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker. Als Nebenwirkungen seien schwere allergische Reaktionen – Hautausschläge, Asthma oder Blutbildschäden möglich, auch unabhängig von der Dosis. Die britischen Behörden schätzten das Gesundheitsrisiko dagegen für Menschen als gering ein.

Verdacht bei Kaiser's Tengelmann bestätigt sich

Unterdessen geht auch die Suche deutscher Behörden nach falsch deklarierten Fleischprodukten weiter. In zahlreichen Bundesländern wurden bereits tausende Tiefkühlprodukte aus den Regalen genommen.

Die Metro-Tochter Real und die Supermarktkette Edeka hatten bereits Fertiggerichten mit Pferdefleisch entdeckt, die eigentlich nur Rind enthalten sollten. Als weitere Handelskette hat Konsum Leipzig eine verdächtige Tiefkühl-Lasagne aussortiert. Konsum ist ein eigenständiges Unternehmen und bezieht seine Ware unter anderem von Edeka.

Bei Kaiser's Tengelmann hat sich der Verdacht auf Pferdefleisch in der 'A&P'-Tiefkühllasagne bestätigt. "Seit gestern Abend wissen wir vom Hersteller selbst, dass unser Anfangsverdacht richtig war, und ich bin sehr froh, dass wir zum Schutz unserer Kunden das Produkt sofort nach Bekanntwerden des Verdachts aus allen Filialen genommen haben", sagte Raimund Luig als Sprecher der Geschäftsführung.

In Großbritannien sind erneut Spuren von Pferdefleisch in Rindfleischprodukten aufgetaucht. Wie die BBC unter Berufung auf die Lebensmittelaufsicht FSA berichtete, wurden Pferdefleischspuren in 29 von 2.500 getesteten Produkten gefunden. Darunter waren Lasagne und Rindfleisch-Hamburger der Hotel- und Kneipenkette Whitbread's. In der Grafschaft Lancashire wurden unterdessen Fleischpasteten wegen Pferdefleischspuren aus den Schulkantinen entfernt.

Zuvor hatte es In London erste Hinweise auf Rückstände von Medikamenten in Pferdefleisch gegeben. Im Zusammenhang mit dem Lebensmittelbetrug wurden in Großbritannien drei Männer festgenommen. Nach Erkenntnissen französischer Ermittler hat der Lebensmittelhändler Spanghero wissentlich tonnenweise als Rind gekennzeichnetes Pferdefleisch aus Rumänien vertrieben.

Spanghero bestreitet dies allerdings. "Ich weiß nicht, wer hinter all dem steckt, aber ich kann ihnen versichern, wir sind es nicht", sagte Firmenchef Barthelemy Aguerre im Radio. "Ich glaube, die Regierung hat vorschnell gehandelt." Gesundheitsminister Benoit Hamon hatte erklärt, der Firma könne nicht entgangen sein, dass das aus Rumänien importierte Fleisch viel billiger als Rindfleisch gewesen sei. Zudem gebe es keine Hinweise darauf, dass der rumänische Exporteur das Fleisch falsch deklariert habe.