Panne in Frankreich

Kind (2) stirbt, weil Notrufnummer ausfiel

Wegen einer schweren technischen Panne beim französischen Telekom-Anbieter Orange, herrschte beim Notruf „112“ Funkstille.
Wegen einer schweren technischen Panne beim französischen Telekom-Anbieter Orange, herrschte beim Notruf „112“ Funkstille.
© Ait Adjedjou Karim/Avenir Pictures/ABACA

03. Juni 2021 - 22:39 Uhr

Frankreich: Mindestens drei Menschen sterben, weil sie den Notruf nicht erreichen konnten

Wegen einer schweren technischen Panne beim französischen Telekom-Anbieter Orange, herrschte am Mittwochabend beim Notruf "112" in ganz Frankreich über Stunden Funkstille. Die fatalen Folgen: Mindestens drei Menschen sind laut dem Gesundheitsministerium vermutlich wegen fehlender Hilfe gestorben, darunter auch ein zweieinhalb Jahre altes Kind.

Präsident Macron: Zu früh, um Schlüsse zu ziehen

Das Kleinkind ist am Mittwochabend in der westfranzösischen Region Vendée gestorben, teilten die örtlichen Behörden am Donnerstag mit. Sie sprachen von einer "Tragödie". Eine Untersuchung sei eingeleitet worden, um zu ermitteln, inwiefern der Ausfall des Notrufs Schuld am Tod des Kindes ist.

In ganz Frankreich ist am Mittwochabend der Notruf "112" über mehrere Stunden ausgefallen, teilte Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran mit. Er sprach am Donnerstag von drei bis vier Todesfällen, die in Verbindung mit der Störung stehen könnten. Es sei aber zu früh, um Schlüsse zu ziehen und eine Verbindung zu der Panne herzustellen. Auch Präsident Emmanuel Macron sagte der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge, es sei zu früh, um eine Bilanz der Situation zu ziehen, man sei aber besorgt.

Mehrere Menschen starben, weil sie den Notruf nicht erreichen konnten

Bereits am frühen Mittwochabend hatte es Störungen bei den Notrufnummern gegeben. In der Nacht zum Donnerstag waren rund 400 Ersatznummern eingerichtet worden, um Feuerwehr, Polizei oder Notarzt weiterhin zu erreichen. Am Donnerstagnachmittag teilte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin auf Twitter mit, dass es zwar noch vereinzelte Störungen gebe, die Situation sich aber verbessert habe. Die Ausweichnummern sollten noch bis zum Freitagmorgen weiter bestehen. Darmanin bezeichnete die Störungen als schwer und nicht hinnehmbar.

Ein Mensch, der eine Herz-Kreislauf-Krankheit hatte, soll in der Bretagne gestorben sein, weil die Rettungsdienste nicht rechtzeitig erreicht werden konnten. Auf der französischen Insel La Réunion starben zwei weitere Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankung, die zuvor versucht hatten, den Notruf zu erreichen. Darmanin zufolge ist aber unklar, ob es bei den Fällen auf La Réunion besonders lange bis zum Eintreffen der Rettungskräfte gedauert hat.

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Softwarepanne soll Schuld sein

Die genaue Ursache der Panne war zunächst nicht bekannt. Orange-Geschäftsführer Stéphane Richard schloss einen externen Angriff im Sender TF1 aus. Eher handle es sich um eine Softwarepanne. Das Netz werde noch verstärkt überwacht, die Dienste funktionierten aber wieder vollständig. Auf Twitter entschuldigte sich Richard für den Vorfall.

Die Störung zieht nun Forderungen nach Aufklärung hinter sich. Innenminister Darmanin will den Vorfall untersuchen lassen. Die Staatsanwaltschaft in Vannes kündigte an, eine Untersuchung einzuleiten, nachdem es in dem bretonischen Ort zu einem Todesfall gekommen war, wie AFP berichtete. (dpa, mor)

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