Attentäter tötet in Norwegen fünf Menschen

Zeugen erinnern sich an Horrornacht von Kongsberg: „Ich dachte, es sei Krieg“

14. Oktober 2021 - 18:17 Uhr

Fünf Tote bei Gewalttat nahe Oslo

Die schreckliche Gewalttat in Kongsberg, bei der ein Täter fünf Menschen tötete und zwei weitere verletzte, versetzt Norwegen in Schock und Trauer. Mehrere Augenzeugen erinnern sich mit Schrecken an die Mordnacht am vergangenen Mittwoch zurück. Er habe sich wie im Krieg gefühlt, sagt ein Einwohner von Kongsberg.

Zeuge erinnert sich: "Das waren Todesschreie"

"Ich dachte, es sei Krieg", schildert Thomas Nilsen seine Eindrücke gegenüber "nrk". "Ich hörte einen Schrei, den ich noch nie zuvor gehört hatte. Es war ein schriller Schrei, der sich in die Seele brannte. Das werde ich nie vergessen, das waren Todesschreie."

Im Tumult habe er einem Bekannten eine Nachricht geschrieben, so Nilsen. Es sei eine Situation "wie in Kabul", schrieb er. "So habe ich es erlebt."

Den Einsatz der Polizei lobte Nilsen ausdrücklich. Diese sei in großer Zahl und schwer bewaffnet vor Ort erschienen. "Sie schienen mir sehr effizient und organisiert zu sein", so der Norweger.

Zeugen berichten von Opfer: "Er ist ein Held"

In Kongsberg wurden am Mittwoch fünf Menschen getötet, zwei weitere wurden verletzt.
Der Täter tötete in Kongsberg am Mittwoch fünf Menschen.
© Privat

Auch Synne Wettestad und Knut Erik Ødegåren erlebten den Angriff am Mittwoch aus nächster Nähe mit: Sie wohnen direkt neben dem Supermarkt, in dem der Schütze zuerst angriff. Als sie Schreie hörten und aus dem Fenster blickten, sahen sie auf der Straße einen Mann, dem ein Pfeil aus dem Rücken ragte. "Er schrie die Leute an, dass sie fliehen sollten", erinnert sich Wettestad.

Auch Markus Kultima traf auf den verwundeten Mann: "Ich habe einen Typen gesehen, der gerufen hat, dass ich nach Hause soll. Dann erst habe ich gemerkt, dass ihm ein Pfeil in der Schulter steckt", so Kultima. "Ich denke, er ist ein Held. Dass er den Mut hatte, mit einem Pfeil in seiner Schulter herumzulaufen und andere Leute zu warnen, er ist ein Held."

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"Es ist absolut grausam, darüber nachzudenken"

Miriam Kristensen Kimerud beschreibt die Situation als zunächst "völlig unwirklich." "Man realisiert es erst nach einer Weile. Dass es Menschen in unserer Nähe gibt, die ihr Leben verloren haben. Es ist absolut grausam, darüber nachzudenken", sagt die 26-Jährige.

Die junge Frau war mit Freundinnen in einem Restaurant, um den Geburtstag einer Freundin zu feiern, als sie draußen Schüsse hörten. "Ich fühlte mich hilflos und hatte das Gefühl, dass die Situation gar nicht mehr enden würde", so Kimerud. "Als ich nach Hause kam, schloss ich die Tür ab. Ich fühlte mich den ganzen Abend übel und zitterte am ganzen Körper."

Polizei geht von terroristischem Akt aus

Am Mittwochabend hatte ein Mann in Kongsberg mit Pfeil und Bogen sowie einem Messer bewaffnet Passanten angegriffen. Fünf Opfer kamen ums Leben, zwei weitere wurden ins Krankenhaus eingeliefert.

Die Polizei geht mittlerweile von einem terroristischen Akt aus. Ermittlungen zum Motiv des Täters liefen allerdings weiter, so die norwegische Polizei. Der Angriff ist das schlimmste Attentat in Norwegen seit den Anschlägen von Anders Breivik vor mehr als zehn Jahren.