Usyk will kämpfen

Aus dem Krieg in den Ring?

Oleksandr Usyk.
Oleksandr Usyk.
© AP, Frank Augstein, FA DP

24. März 2022 - 17:37 Uhr

Box-Champion Oleksandr Usyk verteidigt sein Heimatland Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg. Noch. Denn Medienberichten zufolge wird der 35-Jährige das Land bald an der polnischen Grenze verlassen, um sich anschließend seinem eigentlichen Job zu widmen. Das anvisierte Rematch gegen den entthronten Box-Adonis Anthony Joshua findet offenbar doch statt.

Aus London in den Krieg

Vom Profisport in den Krieg und zurück. Oleksandr Usyk erlebt gerade brutale Wochen. Nach dem Beginn der russischen Invasion gab es für den Ukrainer keine Zweifel, was zu tun ist. Er reiste aus London nach Osteuropa und schloss sich der territorialen Landesverteidigung in Kiew an. Der Sport erst mal absolut zweitrangig.

"Ich weiß wirklich nicht, wann ich wieder im Ring stehen werde. Mein Land und meine Ehre sind wichtiger als Weltmeisterschafts-Gürtel", sagte Usyk damals.

Doch nun deutet sich eine spektakuläre Wende an. Denn laut ESPN ist der Schwergewichtsboxer auf dem Weg an die ukrainisch-polnische Grenze, um auszureisen. Usyk soll sich im Ausland fit machen für den Rückkampf gegen Joshua im Juni. Gegen den Engländer hatte er im September 2021 über 12 Runden nach Punkten gewonnen und die WM-Gürtel der Verbände IBF, WBA, WBO und IBO geholt. Gewinnt er gegen Joshua ein weiteres Mal wartet wohl der Sieger aus dem WBC-WM-Fight Tyson Fury gegen Dillian Whyte auf Usyk. Es ginge dann um die unumstrittene Weltmeisterschaft.

Usyk ist bereit, im Krieg zu töten

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Sonderregelung hilft Usyk bei der Ausreise

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Zuvor hatten schon Aussagen von Joshuas Promoter Eddie Hearn aufhorchen lassen. Bei "Talksport" sagte er: "Wird AJ gegen Usyk passieren? Ich denke, dass der Kampf im Juni stattfinden wird."

Usyk kommt bei seiner geplanten Ausreise eine Sonderregelung zugute. Denn eigentlich dürfen Männer zwischen 18 bis 60 Jahren die Ukraine derzeit nicht verlassen – allgemeine Mobilmachung wegen des Krieges. Ausnahme: Wer mindestens drei Kinder unter 18 zu versorgen hat. Usyk hat drei Kinder und braucht daher keine Sondergenehmigung.

Angebot abgelehnt: Lomachenko bleibt in Odessa

FILE - Vasiliy Lomachenko, of Ukraine, celebrates after defeating Guillermo Rigondeaux in a WBO junior lightweight title boxing match in New York, Dec. 9, 2017. Former heavyweight champions Vitali and Wladimir Klitschko are leading some of the resist
Vasiliy Lomachenko.
© AP, Adam Hunger, AH

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Anders ist die Lage für einen weiteren Box-Superstar, der im Krieg kämpft. Vasiliy Lomachenko. Der frühere Leichtgewicht-Weltmeister hat zwei Kinder, darf also ohne Weiteres nicht aus dem Land. Er hat sich wie Usyk der Landesverteidigung angeschlossen und zwar bei Odessa.

Lomachenkos Promoter Bob Arum berichtet, dass es Kontakte zwischen der ukrainischen Regierung und seinem Boxer sowie Usyk gegeben habe. "Sie haben erkannt, dass es einen enormen Wert für die Öffentlichkeit hat, wenn sie kommen, trainieren und an Titelkämpfen teilnehmen", sagte Arum bei "Fanatics View".

Schlussendlich lehnte Medienberichten zufolge Lomachenko das Angebot zur Ausreise ab. Er bleibt in Odessa. Anfang Juni hätte ihn gegen George Kambosos in Australien einen Mega-Fight erwartet, in dem er seine Titel zurückholen wollte. Das Comeback muss nun warten.

Wie ESPN berichtet, hat Landsmann Usyk hingegen entschieden, sich für den Kampf gegen Joshua vorzubereiten.

Den Titel für sein Land in dieser schwierigen Situation zu verteidigen – für Usyk gibt es wohl gerade nichts Größeres. (msc)