Oktoberfest 2022

„Besser nicht hingehen“ Hendrik Streeck und Wiesn-Chef warnen bestimmte Gruppe vor Besuch

ARCHIV - 24.09.2016, Bayern, München: Zahlreiche Menschen gehen bei Sonnenschein über das Oktoberfest-Gelände. (zu dpa: «Countdown zur Wiesn zwischen Pandemie, Inflation und Energiekrise») Foto: picture alliance / dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Was bedeutet das Oktoberfest 2022 für die Entwicklung der Pandemie? Hier ein Archiv-Foto von 2016.
nic sja cul sd cul, dpa, Andreas Gebert

„O´zapft is!“- Wird nach zwei Jahren Corona-Zwangspause am Samstag (17. September 2022) in München wieder gerufen! Doch das Oktoberfest steht 2022 zu Anfang noch unter keinem guten Stern, denn das Wetter soll erst einmal so gar nicht mitspielen und selbst Wiesen-Boss Clemens Baumgärtner warnt bestimmte Gruppen vor einem Besuch des größten Volksfests Deutschlands.Auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck schließt sich der Warnung an.

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Oktoberfest 2022: Chef warnt vulnerable Gruppen vor Besuch - Streeck schließt sich an

Der Chef des Münchener Oktoberfest Clemens Baumgärtner hat Verständnis für alle, die sich angesichts voller Festzelte auf der Wiesn Sorgen machen. Dieses Jahr können Besucher und Besucherinnen selbst entscheiden, ob sie sich dem Corona-Risiko aussetzen. Doch Baumgärtner betonte in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) deutlich: „Ich glaube, dass jeder mittlerweile so viel Hobby-Virologe geworden ist, dass er das für sich selbst einschätzen kann, ob er bereit ist, auf die Wiesn zu gehen", so der Oktoberfest-Boss.

Wer sich krank fühle, solle das Oktoberfest genauso meiden, wie Menschen, die einer vulnerablen Gruppe angehörten. Denen rät er, „besser nicht hinzugehen“. Clemens Baumgärtner betonte außerdem die klare Gesetzeslage, die es erlaube Volksfeste zu feiern.

Auch Hendrik Streeck warnt im RTL-Interview gefährdete Personen vor einem Oktoberfest-Besuch.

“Wer trotz Impfung ein höheres Risiko für einen schweren Corona-Verlauf hat, dem würde ich nicht raten, auf das Oktoberfest zu gehen“, so Streeck deutlich. Klar sei aber auch, dass jeder für sich selbst entscheiden müsste.

„Wer trotzdem hingeht, trägt ein Risiko, das jedes Individuum aber für sich selbst tragen muss.“

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Oktoberfest 2022: Diverse andere Erreger treffen auf untrainierte Immunsysteme

Dass es nach dem Oktoberfest eine Krankheitswelle geben wird, ist vielen Experten längst bewusst. Tatsächlich war das schon immer so, in München hat sich in diesem Zusammenhang der Begriff "Wiesn-Grippe" etabliert.

Millionen Gäste aus aller Welt werden 2022 in München erwartet - und mit ihnen nicht nur die Corona-Variante Omikron BA.5, sondern auch noch diverse andere Erreger. Und die treffen auf viele bisher nicht Erkrankte und Immunsysteme, die aus dem Training sind.

Experten gehen davon aus, dass die erste Welle der grippalen Erkrankungen im Herbst sehr stark mit der Wiesn zusammenhängt, so auch Johannes Bogner, Leiter der Sektion Klinische Infektiologie am LMU-Klinikum der Universität München laut dpa. Das Phänomen sei seit über 100 Jahren bekannt.

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Corona: Mediziner gehen von Wiesn-Welle aus

Und Corona? Dass es eine Wiesn-Welle geben wird, daran zweifeln Mediziner nicht. Natürlich wird es dazu führen, dass eine Erhöhung der Fallzahlen auftreten wird, so Bogner. Auch der Pandemie-Beauftragte des Klinikums rechts der Isar der TU München, Christoph Spinner, stellt klar: Für all diejenigen, die auf die Wiesn gehen, ist die Übertragungswahrscheinlichkeit hoch.

Alles kein Grund, vor einem Besuch des Oktoberfests zurückzuschrecken, sagt uns Präventivarzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht: "Wer dreimal geimpft ist, im Zweifelsfall auch viermal, wenn nötig, der sollte einer möglichen Infektion wirklich gelassen entgegensehen." Letztlich gelte ja, dass wir nicht umhinkommen, uns zu infizieren. Sich durch eine Maske schützen zu wollen, sei eher eine freudlose Angelegenheit, denn Bier und Brezn zu essen sei damit ja ausgeschlossen - da bleibe nur der (eher langweilige) Rundgang auf dem Gelände. (mjä)