Angespannte Lage im Energie-Sektor

Ölpreise kennen kein Halten mehr

Die Preise für Öl und Gas steigen - das lässt viele Menschen mit Sorge auf den Winter schauen.
Die Preise für Öl und Gas steigen - das lässt viele Menschen mit Sorge auf den Winter schauen.
© dpa, Patrick Pleul, ppl exa fgj

12. Oktober 2021 - 11:04 Uhr

Ölpreise im Höhenflug

Mit Sorge schauen viele Menschen in Deutschland in Richtung Winter: Die angespannte Versorgungslage im Energiesektor treibt die Ölpreise auf immer neue Höchststände. Die Preissprünge bekommen auch die Verbraucher zu spüren.

Ursache: Angespannte Versorgungslage im Energiesektor

Die Ölpreise befinden sich weiter im Höhenflug. Am Montag erreichten sowohl Nordseeöl als auch US-Erdöl mehrjährige Höchststände. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 83,66 US-Dollar. Das waren 1,27 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,53 Dollar auf 80,88 Dollar.

Derzeit kostetet Brent-Rohöl so viel wie seit etwa drei Jahren nicht mehr. Der US-Ölpreis notiert sogar auf dem höchsten Niveau seit sieben Jahren. Ausschlaggebend bleibt die angespannte Versorgungslage im Energiesektor, nicht nur am Ölmarkt. Weil die Preise für Gas und Kohle in den vergangenen Monaten stark gestiegen sind, kommt Öl als Alternative zunehmend in Betracht. Das treibt die Erdölpreise ebenfalls stark an.

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Ökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fordert besseren Schutz für Verbraucher.
© KAY HERSCHELMANN, Kay Herschelmann

Die Ökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat deswegen einen besseren Schutz für Verbraucher vor Preissprüngen bei Öl und Gas gefordert. "Die Preise für fossile Energien wie Gas und Öl haben sich deutlich erhöht, daher steigen die Kosten für die Verbraucherinnen und Verbraucher", sagte die DIW-Expertin der "Bild". Die Verbraucher müssten aber vor "durch geopolitische Streitigkeiten" ausgelösten Preissteigerungen bewahrt werden.

Die "beste Antwort auf fossile Preissprünge" sind Kemfert zufolge langfristig mehr Erneuerbare Energie und Energiesparen. Deshalb forderte die Energiemarkt-Expertin in der "Bild" vor den Sondierungsverhandlungen für eine künftige Regierungskoalition: "Es ist wichtig, dass die Bundesregierung alles dafür tut, dass wir wegkommen von Öl und Gas". Das könnte gelingen, "indem etwa die energetische Gebäudesanierung, der Bahnverkehr und der Ausbau der Ladeinfrastruktur stärker finanziell gefördert wird".

Insbesondere Geringverdiener dürften dabei aber nicht übermäßig belastet werden. "Sozial gerecht wäre die Einführung einer Pro-Kopf-Klimaprämie, die Niedrigeinkommensbezieher entlastet", sagte Kemfert der Zeitung. Dafür schlägt sie vor, die vollständigen Einnahmen aus der CO2-Bepreisung zu verwenden.

Städtebund: "Energie darf nicht nur etwas für Reiche sein"

Auch der Städte- und Gemeindebund fordert höhere Heizkosten-Zuschüsse für Geringverdiener und sozialschwache Haushalte. "Wir sehen eine Explosion der Energiepreise, vor allem beim Gas. Klar ist, dass Energie nicht nur etwas für Reiche sein darf. Daher ist die nächste Bundesregierung gefordert, gerade finanzschwache Familien zu unterstützen und die Heizkosten-Explosion abzumildern", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Gerd Landsberg der Zeitung "Bild".

Er warnte zugleich vor höheren Kosten für die Kommunen. Die stark gestiegenen Gaspreise würden "viele Kommunen hart treffen - über höhere Energiekosten für Gebäude und höhere Heizkosten-Zuschüsse für Hartz-IV-Empfänger". Die Kommunen erwarteten in diesem Jahr ein Defizit zwischen acht bis 8,5 Milliarden Euro. Im nächsten Jahr könnte es ähnlich hoch ausfallen. (jki/eku/dpa)

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