Tötung als Ultima Ratio

Drama um Walross Freya in Norwegen: Tier musste eingeschläfert werden - weil Menschen Warnungen ignorierten

Walross Freya eingeschläfert Weil Menschen dem Tier zu nahe kamen
01:23 min
Weil Menschen dem Tier zu nahe kamen
Walross Freya eingeschläfert

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Eine drastische Entscheidung der Behörden in Norwegen stößt bei vielen auf Unverständnis und Kritik: Walross-Weibchen Freya ist tot – eingeschläfert von einem Tierarzt. Aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Die große Aufmerksamkeit der Menschen ist ihr zum Verhängnis geworden. Denn die hatten wiederholt Warnungen ignoriert und sich der zutraulichen Freya genähert. Das Risiko für die Menschen sei zu hoch, heißt es von der Fischereidirektion in Oslo. So entschieden sie, das Walross zu töten.

Menschen hüpften zu Freya ins Wasser, knipsten Fotos

Das knapp 600 Kilogramm schwere Walross war in den vergangenen Wochen vor der norwegischen Hauptstadt Oslo immer wieder aufgetaucht, hatte sich auf vor Anker liegende Boote gelegt und sie zum Teil versenkt – auch zum Amüsement der Touristen. Freya entwickelte sich zur Sommerattraktion im Oslofjord, auch, weil Walrosse in Norwegen eher selten gesichtet werden. Normalerweise leben sie weiter nördlich in arktischen Gewässern.

Die Behörden hatten Schaulustige, Touristen und Anwohner wiederholt gewarnt, Abstand zu halten. Besonders störte sich die Fischereidirektion daran, dass Leute zu Freya ins Wasser gesprungen waren und dem Tier mit Kindern am Ufer sehr nahe kamen, um Fotos zu machen. Dadurch sei es mehrfach zu „gefährlichen Situationen“ gekommen. Für Mensch und Tier. Denn die permanente Nähe zu Menschen setze das Walross unter großen Stress, warnte die Behörde.

Nun hat die Fischereidirektion von Oslo das Raubtier töten lassen. „Die Entscheidung zur Euthanasie wurde nach einer Gesamtbewertung getroffen, bei der wir zu dem Schluss kamen, dass das Leben und die Gesundheit der Menschen in Gefahr sein könnten“, sagte Fischereidirektor Frank Bakke-Jensen einer Mitteilung zufolge.

Walross Freya versenkte Boote

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"Schiffe versenken"
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Walross-Tötung als Ultima Ratio: "Wilde, geschützte Tiere"

Die Behörden mussten Walross Freya töten, auch weil Touristen Warnungen ignorierten und sich dem Raubtier näherten.
Die Behörden mussten Walross Freya töten, auch weil Touristen Warnungen ignorierten und sich dem Raubtier näherten. Zu sehen auch auf diesem Foto, das Dutzende Schaulustige in unmittelbarer Nähe zu Freya zeigt.
Fiskeridirektoratet Oslo

Einschläferung als letztes Mittel, denn zuvor seien sämtliche Alternativen erwogen worden. „Wir haben alle möglichen Maßnahmen sehr gründlich geprüft. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir mit anderen Maßnahmen nicht die Möglichkeit hatten, den Tierschutz ausreichend zu gewährleisten.“ Zum Beispiel habe man gemeinsam mit dem Institut für Meeresforschung überlegt, Freya umzusiedeln. Doch das wäre sehr kompliziert und mit hohem Risiko verbunden gewesen, daher wurde diese Option ausgeschlossen, so Bakke-Jensen.

Man könne verstehen, wenn die Öffentlichkeit nun bestürzt sei, aber obwohl der Tierschutz ein hohes Gut sei, der der Fischereidirektion am Herzen liege, müsse das „Leben und die Gesundheit der Menschen an erster Stelle stehen“. Noch im Juli wollten die Behörden die Einschläferung unbedingt vermeiden. „Walrosse sind wilde, geschützte und auf der Roten Liste stehende Tiere. Das bedeutet, dass die Tötung die letzte Option ist“, hieß es damals in einer Mitteilung. (dpa/cwa)