Eltern des Opfers hoffen auf Gerechtigkeit

Nicole-Denise Schalla wurde vor 25 Jahren vergewaltigt und erwürgt: Täter in Dortmund vor Gericht

Niemand merkte, dass die 16-Jährige nicht nach Hause kam

Nicole-Denise Schalla aus Dortmund wurde das letzte Mal lebend gesehen, als sie aus dem Bus ausstieg. Die 16-Jährige hatte am Abend des 14. Oktobers 1993 ihren Freund besucht und fuhr dann mit dem Bus nach Hause. Niemand merkte, dass Nicole dort gar nicht ankam, denn ihre Eltern waren gerade in Holland im Urlaub. Nun steht der Mann vor Gericht, der das Mädchen vergewaltigt und erwürgt haben soll.

"Sie war das erste Mal alleine"

Die Eltern telefonierten an dem Tag noch mit ihrer Tochter. "Sie war das erste Mal alleine", erzählt ihre Mutter im Gerichtssaal. Sobald sie aus dem Urlaub zurück waren, wollte die 16-Jährige ihnen unbedingt ihren neuen Freund vorstellen. "Nicole war sehr intelligent, sehr gewissenhaft und wollte Abitur machen", erinnert sich ihr Vater. Beide hoffen nun 25 Jahre nach dem Tod ihrer Tochter endlich auf Gerechtigkeit.

Eine Zeitungsbotin fand die Leiche des Mädchens am nächsten Morgen. Der Täter hatte sie in der Einfahrt einer Schule ganz in der Nähe ihres Elternhauses einfach liegen lassen. Jahrelang tappten die Ermittler auf der Suche nach dem Täter im Dunkeln. Als die Polizei die alten Spuren noch einmal mit modernen Methoden überprüften, ergab sich ein DNA-Treffer. Im Juni 2018 wurde dann ein Tatverdächtiger verhaftet.

Nicoles Eltern hoffen auf Gerechtigkeit

Eltern der toten Nicole-Denise Sch. im Gerichtssaal in Dortmund
Sigrid und Joachim Schalla, die Eltern von Nicole-Denise hoffen, dass 25 Jahre nach dem Tod ihrer Tochter endlich ein Urteil gesprochen wird.
bt cul, dpa, Bernd Thissen

Ein Hautschüppchen, das die Ermittler auf einem unbekleideten Teil der Leiche gefunden hatten, gehörte einem mehrfach vorbestraften Mann aus Castrop-Rauxel. Der inzwischen 53-Jährige steht nun in Dortmund vor Gericht. Er bestreitet allerdings, etwas mit dem Tod der 16-Jährigen zu tun zu haben, wie sein Anwalt im Video erklärt.

Für Sigrid und Joachim Schalla, die Eltern, wird der Prozess besonders schwierig, weil völlig offen ist, wie das Ganze ausgeht. Sollte der Angeklagte wirklich freigesprochen werden, hätten die beiden immer noch keine Gewissheit, wer ihre Tochter getötet hat. Und selbst wenn das Gericht entscheidet, dass der Mann schuldig ist, ist unklar, ob er überhaupt ins Gefängnis kommt.

Wenn die Richter den 53-Jährigen beispielsweise nur wegen Totschlags verurteilen, wäre das Verbrechen inzwischen verjährt und der Täter könnte nicht mehr bestraft werden. Ins Gefängnis kommt der Mann nur, wenn er wegen Mordes verurteilt wird. Denn Mord verjährt nicht. "Wir hoffen nur, dass alles aufgeklärt wird", sagte Nicoles Vater Joachm.