Laschet kündigt intern Rückzug an

"Es geht nicht um die Person Armin Laschet, es geht ums Land"

08. Oktober 2021 - 9:35 Uhr

Armin Laschet im Video: "Es geht nicht um die Person Armin Laschet"

Armin Laschet hat nach RTL/ntv-Informationen in einer Sitzung angekündigt, nur noch Parteivorsitzender bleiben zu wollen, bis ein Nachfolger gefunden ist. Das erfuhren RTL und ntv aus CDU-Kreisen. Ein Verfahren wie in NRW sei angedacht. Dort hatte Laschet sein Amt als NRW-Ministerpräsident abgegeben. Aus Parteikreisen heißt es zudem, dass Laschet von einem möglichen Rückzug auch schon in den Sondierungen mit der FDP und den Grünen gesprochen hat.

Laschet selbst hat noch am Abend ein Statement abgegeben, in dem er betonte, weiter Möglichkeiten für eine Jamaika-Koalition zu sehen, er wolle sich dafür einsetzen – und Jamaika solle nicht an Personen scheitern. Sein Statement sehen Sie im Video.

Armin Laschets Statement im Video

CDU-Chef Laschet betonte dabei: "Es geht nicht um die Person Armin Laschet". Der 60-Jährige will den Spitzengremien der Partei nach der historischen Wahlniederlage einen Parteitag zur personellen Neuaufstellung der CDU vorschlagen.

RTL-Reporterin Miriam Pauli: Laschets Rückzug ist folgerichtig

RTL-Reporterin Miriam Pauli bewertet den Schritt von Laschet als "folgerichtig". "Es geht um das Amt des CDU-Parteivorsitzenden. Armin Laschet war als Kanzlerkandidat ja wenig erfolgreich und auch als CDU-Vorsitzender ist er in die Kritik geraten." Es habe sehr viel Druck nach der Wahl gegeben –vor allem auch aus den eigenen Reihen der CDU und CSU. "Armin Laschet zieht die Konsequenzen aus der massiven und harschen Kritik, die es an ihm gegeben hat."

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Politikwissenschaftlerin bewertet Rückzug von Armin Laschet

Für Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele ist dieser Schritt von Laschet eigentlich unvermeidbar gewesen. "Der innerparteiliche Druck, der Druck nach Erneuerung, nach inhaltlicher und personeller Erneuerung ist enorm, aber auch der Druck aus der Öffentlichkeit. Insofern ist dieser Schritt jetzt überfällig gewesen," so die Einschätzung der Expertin im Interview mit RTL/ntv.

Zur Frage des Nachfolgers von Laschet, kann sie noch keine klare Aussage machen. Es komme vor allem darauf an, wer jetzt den neuen Parteivorsitzenden wählen wird. "Es kursieren ganz viele Namen". Junge, wie erfahrene Politiker: Von Norbert Röttgen, Daniel Günther über Jens Spahn bis zu Ellen Demuth – "das Feld ist breit". Wichtig sei in jedem Fall "die Kraft aber auch die Unterstützung aller, die Partei wieder zu führen."

Für die Politikwissenschaftlerin haben auch die Sticheleien der CSU, auch seitens Markus Söder etwas mit Laschets Rücktritt zu tun.

CDU-Kreise: Jamaika extrem unwahrscheinlich

RTL und ntv erfuhren aus CDU-Kreisen, dass man eine Jamaikakoalition für extrem unwahrscheinlich halte. Laschet hatte zuvor die Bereitschaft zu weiteren Gesprächen über eine solche Koalition betont, obwohl FDP und Grüne sich für erste Gespräche mit der SPD über eine Ampelkoalition entschieden hatten.

Eine mögliche Ampelkoalition werde laut CDU-Kreisen aber nicht an der SPD scheitern, sondern wenn dann am Disput zwischen den Grünen und der FDP. Allerdings bräuchte die Union beide Parteien auch für Jamaika. Eine mögliche Konsequenz aus CDU-Kreisen wäre also nur eine GroKo oder Neuwahlen. (swi, khe, dpa)