Antidepressivum im Kampf gegen Krebs

Neue Studie: 70 Jahre altes Medikament könnte bei Prostatakrebs helfen

In einer kleinen Versuchsreihe mit 20 Männern wurden mit Phenelzin positive Ergebnisse in der Krebsforschung erzielt.
In einer kleinen Versuchsreihe mit 20 Männern wurden mit Phenelzin positive Ergebnisse in der Krebsforschung erzielt.
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24. November 2020 - 17:24 Uhr

Phenelzin hemmt die Produktion von Testosteron

Es stammt aus den 50er Jahren und könnte laut einer aktuellen Studie aus den USA bei der Behandlung von Prostatakrebs helfen: Ein Antidepressivum mit dem Wirkstoff Phenelzin. Laut den Wissenschaftlern kann das vor allem den Männern helfen, bei denen der Krebs nach erfolgreicher Behandlung zurückgekehrt ist.

Phenelzin als Medikament gegen depressive Störungen

Der Wirkstoff Phenelzin wird eigentlich gegen depressive Störungen eingesetzt. Es verhindert den Abbau von Botenstoffen wie Dopamin, Adrenalin und Melatonin im zentralen Nervensystem, die für unsere gute Stimmung zuständig sind. Weil es ebenso die Produktion von Testosteron verringert, verhindert Phenelzin laut der aktuellen Studie auch die Vermehrung von Krebszellen.

Auch bisher wurden Patienten mit Prostatakrebs Medikamente zur Reduzierung von Testosteron verschrieben. Dafür müssen Betroffene häufig auch Nebenwirkungen wie Blutergüsse, Müdigkeit, Impotenz oder Muskelverlust in Kauf nehmen.

Das Medikament aus den 50er-Jahren wird eigentlich nicht mehr verabreicht, könnte aber jetzt im Kampf gegen Prostatakrebs aber wieder in den Fokus der Forscher rücken. Die Wissenschaftler der University of Southern California aus den USA hatten die rund 20 Männer, deren Krebs bereits operativ entfernt wurde, für zwölf Wochen zweimal täglich den Wirkstoff Phenelzin einnehmen lassen. Bei über der Hälfte der Patienten (55 Prozent) konnte die Vermehrung von Krebszellen verhindert oder reduziert werden. Im Vergleich zu den bisher üblichen Medikamenten gäbe es weniger gefährliche Nebenwirkungen: Die Probanden klagten über einen trockenen Mund und Müdigkeit.

Da die Versuchreihe mit 20 Männern verhältnismäig klein ausfällt, wollen die Wissenschaftler die positiven Ergebnisse zum Anlass nehmen, weiter daran zu forschen.