Waschbecken, Toilette oder Türklinke?

Neue Streeck-Studie: Wo wir uns im Haushalt am ehesten mit Corona anstecken

Forscher der Uni Bonn haben auch das Schmutzwasser von Waschbecken auf Sars-CoV-2 untersucht.
© iStockphoto

05. Juni 2020 - 14:34 Uhr

Infektionsherde zu Hause: Wo lauert das Virus?

Waschbecken, Fernbedienung, Türklinken oder Toilette: Wie hoch ist eigentlich die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus im eigenen Haushalt? Dieser Frage sind der bekannte Bonner Virologe Prof. Hendrik Streeck mit seinem Team nachgegangen. Dazu nahmen sie 21 Haushalte unter die Lupe, um zu untersuchen, an welchen Stellen im Haushalt das Risiko am größten ist. Mit überraschenden Resultaten.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie jederzeit in unserem Live-Ticker +++

Untersucht wurden Corona-infizierte Haushalte

Für seine Untersuchungen hat das Team der Uni Bonn um Ricarda Maria Schmithausen und Hendrik Streeck die häusliche Umgebung von Menschen im stark betroffenen Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen unter die Lupe genommen. Und zwar jene Haushalte, in denen mindestens ein Mitglied positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Dabei machten sie Abstriche von Gegenständen und Oberflächen, wie Möbel oder Türklinken, entnahmen Schmutzwasser-Proben aus Waschbecken, Duschen und Toiletten und filterten sogar die Luft der am häufigsten genutzten Räume. 

+++ Wie Sie in Corona-Zeiten richtig putzen und was Sie vermeiden sollten, erfahren Sie hier +++

Kaum Coronaviren auf Fernbedienung und Türklinken

Das Ergebnis: Auf Oberflächen von festen Objekten wie elektronischen Geräten oder Türgriffen war die Ausbeute gering. Nur bei etwas mehr als drei Prozent aller Abstriche von Objekten wurde das Virus nachgewiesen. Darunter eine Fernbedienung, zwei Türgriffe aus Metall und eine hölzerne Herd-Abdeckung. Keinerlei Viren wurden hingegen auf Pflanzen, Haustieren, Lebensmitteln oder Kleidung gefunden.

Übertragung durch Aerosole spielt "eine kleine Rolle"

Und in der Luft? Die Bedeutung der Aerosole, also Schwebeteilchen in der Luft für eine Ansteckung mit dem Coronavirus wird ja diskutiert. Unter Laborbedingungen hatten auch die Forscher der Studie festgestellt, dass durch Husten, Niesen oder Sprechen ausgestoßene Viren-Partikel bis zu zehn Meter weit fliegen und sich in der Luft auch anreichern können. Sie stellten deshalb Luftsammler in den Wohnungen in Heinsberg auf, welche pro Minute rund 300 Liter Luft filterten. Das Ergebnis: Keine einzige der 15 Proben war positiv. Dies lege nahe, so die Forscher, dass die Übertragung durch in der Luft schwebende Aerosole "eine kleine Rolle" spiele.

DAS ist der Corona-Hotspot im Haushalt

Doch die Forscher konnten den Ort im Haushalt ausmachen, vor das Coronavirus am ehesten lauert: Waschbecken, Duschen und Toiletten sind die Orte, an denen die Forscher auf der Suche nach Coronaviren im Haushalt besonders fündig wurden. In fast jeder fünften Schmutzwasser-Probe aus Siphons von Waschbecken konnten Viren nachgewiesen werden. Nur ein bisschen seltener war dies in den Abflüssen von Duschen der Fall. Auch in Toiletten wurde das Coronavirus nachgewiesen - Proben aus fast jedem zehnten Klo fielen positiv aus.

Ansteckungsgefahr beim Klospülen

Aus Sicht der Forscher ist das Ergebnis nicht verwunderlich - schließlich finde sich die höchste Viruslast beim Menschen im Rachen und an den Händen. Virus-Partikel könnten daher durch Spucken nach dem Zähneputzen oder beim Händewaschen ins Waschbecken gelangen. Zudem sei durch andere Studien bereits bekannt, dass Viren auch im Stuhl oder Urin von Infizierten vorkommen, was die positiven Proben aus Toilette und Duschen erklären könne.

Aber ist das Badezimmer nun ein Ort, an dem ein hohes Ansteckungsrisikos herrscht, wenn eine im Haushalt lebende Person bereits infiziert ist? Auszuschließen ist dies nicht - in ihrer Studie weisen die Bonner Forscher darauf hin, dass sich etwa durch das Spülen der Toilette bei geöffnetem Deckel Tröpfchen oder Aerosole bilden könnten, durch die sich andere Menschen anstecken könnten.

Das sind die Hygiene-Empfehlungen der Forscher

Allerdings stellte sich bei der Studie auch heraus: In keiner der positiven Proben wurden Viren gefunden, die sich später im Labor als ansteckend herausgestellt haben. Allerdings könnten dies auch andere Faktoren, wie etwa Rückstände von Reinigungsmitteln im Waschbecken, verhindert haben.

Daher verweisen die Forscher auf bestehende Hygiene-Empfehlungen:

  • Händewaschen nach dem Kontakt mit Abwasser
  • Toiletten mit geschlossenem Deckel spülen
  • vermeiden, dass Trinkwasser oder die häusliche Umgebung durch Schmutzwasser kontaminiert werden

TVNOW-Doku: Was wir aus der Corona-Krise lernen

Welche Lehren können wir aus der bisher größten Krise der Nachkriegszeit ziehen? Wir haben mit Experten gesprochen. War der Staat zu inkonsequent? Wurden die Schulen zu schnell geschlossen? Was tun gegen das Hamsterchaos? Und was ist der tatsächliche Grund, dass tausende Urlauber auf der ganzen Welt gestrandet sind? Sehen Sie hierzu die TVNOW-Doku: "Was wir aus der Krise lernen".