Verlagen geht das Papier aus

Bücher zu Weihnachten "nicht sicher"

Die Corona-Pandemie hat zu einem Strukturwandel in der Papierindustrie geführt, unter dem nun die Bücherproduktion leidet.
Die Corona-Pandemie hat zu einem Strukturwandel in der Papierindustrie geführt, unter dem nun die Bücherproduktion leidet.
© deutsche presse agentur, Arne Dedert

19. Oktober 2021 - 14:53 Uhr

Jetzt auch noch die Bücher

Verschiedene Branchen warnten bereits vor Lieferengpässen vor dem Weihnachtsgeschäft: Vor allem bei Elektronik-Artikeln oder Bestellungen im Internet sollte man lieber früher als später einkaufen. Nun schlägt die nächste Branche Alarm: Manche Bücher könnten zu Weihnachten ausverkauft sein. Denn es fehlt den Verlagen an Papier, um Bücher zu drucken.

Viele Bücher können nicht mehr nachgedruckt werden

Bei einem klassischen Weihnachtsgeschenk denken wohl viele an ein Buch: Mit einem guten Buch kann man wenig falsch machen. Das könnte dieses Jahr anders sein. Denn beliebte Bücher könnten noch vor Weihnachten ausverkauft sein.

Papierknappheit auf dem Markt und langfristig hohe Bezugskosten für Papier könnten sich bei Büchern "in letzter Konsequenz auf die Lieferbarkeit und die Buchpreise auswirken", teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf Anfrage der dpa mit.

Und auch Jonathan Beck, Chef des Verlags C.H. Beck, bestätigte im Gespräch mit dem "Handelsblatt" die Sorgen: "Ich befürchte stark, dass die Leute sich dieses Jahr zu Weihnachten nicht sicher sein können, jedes Buch auch noch kurzfristig zu bekommen. Bei vielen Büchern wissen wir jetzt schon, dass vor Weihnachten kein Nachdruck mehr möglich ist. Wenn der jetzige Bestand verkauft sein wird, kommt erst nächstes Jahr Nachschub." Deswegen rät der Verlagschef, dieses Jahr Bücher frühzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft zu kaufen.

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Preise werden wohl steigen

Verbraucher müssten sich auch auf steigende Preise für Bücher und Zeitungen einstellen. Auch der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) deutete Preiserhöhungen an: "Wir rechnen damit, dass eine erhebliche Kostensteigerung bei den Rohstoffen, die zu erwarten ist, sich längerfristig auch im Preis des Produkts niederschlagen wird."

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Denn der Preis für Altpapier sei in Deutschland seit Jahresbeginn um 78 Prozent gewachsen. Das berichtet der Branchenverein von Fastmarkets FOEX. Auch beim Zellstoff gab es einen starken Anstieg.

Je nach Papierart spielen diese beiden Rohstoffe eine unterschiedlich große Rolle: Zellstoff entsteht aus Holz oder Holzresten. Diese frischen Fasern werden zu neuem Papier gemacht oder bei einigen Papierarten mit Altpapier gemischt. Zeitungspapier wiederum ist komplett aus Altpapier.

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Viele Papierfabriken stellen ihre Produktion wegen des boomenden Online-Handels auf Kartons um.
© deutsche presse agentur

Corona treibt Preise in die Höhe

Der Preisanstieg beim Papier liegt teilweise an höheren Kosten für Energie und den Transport. Aber auch die Corona-Krise trägt einen erheblichen Teil dazu bei. Zum einen sank im vergangenen Jahr die produzierte Altpapier-Menge, auch weil es weniger Werbung in Zeitungen und Anzeigenblättern gab.

Zum anderen stellen Papierfabriken ihre Produktion von Druckpapieren auf Kartons um, die im Online-Handel gefragt sind. Dadurch fehlen wiederum Produktionskapazitäten für Druckpapier, die in der wieder angesprungenen Konjunktur gebraucht werden.

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Hohe Preise, hohe Nachfrage - lockt das Firmen, wieder in die Herstellung grafischen Papiers einzusteigen? Gregor Andreas Geiger vom Papierindustrie-Verband schüttelt den Kopf: "Die Produktionskapazitäten für grafisches Papier sind weg. Die kommen wohl nicht zurück." Der Strukturwandel werde sich fortsetzen. Allerdings würden sich Angebot und Nachfrage wohl in absehbarer Zeit wieder einpendeln. (dpa/skn)