Nach RTL-Reportage über Pferdemisshandlungen

PETA erstattet Strafanzeige gegen Springreiter Ludger Beerbaum

Nach einer RTL-Reportage hat die Tierschutzorganisation PETA Strafanzeige gegen Springreiter Ludger Beerbaum eingeleitet
Nach einer RTL-Reportage hat die Tierschutzorganisation PETA Strafanzeige gegen Springreiter Ludger Beerbaum eingeleitet
© imago/Stefan Lafrentz, Stefan Lafrentz, imago sportfotodienst

14. Januar 2022 - 17:33 Uhr

RTL deckte Reit-Skandal auf - PETA reagiert

Die Tierschutzorganisation PETA hat bei der Staatsanwaltschaft Münster Strafanzeige gegen Ludger Beerbaum und eine weitere, derzeit noch unbekannte Person erstattet. Der Vorwurf: quälerische Tiermisshandlung in Mittäterschaft. Die Aufnahmen einer am Dienstag ausgestrahlten RTL-Reportage (jetzt auf RTL+ streamen) über die Trainingspraktiken des deutschen Springreiters zeigen, wie ein Helfer während eines Sprunges über ein Hindernis mit einem Stock gegen die Vorderbeine des Pferdes schlägt. Dabei ist ein lautes Schlaggeräusch zu hören. Viele Zuschauer reagierte schockiert.

Das sogenannte Barren soll das Pferd durch Schmerzen dazu bringen, höher zu springen. Beerbaum bestreitet die Vorwürfe:"Die im Beitrag gezeigten Szenen auf dem Reitplatz haben mit Barren nichts zu tun. Es handelt sich dabei um erlaubtes Touchieren, das von einem erfahrenen, routinierten Pferdefachmann durchgeführt wurde", hieß es in einer Stellungnahme Beerbaums. "Der im Video zu sehende Gegenstand erfüllte die Vorgaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung für ein zulässiges Touchieren: nicht länger als drei Meter, maximal zwei Kilogramm schwer."

Die Tierrechtsorganisation betrachtet die Aufnahmen als weiteren Beleg dafür, dass tierquälerische Methoden zur Leistungssteigerung in der Branche zur Tagesordnung gehören. PETA fordert von der Bundesregierung Maßnahmen, um die Ausbeutung von Pferden für den "Reitsport" zu beenden.

"Die Branche ist unbelehrbar"

"Die Tierquälerei im 'Reitsport' zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte: Die ersten 'Barren'-Vorwürfe gegen Paul Schockemöhle wurden Anfang der 90er-Jahre bekannt. Darauf folgten immer wieder Doping-Skandale mit bekannten Namen wie Ludger Beerbaum oder Isabell Werth. 2021 wurden Pferde bei den Olympischen Spielen vor laufender Kamera gequält, und nun sorgen diese Aufnahmen für Entsetzen. Dass Beerbaum die Vorwürfe zurückweist und behauptet, das Pferd sei nur 'touchiert' worden, ist angesichts der lauten Schlaggeräusche makaber", so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. "Die Branche ist eindeutig unbelehrbar. Wir fordern die Politik auf, diesem tierquälerischen Geschäft endlich einen Riegel vorzuschieben."

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PETA fordert, Pferdesport komplett aus den Olympischen Spielen zu streichen

Angesichts der Videoaufnahmen wendet sich PETA USA in dieser Woche zudem erneut in einem Schreiben an das Internationale Olympische Komitee. Die Organisation fordert, den Pferdesport komplett aus der Liste der olympischen Disziplinen zu streichen. Ludger Beerbaum war in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt bei den Olympischen Spielen angetreten. In der Vergangenheit wurden mehrere bekannte deutsche Teilnehmende der Olympischen Spiele wegen verbotener Medikation bei den Pferden wiederholt zeitweise gesperrt. (dpa/jos)