Nach tödlichem Badeunfall auf Sylt

Rettungsschwimmer schimpft über leichtsinnige Badegäste

Symbolfoto: Mitarbeiter des DLRG besprechen sich.
Symbolfoto: Mitarbeiter des DLRG besprechen sich.
© deutsche presse agentur

27. August 2021 - 23:12 Uhr

DLRG-Geschäftsführer: Badehinweise werden einfach ignoriert

Immer wieder zeigen schlimme Badeunfälle, wie schnell die deutschen Gewässer lebensgefährlich werden können. Zuletzt starb ein 47-jähriger Rettungsschwimmer auf Sylt bei dem Versuch, eine 63-jährige Urlauberin aus der Nordsee zu retten. Auch, wenn der Landesgeschäftsführer der DLRG in Schleswig-Holstein, Thies Wolfhagen, sich explizit nicht auf diesen tragischen Unfall beziehen will, sieht er einen grundsätzlichen Trend an unseren Küsten und Seen: Immer wieder ignorieren Menschen Badeverbote und Sicherheitshinweise.

Wut über „Vollkasko-Mentalität“ der Badegäste

Die meisten Menschen nähmen die Regeln und Verbote zwar ernst, es gäbe aber immer wieder Personengruppen und Einzelkämpfer, die Badeverbote ignorieren. Thies Wolfhagen spricht von einer "Vollkasko-Mentalität" dieser Badegäste: "Man kann eben nicht davon ausgehen, dass ich mit der Buchung meines Urlaubes, mit dem Zahlen der Kurtaxe oder was auch immer eine 100-prozentige Sicherheit habe", so der Experte.

Badegäste verlassen sich zu sehr auf Rettungsschwimmer

"Manchmal erscheint es den Badegästen so, dass ja gar nichts passieren kann, weil an ganz vielen Gewässern – gerade an ganz vielen Badestellen an der Küste - immer Rettungsschwimmer im Dienst sind", erzählt Wolfhagen. "Dann erscheint es so, als könne auf gar keinen Fall etwas passieren, aber so ist es nicht." Immerhin: Der DLRG-Sprecher betont auch, dass sich das nicht auf alle Badegäste bezieht.

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Unfallzahlen steigen seit Jahren

Eine DLRG-Zwischenbilanz zeigt, dass in den ersten sieben Monaten dieses Jahres mindestens 184 Menschen in deutschen Gewässern ertrunken sind. Die Unfallzahlen steigen seit Jahren, vor allem an unbewachten Gewässern. Außerdem nähme die Risikobereitschaft der Menschen zu. Hinzu kommt, dass es an Angeboten für Schwimmunterricht mangelt, so Wolfhagen: "Wir haben seit Jahren das Problem, dass nicht genug Wasserflächen und Schwimmhallen zur Verfügung stehen, um alle Kinder im Schwimmen auszubilden. Vor allen Dingen nach und während der Corona-Zeit. Durch die Lockdowns war das ganz schlimm." Alleine in Schleswig-Holstein stehen über 30.000 Kinder auf einer langen Warteliste, um endlich schwimmen zu lernen.

Viele Menschen kennen die Flaggen nicht

Die rote Flagge als Zeichen für das Badeverbot weht am 22.07.2014 am Ostseestrand von Timmendorfer Strand (Schleswig-Holstein). Wegen starker Strömung herrscht hier ein Badeverbot. Nach den tödlichen Badeunfällen an der Ostsee hat die Polizei an die
Beispiel einer roten Flagge: Badeverbot am Timmendorfer Strand.
© picture alliance / dpa, Carsten Rehder

Seit Jahren merke die DLRG, dass immer mehr Menschen die Flaggen-Signale gar nicht kennen oder sie einfach ignorieren. Dabei kann die Beachtung der Symbole Leben retten:

  • Rot-gelbe Flagge: Es sind Rettungsschwimmer im Dienst: Die Station ist besetzt und der Strand ist bewacht. Sie können gefahrlos baden und schwimmen.

  • Gelbe-Flagge: Eine zusätzlich am Mast der Wachstation gesetzte gelbe Flagge signalisiert gefährliche Bedingungen und empfiehlt ungeübten Schwimmern, Kindern und älteren Personen, vom Baden abzusehen. Nur, wenn Sie ein sicherer, geübter Schwimmer sind, sollten Sie hier schwimmen. Seien Sie wachsam und unterschätzen Sie die Wellen im offenen Wasser nicht.

  • Rote Flagge: Komplettes Badeverbot! Eine einzelne rote Flagge wird bei akuten Gefahrenlagen wie Strömungen, hohem Wellengang oder bei Wasserverschmutzung gesetzt. Schwimmen kann dann lebensgefährlich sein. Starke Strömungen können selbst sehr geübte Schwimmen gefährden.

Wolfhagen ergänzt: "Im Zweifelsfall soll man sich von Rettungsschwimmern beraten lassen und dann für sich entscheiden: Bin ich fit genug um schwimmen zu gehen, bei eventuellen Gefahrenlagen? Man bringt schließlich nicht nur sich als Badegast im Zweifelsfall in Gefahr, sondern eben auch die Rettungsschwimmer und die dann in einem Notfall hinterherspringen und versuchen, Menschenleben zu retten."

So verhalten Sie sich in Gefahrenlagen richtig

  1. Auf sich Aufmerksam machen: Winken und rufen
  2. Den Auftrieb nutzen, um an die Wasseroberfläche zu kommen
  3. Auf den Rücken legen
  4. Sich mit dem Wasser treiben lassen und dabei weiterhin auf sich aufmerksam machen

Wichtig: Nicht gegen die Strömung ankämpfen! (vfr)