Mutter musste ihr eigenes Kind essen – Irakische Politikerin berichtet von Gräueltaten des IS

Viele Frauen haben der Politikerin Vian Dakhil ihre Geschichte erzählt. (Foto: Youtube/eXtra news)
Viele Frauen haben der Politikerin Vian Dakhil ihre Geschichte erzählt. (Foto: Youtube/eXtra news)

29. Juni 2017 - 19:46 Uhr

Die Frau hatte tagelang gehungert

IS-Kämpfer hielten die Frau drei Tage lang in einem Keller gefangen – ohne etwas zu Essen oder zu Trinken. Dann brachten die Männer ihr Reis und Fleisch. Hungrig aß sie alles auf. Dann sagten ihre Peiniger, was sie da gerade gegessen hatte: Ihren einjährigen Sohn. Die IS-Kämpfer hatten das Kleinkind getötet, gekocht und seiner fast verhungerten Mutter zum Essen vorgesetzt.

Die Grausamkeiten, von denen die irakische Parlamentsabgeordnete Vian Dakhil in der ägyptischen Fernsehsendung 'Extra News' berichtet, sind kaum zu ertragen. Viele jesidische Frauen, die aus den Fängen des IS fliehen konnten oder befreit wurden, haben der Politikerin ihre Geschichten erzählt. Auch der Moderator der Sendung brach in Tränen aus, als Dakhil davon berichtet.

Zehnjähre wurde vergewaltigt, bis sie starb

Jesiden im Irak
Viele Jesiden, die in vom IS besetzten Gebieten wohnten, mussten Schreckliches erleben.
© dpa, Alice Martins, MMA tba

Fast Zehntausend Anhänger der Glaubensgemeinschaft wurden von der Terrormiliz 'Islamischer Staat' gefangen genommen. Die meisten Jungen und Männer wurden getötet und in Massengräbern verscharrt, die Frauen als Sexsklavinnen gehalten – wie die Mutter, die ihr eigenes Kind essen musste. "Eins der Mädchen erzählte mir, dass sie sechs ihrer Schwestern mitnahmen", sagte die 43-Jährige im Interview.

Dakhil kämpft seit Jahren, dass die Öffentlichkeit auf das Leid der Jesiden aufmerksam wird, und den Menschen hilft. Auch eine andere Geschichte rührte die Politikerin zu tränen. Eine Frau erzählte ihr, dass die Terrorkämpfer ihre zehnjährige Schwester entführten. Die Männer vergewaltigten das Mädchen vor den Augen ihres Vaters und ihrer Geschwister so lange, bis es starb.

"Wir kaufen sie zurück"

Der IS lässt die Frauen für hohe Lösegeldsummen wieder laufen. Dakhil setzt sich dafür ein, dass so viele wie möglich freigekauft werden. Die IS-Terroristen kontaktieren die Familie der Geisel und fordern ein Kopfgeld. "Ich entschuldige mich, dass ich dieses Wort benutze. Wir kaufen sie zurück", erklärt die Abgeordnete. Für die Anhänger des IS sind die Jesiden Ungläubige, die sie ausrotten wollen. Solange der IS Gebiete im Nordirak oder in Nordsyrien besetzt, in denen Jesiden leben, werden die Grausamkeiten und das Morden weitergehen.

Auch interessant