2016 M12 8 - 18:18 Uhr

Kind wurde heimtückisch durch eine Kugel in den Hinterkopf getötet

Janina aus Unterschleichach in Unterfranken war erst elf Jahre alt, als sie starb. Sie wurde getötet, heimtückisch durch eine Kugel in den Hinterkopf. Das unglaubliche Motiv des Täters, der in jener Silvesternacht wahllos in eine Menschenmenge feuerte: Offenbar war es dem 53-Jährigen Roland E. zu laut. Ab heute muss er sich dafür vor dem Landgericht Bamberg verantworten. Wir haben vorab mit den Eltern der kleinen Janina gesprochen.

Roland E. beteuert, er wollte nicht töten

Als 'Fall Janina' wurde das schreckliche Geschehen der vergangenen Silvesternacht im bayerischen Landkreis Haßberge bekannt. Fast genau vor einem Jahr hatte das Kind zusammen mit drei anderen Mädchen und zwei Frauen auf der Straße das neue Jahr begrüßt. Gegen 1.00 Uhr traf sie die Kugel eines Revolvers in den Hinterkopf, ein Kleinkaliber-Geschoss. Der Rettungsdienst brachte das schwer verletzte Mädchen in ein Krankenhaus, wo es trotz mehrstündiger Notoperation starb.

Der 53 Jahre alte Nachbar Roland E. räumte Tage später ein, geschossen zu haben. Die Waffe hatte er wegen einer früheren Mitgliedschaft im Schützenverein legal besessen. Weil er beim Schießen bewusst darauf geachtet habe, von der Straße aus nicht gesehen zu werden, habe das Mädchen nicht mit einem Angriff rechnen können, argumentiert die Anklagebehörde. Daher geht sie von Heimtücke sowie niederen Beweggründen aus und bewertet die Tötung als Mord. Dass das Mädchen sterben würde, habe der 53-Jährige zumindest billigend in Kauf genommen. Das könnte für ihn lebenslange Haft bedeuten.

Zum Prozessauftakt bestritt der Angeklagte jedoch jede Tötungsabsicht. Der 54-Jährige beteuert, nicht bewusst auf Menschen geschossen zu haben. Sein Anwalt verlas in einer Erklärung, dass er drei oder vier Schüsse abgegeben habe. "Er bedauert zutiefst, was am 1. Januar 2016 passiert ist." Es verfolge ihn, sagt der Angeklagte dann selbst. «Es ist so schlimm, dass man nicht mehr schlafen kann. Das geht gar nicht mehr aus dem Kopf raus.»

"Die Nächte sind sehr schlimm. Da träume ich ganz oft von ihr"

Für Janinas Vater kein Trost. Keine Strafe bringt ihm sein Kind zurück. "Die Nächte sind sehr schlimm", so Toni Mokris im Interview mit RTL. "Da träume ich ganz oft von ihr. Und wenn ich aufwache, weiß ich nicht - ist es real oder nicht. Ich vermisse meine Tochter sehr." Auch Janinas Mutter wird den Verlust wohl nie verwinden. "Ich weiß bis heute nicht, was genau passiert ist oder wer das war. Aber die- oder derjenige soll wissen: 'Sie haben meine Tochter weggenommen, sie war mein Leben.'"

Roland E. selbst behauptet, er habe sich über die Feuerwerkskörper geärgert, welche die Mädchen gezündet hatten. Er habe Janina aber nicht töten wollen, sagte er der Staatsanwaltschaft. Seit der Trennung von seiner Frau und seinem Kind leide er unter psychischen Problemen. Ob sich die strafmildernd auswirken, muss der Richter entscheiden - Toni Mokris lässt diesen Grund nicht gelten. "Nur weil er mit seinem Leben unzufrieden war, muss er ja nicht das Leben meiner Tochter beenden. Dieses Leid wünsche ich keinem."

Die Polizei hatte in den Tagen nach den Schüssen die Nachbarschaft befragt. Am 1. Januar schon stellten Beamte in dem etwa 450 Einwohner zählenden Ort rund 60 Kleinkaliberwaffen sicher und überprüften alle bekannten Waffenbesitzer in der Nähe des Tatorts. Der Angeklagte wohnt nur wenige Meter vom Tatort entfernt. Bei seinen Vernehmungen - damals noch als Zeuge - machte der 53-Jährige zunächst Angaben, die sich später durch andere Zeugenaussagen als falsch herausstellten. Ein Urteil könnte am 22. Dezember fallen, es sind zunächst fünf Verhandlungstage angesetzt.