Das miese Geschäft mit "Grauen Pässen"

Unternehmer soll 43 türkische Beamte nach Deutschland geschmuggelt haben

Ein Unternehmer aus Hannover soll 43 türkische Beamte nach Deutschland geschmuggelt haben.
Ein Unternehmer aus Hannover soll 43 türkische Beamte nach Deutschland geschmuggelt haben.
© Michael Thomas, privat

19. April 2021 - 12:25 Uhr

Nur zwei Beamte kehrten von Hannover in die Türkei zurück

Ein Umweltprojekt war offenbar nur der Vorwand für die Einreise: Der 39-jährige Unternehmer K. aus Hannover steht im Verdacht, im September 2020 dutzende türkische Beamte nach Deutschland geschmuggelt zu haben. Von 45 Rathausmitarbeitern aus der Provinz Malatya (Ostanatolien) kehrten nur zwei in ihre Heimat zurück, wie die "Hannoversche Allgemeine" (HAZ) berichtet. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen K. erhoben.

Mitarbeiter tauchten nach Ankunft in Deutschland unter

Offiziell sollten die Verwaltungsmitarbeiter laut HAZ an einem zehntägigen Umwelt- und Forschungsprojekt in K.s Unternehmen teilnehmen. Damit sie für die Einreise kein Visum brauchten, ließen sie sich nach türkischen Medienberichten in der Türkei "Graue Pässe" ausstellen – gegen Zahlung von jeweils 5.000 bis 8.000 Euro.

43 der zum großen Teil jungen Beamten wollten sich in Deutschland offenbar ein neues Leben aufbauen. Nach ihrer Ankunft sollen sie untergetaucht sein und später Asyl beantragt haben. Ob das Umweltprojekt je stattgefunden hat, ist unklar. Der Skandal um die verschwundenen Rathausmitarbeiter war laut HAZ ans Licht gekommen, weil sich die sozialdemokratische Oppositionspartei CHP in der Türkei nach deren Verbleib erkundigt hatte.

Verdient die Türkei Geld mit Verkauf der "Grauen Pässe"?

Was in Hannover passierte, ist offenbar kein Einzelfall: Der regierenden Partei AKP von Präsident Recep Tayyyip Erdogan wird vorgeworfen, gezielt Menschenhandel zu betreiben und mit dem Verkauf der "Grauen Pässe" Geld zu verdienen. Kurios: Die in Hannover untergetauchten Beamten stehen laut türkischen Medien der AKP nahe, sollen sich aber als Oppositionelle ausgeben haben. So konnten sie als angeblich politisch Verfolgte Asyl beantragen.

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Menschenschmuggel bald Thema im Bundestag

Über den Menschenschmuggel soll bald auch im Deutschen Bundestag diskutiert werden: Die Linken-Abgeordnete Gökay Akbulut will ihn in der nächsten Fragerunde zum Thema machen. Der HAZ sagte sie: "Etwa 1.000 Menschen sollen türkischen Medienberichten zufolge gegen Zahlung von hohen vierstelligen Beträgen aus der Türkei nach Deutschland gebracht worden sein. Im Zentrum dieses kriminellen Machwerks sollen mehrere Bürgermeister der AKP sein." Der Bundesregierung wirft Akbulut vor, das Thema bislang stiefmütterlich behandelt zu haben.