Mutter der Opfer sagt vor Gericht unter Tränen aus

Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach: Bastian S. soll seine eigene Tochter und drei weitere Kinder missbraucht haben

13. Mai 2020 - 10:17 Uhr

Das jüngste Opfer des Angeklagten war erst drei Jahre alt

Im Gerichtssaal sind furchtbare Details zu verschiedenen Arten des Kindesmissbrauchs zu hören, während der Angeklagte selbst ruhig dasitzt. Die Schilderungen der Taten sind kaum zu ertragen. Vor der auswärtigen Strafkammer des Landgerichts Kleve in Moers ist ein weiterer Prozess gegen einen Tatverdächtigen im Missbrauchskomplex von Bergisch Gladbach gestartet. Der 27-jährige Bundeswehrsoldat Bastian S. soll sich in insgesamt 33 Fällen an vier verschiedenen Kindern vergangen haben, darunter auch seine eigene Tochter und sein Stiefsohn. Das Mädchen war zum Zeitpunkt der frühesten Tat offenbar erst knapp drei Jahre alt. Im Video erzählt ein Bekannter des Angeklagten, wie er ihn vor Bekanntwerden der Taten erlebt hat.

Vor Gericht bestätigt Bastian S. die Vorwürfe gegen ihn

Mit Schokoladenlikör sollen die Kinder teilweise gefügig gemacht worden sein, für den Missbrauch sollen die Tatverdächtigen Sexspielzeug und Reizwäsche besorgt haben. Einige der Taten hatte Bastian S. bereits gegenüber den Ermittlern gestanden. Als die Anklage verlesen wird, bestätigt der Angeklagte dem Gericht die grausamen Schilderungen der Staatsanwaltschaft, wie er seine Tochter missbraucht haben soll.

12.05.2020, Nordrhein-Westfalen, Moers: Der vorsitzende Richter Johannes Huismann (2.v.r) eröffnet den Prozess im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach gegen den angeklagten Soldat (l). Neben dem Angeklagten steht sein Anwalt (2.v.l). Der 26 Jahre alte S
Angeklagter Bastian S. vor Gericht: „Ich habe erst in der Haft darüber nachgedacht, was ich den Kindern angetan habe.“
© dpa, Roland Weihrauch, rwe dul

Mutter der Opfer sagt unter Tränen aus: "Ich glaubte meinen Kindern“

Der Missbrauch soll demnach hauptsächlich stattgefunden haben, als die Ehefrau des Angeklagten und Mutter zweier Opfer zum Arbeiten aus dem Haus ging. Auch sie sagt am Dienstag unter Tränen vor dem Gericht aus, obwohl sie dazu nicht verpflichtet gewesen wäre.

Sie selbst habe von dem Missbrauch nichts geahnt, bis ihr Sohn, Stiefsohn des Angeklagten, ihr davon erzählt habe. "Ich war schockiert und konnte nicht glauben, was das Kind sagt. Ich wusste aber auch, dass er sich das nicht ausdenken konnte", sagt sie weinend. "Ich habe dann meinen Mann konfrontiert. Er hat alles abgestritten. Ich wollte ihm glauben, doch ich glaubte meinen Kindern."

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Eine Mutter kämpft für ihre Kinder

Auch im Kindergarten fällt der Junge demnach durch Berichte von sexuellen Handlungen auf. Er stellt sie nach Aussage der Mutter teilweise sogar mit seiner kleinen Schwester, ebenfalls Opfer von Bastian S., nach.

Mittlerweile sind beide Kinder in therapeutischer Behandlung. Trotzdem würden sie immer noch vom Erlebten sprechen, sagt ihre Mutter vor Gericht. Auch sie befindet sich wegen der traumatischen Ereignisse in Therapie. Aber sie versuche, "zu verdrängen und stark für die Kinder zu sein."

Laut RTL-Gerichtsreporter Valerio Magno, der den Prozess vor Ort begleitet, weinte die Frau während ihrer gesamten Aussage, rang teilweise nach Worten – doch sie wollte auch nach ihrer Aussage weiter am Prozess teilnehmen. "Offenbar kämpft sie für ihre Kinder. Offenbar möchte sie helfen, dass das Gericht die Wahrheit erfährt."

Kindesmissbrauch in 33 Fällen: Bastian S. drohen bis zu 15 Jahre Haft

Zum Angeklagten selbst hat die Familie jeglichen Kontakt abgebrochen. Bastian S. sagt vor Gericht: "Ich habe erst in der Haft darüber nachgedacht, was ich den Kindern angetan habe."

Ihm drohen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 33 Fällen, darunter 15 schwere Fälle, dem Verbreiten von kinderpornografischen Schriften und dem Verabreden zum Verbrechen eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren. Auch eine anschließende Sicherungsverwahrung ist denkbar – die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

12.05.2020, Nordrhein-Westfalen, Moers: Der Angeklagte (vorne) wartet unter den Augen eines Justizbeamten auf den Beginn seines Prozesses. Der 26 Jahre alte Soldat soll kleine Kinder in insgesamt 33 Fällen missbraucht haben, teilweise schwer und zwei
Vor Gericht hat Bastian S. die meisten Vorwürfe gegen ihn bestätigt. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft.
© dpa, Roland Weihrauch, rwe dul

Angeklagter soll auch zusammen mit Hauptverdächtigem Jörg L. ein Mädchen missbraucht haben

Auf seine Spur waren die Ermittler gekommen, weil Bastian S. sich bereits im Juni vergangenen Jahres selbst wegen einiger Taten angezeigt hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin allerdings auf Untersuchungshaft oder Hausdurchsuchungen verzichtet. Nach der Selbstanzeige soll er noch seine kleine Nichte missbraucht haben. Erst im Herbst, als die Ermittlungen zu einem großen Netz von Sexualstraftätern von Bergisch Gladbach aus ihren Anfang nahmen, rückte Bastian S. wieder in den Fokus der Justizbehörden.

Aus mehreren Chatverläufen geht laut Staatsanwaltschaft hervor, dass Bastian S. auch Jörg L., den Hauptverdächtigen im Missbrauchskomplex, kannte. Die beiden Männer sollen auch dessen Tochter gemeinsam missbraucht haben. Bilder davon und von weiteren Missbrauchstaten sollen sie untereinander ausgetauscht haben. Auch gegen Jörg L. wurde vor kurzem Anklage erhoben.