Studie der Medizinischen Universität Wien

Diese sieben Formen gibt es bei mildem Corona-Verlauf

Die erste Covid-19-Variante ist durch grippale Symptome gekennzeichnet - Fieber, Erschöpfung und Husten.
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09. November 2020 - 12:22 Uhr

Corona ist nicht gleich Corona

Dass die Covid-19-Erkrankungen sich in einer Vielzahl verschiedener Symptome zeigen können, ist inzwischen bekannt. Nun legt eine neue Studie nahe, dass sich die Symptome bei milden Covid-19 Verläufen in sieben Gruppen zusammenfassen lassen.

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Covid-19: Bestimmte Symptomgruppen treten zusammen auf

Forschende der Medizinischen Universität Wien fanden heraus, dass bestimmte Symptomgruppen meist zusammen auftreten. Sie hatten dafür untersucht, welche Abwehrzellen und Antikörper zehn Wochen nach der Infektion bei genesenen Covid-19-Patienten nachweisbar waren. Außerdem befragten sie die 109 Studienteilnehmer nach den Symptomen, die bei ihnen auftraten. Alle Rekonvaleszenten hatten einen eher milden Verlauf von Covid-19. Eine Kontrollgruppe bestand aus 98 gesunden Personen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im European Journal of Allergy and Immunology.

Diese erfassten Symptomgruppen deuten darauf hin, dass es sieben verschiedene Erkrankungsformen bei mildem Covid-19-Verlauf gibt. "Wir konnten ganz klar systemische von organspezifischen Verlaufsformen der primären Covid-19 Erkrankung abgrenzen", berichtet Winfried Pickl, einer der Studienautoren.

Systemisch oder organspezifisch

Die erste Covid-19-Variante ist demnach durch grippale Symptome gekennzeichnet - Fieber, Erschöpfung und Husten. Eine zweite Form zeigt sich eher durch Schnupfensymptome mit Schnupfen, Niesen, trockenem Hals und Verstopfung der Nase. Die dritte Covid-Variante äußert sich nur oder vorwiegend durch Gelenk- und Muskelschmerzen, eine vierte durch ausgeprägte Augen- und Schleimhautentzündungen.

Einen fünften Symptomkomplex bilden Lungenprobleme mit Lungenentzündung und Kurzatmigkeit. Bei der sechsten Form leiden die Betroffenen primär an Magen-Darm-Problemen mit Durchfall, Übelkeit und Kopfschmerzen. Die siebte Erkrankungsform schließlich bildet der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. "Bei letzterer Gruppe konnten wir feststellen, dass vom Geruchs- und Geschmacksverlust vermehrt Personen mit einem 'jungen Immunsystem', gemessen an der Anzahl der erst kürzlich aus dem Thymus ausgewanderten T-Lymphozyten betroffen sind", erklärt Pickl.

Corona hinterlässt immunologischen Fingerabdruck

Unabhängig von der Variante der akuten Covid-19-Erkrankung gibt es aber bei den langfristigen immunologischen Folgen viele Gemeinsamkeiten. Demnach hinterlässt Sars-CoV-2 im Immunsystem und Blut der Rekonvaleszenten eine Art immunologischen Fingerabdruck. So ist die Anzahl der weißen Blutkörperchen, die im Immunsystem ansonsten für das Bekämpfen von bakteriellen Krankheitserregern zuständig sind, bei Covid-Rekonvaleszenten signifikant niedriger als üblich. Dafür gibt es vermehrt Gedächtniszellen und die zytotoxischen CD8+-T-Zellen bleiben stark aktiviert. Deren Aufgabe ist es unter anderem, von Viren befallene Zellen abzutöten.

Je stärker das Fieber des Betroffenen war, desto höher waren auch die Antikörperspiegel gegen das Virus ausgeprägt. "Das zeigt, dass sich das Immunsystem auch viele Wochen nach der ersten Infektion immer noch mit der Krankheit intensiv auseinandersetzt", sagt Pickl. Möglicherweise können diese immunologischen Veränderungen auch einige der Covid-19-Spätfolgen erklären helfen. Denn viele Patienten leiden noch Wochen nach vermeintlich überstandener Infektion unter Erschöpfung, neurologischen Symptomen oder Herzproblemen. Sogar Diabetes-Typ-1 und Parkinson könnten durch Covid-19 ausgelöst oder zumindest begünstigt werden, wie einige Studien nahelegen.

Die Wissenschaftler betonen, dass ihre Erkenntnisse zu einem besseren Verständnis der Erkrankung beitragen und auch der bei der Entwicklung von möglichen Impfstoffen helfen können, "da wir nun auf vielversprechende Biomarker zurückgreifen und ein noch besseres Monitoring durchführen können".

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