Lebensmittel, Kosmetik & Co.

Immer mehr Rückrufe – woran liegt das?

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11. Oktober 2019 - 20:49 Uhr

Zahl der Meldungen hat sich verdoppelt

Ob Bakterien in Milch und Wurst, undichte Kondome oder krebserregende Wirkstoffe in Magentabletten: Es scheint, als würde die Flut von Produktrückrufen gar nicht mehr abreißen. Tatsächlich hat sich die Zahl der entsprechenden Meldungen innerhalb der letzten sechs Jahre verdoppelt, wie eine Auswertung des Onlineportals Lebensmittelwarnung.de zeigt. Heißt das, dass Lebensmittel, Kosmetika und andere Artikel immer gefährlicher werden?

Sensible Hersteller, bessere Testmethoden

Hinter der Plattform lebensmittelwarnung.de steht das Bundesamt für Verbraucherschutz. Über die Website können sich Verbraucher über die neuesten Warnungen von Herstellern und Behörden informieren. Und davon gibt es offenbar von Jahr zu Jahr mehr: Laut der Statistik stieg die Zahl von 83 Meldungen im Jahr 2012 auf 186 im vergangenen Jahr an. 2019 wurden bisher bereits 160 Rückrufe veröffentlicht.

Im Schnitt gibt es also jeden zweiten Tag eine solche Warnung. Das sei aber kein Grund zur Sorge und heiße nicht, dass die Produkte immer schlechter würden, so Armin Valet von der Verbraucherzentrale. Ähnlich sieht das Axel Haentjes vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels: "Es ist eine Zunahme zu verzeichnen, weil die Zahl der vorsorglichen Rückrufe zugenommen hat und die Hersteller sensibler reagieren", sagte er dem "Tagesspiegel". Auch verfeinerte Testmethoden bei den Kontrollen durch Behörden oder die Unternehmen selbst könnten ein Grund dafür sein, wie Marcus Girnau, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbands der Lebensmittelindustrie, der Zeitung erklärt.

Vorsorgliche Rückrufe nehmen zu

Das Ziel ist also meistens, das Produkt aus dem Verkehr zu ziehen, bevor etwas passiert ist. Viel seltener sind Rückrufe von Lebensmitteln, durch die bereits jemand zu Schade gekommen ist – so etwa im Fall der Wurstwaren vom Hersteller Wilke, die mit Listerien belastet waren und drei Menschen das Leben kosteten. Das Unternehmen hat inzwischen Insolvenz angemeldet. Doch generell scheinen die Hersteller vor einem möglichen Imageschaden keine Angst mehr zu haben: "Es kann daran liegen, dass die Unternehmen einfach die Scheu davor verloren haben, öffentlich einzugestehen: 'Bei uns ist was passiert'", so Lena Blanken vom Verbraucherverein foodwatch.

Verunreinigungen häufigste Ursache

Den Zahlen von lebensmittelwarnung.de zufolge waren in den vergangenen sieben Jahren Fremdkörper (233 Fälle) sowie mikrobiologische Verunreinigung (328 Fälle) die häufigsten Gründe für einen Rückruf. Vor allem Milch und Milchprodukte (120 Meldungen) sowie Fleisch, Geflügel, Wild und Erzeugnisse daraus (145 Meldungen) sind davon betroffen. Seit Februar 2019 meldet die Website auch Rückrufe von Kosmetika wie Cremes und Shampoo sowie Bedarfsgegenständen – hierzu zählen etwa Spielzeug, Kleidung und Schmuck.