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Mick Schumacher: Ausgeschieden und trotzdem gewonnen - Christian Danner lobt Schumi jr.

„Das gibt ihm Selbstbewusstsein“

Micks Kanada-Booster: Ausgeschieden und trotzdem gewonnen

Danner: Grundtalent ist vorhanden F1-Experte nach Kanada-GP
01:48 min
F1-Experte nach Kanada-GP
Danner: Grundtalent ist vorhanden

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von Emmanuel Schneider

Das Rennen in Kanada war als großer Charaktertest für den kriselnden Mick Schumacher ausgerufen worden. Trotz Defekt und erneutem Aus gilt: Der Haas-Pilot reist mit einem Selbstbewusstseins-Booster zum nächsten GP. RTL-Experte Christian Danner haben die Schumacher-Leistungen in Montreal überzeugt.

"Er ist schnell gewesen"

Wie unterschiedlich zwei punktlose Rennen wahrgenommen werden können: In Aserbaidschan vor einer Woche fährt Mick Schumacher auf den vorletzten Rang und gilt als einer der großen Verlierer. Eine Woche später scheidet er mit einer Technik-Panne aus und dürfte dennoch mit ordentlich Rückenwind in den Formel-1-Sommer starten. Für seine Kanada-Performance gibt es Lob vom eigenen Team, Ferrari (wo er Ersatzfahrer ist) und RTL-Experten Christian Danner.

In Runde 20 endete am Sonntag erneut der Punkte-Traum von Mick Schumacher in der Formel 1. Waren es beim Rennen in Miami oder Monaco eigene Fehler, die den Deutschen zurückwarfen, durchkreuzte auf dem Circuit Gilles-Villeneuve der streikende Haas-Wagen die Punkte-Pläne von Schumacher. Nach seinen bislang 30 Rennen in der Motorsport-Königsklasse wartet der 23-Jährige weiter auf Punkte. Diesmal war er so nah dran wie noch nie, wobei diese Phrase bei Schumacher fast schon zu einem Running Gag zu werden droht.

Mick Schumacher hält dem Druck stand

Nach Kritik aus seinem eigenen Team um Chef Günther Steiner antwortete Schumacher mit einer starken Leistung auf dem Asphalt. Er hielt dem Druck auf beachtenswerte Weise stand. Im Qualifying zum Kanada-GP raste er auf nasser Strecke auf Platz sechs – die beste Platzierung seiner Formel-1-Karriere. Nach dem Start in Montreal verlor Schumacher zwar Plätze, lag jedoch im ersten Drittel des Rennens mit P7 voll auf Punkte-Kurs – bis der VF-22 eben nicht mehr wollte .

Trotzdem ist Schumacher einer der Sieger des Grand Prix. Die Eigenwerbung, die Trendwende - sie kam an. Der Technik-K.o sei „kein Schlag in die Magengrube“, betont RTL-Experte Christian Danner. Im Gegenteil. „Er war das Wochenende über ‚on the pace‘. Er ist schnell gewesen und er hat keine Unfälle gebaut. Das gibt ihm Selbstbewusstsein. Das ist das Entscheidende. Deswegen hat ihm das Wochenende in Kanada trotz des Misserfolges im Rennen sehr gutgetan.“

Die Team-Kritik an Schumacher in den vergangenen Wochen will Danner nicht überbewerten. „Das darf man nicht so polarisieren. Es kann immer mal etwas schiefgehen, auf der einen und auf der anderen Seite“, sagt Danner. Es sei nicht so, dass die beiden Seiten sich ständig „den Hammer auf den Kopf hauen“. Die inhaltliche Kritik (zu viel Schrott, zu langsam) sei nachvollziehbar. „Aber: Was ich in Kanada gesehen habe, lief wunderbar. Es gibt keinen Grund, warum Haas und Schumacher nicht im Gleichschritt weiterkommen. Sie wollen dasselbe, sie wollen beide Erfolg haben. Da bin ich strikt und radikal gegen eine Aufrechnerei, wer jetzt was falsch gemacht hat. Man gehört zusammen und fährt zusammen.“

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Danner: Punkte nur eine Frage der Zeit

Das Gerücht aus dem Fahrerlager, wonach Steiner seinen Schützling vorzeitig aus dem Team werfen könnte, hält Danner für „nicht aktuell“. “Er kann das entscheiden, wenn er von Mick nicht mehr überzeugt ist. Die Frage ist: Was hat er für Alternativen?“ Falls Schumacher weiter Kleinholz produziert hätte, wäre die Notbremse nicht auszuschließen gewesen. Es kam bekanntlich anders. „Aber was wir in Kanada gesehen haben, war eine sehr ordentliche Leistung und es gibt keinen Grund, dass da etwas passiert.“

Die Schumacher-Crashs in Saudi-Arabien und Monaco hatte das Konto des kleinen F1-Teams extrem belastet – genauso wie die Stimmung im Team. Aussagen von Steiner sorgten teilweise für Aufregung und lösten Widerrede und Diskussionen aus. Am Talent Schumachers zweifelt Danner überhaupt nicht. „Er ist ein guter Rennfahrer, der dieses Jahr ein bisschen gebraucht hat, um in die Strümpfe zu kommen.“ Er habe gute Fortschritte gemacht. „Irgendwann wird er dann mit Punkten um die Ecke kommen. Er hatte schon welche, die er mehr oder weniger durch den überflüssigen Crash mit Sebastian Vettel weggeschmissen hat.“ In Miami war Schumacher kurz vor Schluss mit seinem Kumpel kollidiert und hatte beide um Zähler gebracht. So gehen die Punkte-Diskussionen weiter. Für Danner alles nur eine Frage der Zeit. „Ich sehe kein Problem, dass er bald Punkte heimbringt. Er muss jetzt cool bleiben und dann klappt es vielleicht schon in Silverstone (am 3. Juli LIVE bei RTL).“

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Updates erst in Ungarn - "Nicht zu spät"

Im „Home of British Motor Racing“ werden sich Schumacher und Teamkollege Kevin Magnussen noch ohne Updates am Wagen begnügen müssen. Erst in Ungarn sollen die Upgrades an den VF-22 kommen. Zu spät? Danner kontert: „Es ist von außen betrachtet völlig unmöglich, Updates und technische Weiterentwicklungen einzuordnen, bevor sie gezeigt haben, was sie können. Ich glaube, die machen das sehr gut bei Haas. Sie warten so lange, bis eine Entwicklung abgeschlossen ist, dann wird’s an das Auto gebracht. Zu spät sind sie also nicht, sie machen es richtig.“

Schumachers Vertrag bei Haas läuft bis Ende 2022. Die Zukunft beim US-Team ist weiter ungewiss. Auch das Vettel-Team Aston Martin gilt als möglicher Kandidat für Schumi jr. Entscheidend werden die kommenden Wochen, bevor die „Silly Season“ (Zeit der Wechsel und wilden Wechselgerüchte) so richtig Fahrt aufnimmt. Eine Deadline seitens des Teams gibt es offiziell nicht.

In den Nachwuchsklassen lieferte Schumacher immer im zweiten Jahr ab, wo er sich jeweils stark verbesserte und einen Sprung nach vorne machte. Noch ist diese Entwicklung in der Formel 1 ausgeblieben. Zu spät ist es aber noch lange nicht. Montreal könnte der Wendepunkt sein.