Schreckliche Bilder aus Mexiko

Eltern lassen halbnacktes Kleinkind (2) allein an Schnellstraße zurück

Eltern ließen ihr Kind offenbar alleine an einer Schnellstraße zurück, nachdem sie aus einem überfüllten Lkw geflüchtet waren.
Eltern ließen ihr Kind offenbar alleine an einer Schnellstraße zurück, nachdem sie aus einem überfüllten Lkw geflüchtet waren.
© Reuters, reuters

02. Juli 2021 - 11:13 Uhr

Behörde in Mexiko nahm den Jungen in Obhut

Es ist ein Bild des Jammers: Ein Kleinkind steht nur mit einer Hose bekleidet an einer Leitplanke, um ihn herum liegen verstreut Mülltüten, halbleere Wasserflaschen, Kleidung. Von Mama und Papa keine Spur. Die sollen den Jungen, dessen Alter mexikanische Behörden auf zwei Jahre schätzen, alleine zurückgelassen haben.

Hundert Menschen auf Laster eingepfercht - ein Toter

Nacional de Migración veröffentlichte später ein zweites Foto des Kindes - dieses Mal bekleidet und in Obhut der Behörde.
Nacional de Migración veröffentlichte später ein zweites Foto des Kindes - dieses Mal bekleidet und in Obhut der Behörde.
© Nacional de Migración/ Gobierno de Mexico

Das Nationale Migrationsinstitut (INM) von Veracruz hatte das Kind am 28. Juni an einer Schnellstraße bei Las Choapas (Mexiko) entdeckt. Es gehörte offenbar zu einer Gruppe von circa 100 Menschen, die eingepfercht in einem Lastwagen unterwegs waren. Darin müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben: Einige von ihnen hätten berichtet, dass mehrere Personen wegen Sauerstoffmangels und Hitze in Ohnmacht gefallen seien, andere hätten mit Rufen und Schlägen an die Wände des Fahrzeugs versucht, den Fahrer zum Anhalten zu bewegen.

Der habe schließlich gestoppt und die Türen geöffnet, "woraufhin Männer und Frauen über den Bürgersteig und ins Unterholz sprangen und rannten", heißt es in einer Pressemitteilung. Auf der Ladefläche fanden Mitarbeiter des INM und der Nationalgarde die Leiche eines 25 Jahre alten Mannes. Acht Erwachsene blieben zurück, doch keiner von ihnen habe angegeben, mit dem Kleinkind verwandt zu sein, das halbnackt an der Straße kauerte. Auf einem Foto ist zu sehen, wie es die Arme schützend vor den Oberkörper hält. Es scheint sein Gesicht in den Händen zu verbergen. Die Behörde nahm das Kind in Obhut.

"Im Rahmen des festgelegten Protokolls wurde die Vertretung der Staatsanwaltschaft für Kinder- und Jugendschutz verständigt, um die Vormundschaft und Betreuung zu übernehmen", erklärte das INM. Man sei in Kontakt mit der Botschaft von Guatemala, "weil der Junge aus diesem Land stammen könnte".

US-Vizepräsidentin Kamala Harris in Guatemala: "Kommen Sie nicht"

FILE PHOTO: U.S. Vice President Kamala Harris waves as she boards Air Force Two at Benito Juarez International airport following her first international trip as Vice President to Guatemala and Mexico, in Mexico June 8, 2021. REUTERS/Edgard Garrido/Fi
Kamala Harris bei ihrem ersten Auslandsbesuch als US-Vizepräsidentin.
© REUTERS, EDGARD GARRIDO, /FW1F/Howard Goller

Zehntausende Menschen aus Guatemala, Honduras und El Salvador versuchen jedes Jahr, über Mexiko in die Vereinigten Staaten einzureisen. Sie wandern oft wegen Perspektivlosigkeit durch Armut und Korruption aus, leiden aber auch unter Gewalt krimineller Gruppen, Dürre, Unterernährung und den Folgen von Naturkatastrophen.

US-Vizepräsidentin Kamala Harris hatte bei ihrer ersten Auslandsreise in Mexiko Anfang Juni eine engere Zusammenarbeit unter anderem beim Thema Migration vereinbart. Vertreter beider Regierungen unterzeichneten eine Absichtserklärung, gemeinsam Fluchtursachen in Mittelamerika zu bekämpfen. Mit Programmen zur Förderung landwirtschaftlicher Entwicklung und zur Ermächtigung junger Menschen wollen die nordamerikanischen Nachbarn demnach den Bewohnern von Guatemala, Honduras und El Salvador bessere ökonomische Perspektiven bieten.

Harris' zweitägige Reise hatte am 7. Juni in Guatemala begonnen. Sie hatte dort, an Migrationswillige gerichtet, gesagt: "Kommen Sie nicht." Die meisten Menschen wollten ihr Zuhause nicht verlassen, betonte sie. Man müsse ihnen Hoffnung geben. Harris hatte unter anderem auch Bemühungen gegen Korruption, gegen Menschen-, Drogen- und Waffenschmuggel und finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung von Arbeitsmarktreformen angekündigt. Zudem wollen die USA bei der Aufklärung der Schicksale von mehr als 88.000 Verschwundenen helfen. (cwa)