Garant für den Mercedes-Erfolg wird 50.

Toto Wolff: Der penetrante Perfektionist

Toto Wolff (hier mit Ehefrau Susie) ist einer der erfolgreichsten Teamchefs der Formel-1-Geschichte
Toto Wolff (hier mit Ehefrau Susie) ist einer der erfolgreichsten Teamchefs der Formel-1-Geschichte
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12. Januar 2022 - 8:57 Uhr

Mercedes und sein "Leitwolff"

Von Martin Armbruster

Acht Konstrukteurs-Titel in Serie, sieben Fahrer-Weltmeisterschaften, unzählige Grand-Prix-Triumphe – kein Team hat die Formel 1 jemals so dominiert wie Mercedes in der Hybrid-Ära seit 2014. Die monumentalen Erfolge der Silberpfeile haben viele Gründe. Einer davon: Teamchef Toto Wolff, der heute seinen 50. Geburtstag feiert.

Wolff lebt nicht in der Stunde des Erfolgs

Wer ergründen möchte, warum Mercedes seit Jahren nehezu alles gewinnt, was es in der Formel 1 zu gewinnen gibt, sollte vielleicht zurückblicken und sich noch einmal Toto Wolffs Reaktion auf Lewis Hamiltons WM-Triumph 2018 in Mexiko zu Gemüte führen.

Eben erst hatte der Brite mit einem 4. Platz seinen fünften Titel gewonnen, ein Anlass zum Jubeln sollte man meinen. Nicht so für Wolff. Der Österreicher regte sich vielmehr über die Performance von Hamiltons Silberpfeil auf.

"Ich habe Lewis am Funk nicht einmal gratuliert, weil ich so sauer über unsere Leistung bin. Ich muss mich erst sammeln", polterte Wolff. Der Triumph des Briten interessierte den Mercedes-Motorsportchef in der Stunde des Erfolgs nicht die Bohne. Wolff wollte wissen, was mit Hamiltons Auto los gewesen war, warum die Reifen nicht funktionierten, warum Hamilton keine Chance auf den Rennsieg hatte.

Streber und chronischer Tiefstapler

Gewiss: Vielen Formel-1-Fans dürfte der "streberhafte" Wolff (so Wolff) auf die Nerven gehen – vor allem mit seinem chronischen Understatement, wenn Mercedes den Rest der F1-Welt zu Statisten degradiert.

Und doch ist es eben Wolffs Perfektion-Penetranz, die aus dem Mercedes-Werksteam das erfolgreichste Team der F1-Geschichte gemacht hat. Wolff verlangt von sich und jedem einzelnen Mitarbeiter das Maximum. Immer. Bei jedem Rennen. Auch, wenn schon ein 4. Platz zum Titel reicht.

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Erfolgsdenken und Ehrgeiz wie einst bei Schumacher und Ferrari

Wird das Maximum nicht rausgeholt, die angestrebte Perfektion nicht erreicht, ist Wolff stinkig – wie in der abgelaufenen Saison 2021 mehrmals zu sehen war. Zu spüren bekommen die Wut des Wieners dann bisweilen die Mitarbeiter an der Strecke und im Formel-1-Werk der Silbernen in Brackley. Man pflege intern eine sehr klare Sprache, hört man von und über Mercedes im Fahrerlager immer wieder. Heißt: Wenn irgendetwas nicht nach Plan läuft, scheppert es beim Seriensieger. Was war und gewonnen wurde zählt nicht.

Penetrante Perfektion. Anders kann man in einem detailversessenen Sport wie der Formel 1 seine Erfolge wohl nicht Jahr für Jahr wiederholen. Nie nachlassen, sich nie ausruhen, immer weiter, immer weiter. Die Ferrari-Ära Michael Schumachers stand auf dem gleichen Fundament.

Den nächsten Titel schon im Kopf

Mit dem achten Konstrukteurs-Titel in Serie hat Mercedes im Vorjahr seine eigene Rekordmarke weiter ausgebaut. Es war mehr als ein Trostpreis für Hamiltons Last-Round-K.o. im Fahrer-Showdown gegen Red Bull und Max Verstappen in Abu Dhabi. Und doch: Dieser Stachel sitzt tief, die Art der Niederlage hat die Silbernen erschüttert.

Red Bull sollte sich 2022 daher ganz warm anziehen. Denn die von ihrem "Leitwolff" getriebene Mercedes-Truppe ist verwundet – und sinnt nach Revanche.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel erschien in leicht abgeänderter Form bereits am 14. Oktober 2019.