Mama-Kolumne zum Fall Elias

Mein dreijähriger Sohn trägt auch gerne Kleider - und das ist auch gut so!

Elmo in Pink
© Lina Elden, Elden, Linda [infoNetwork]

29. Juli 2020 - 13:49 Uhr

Junge (6) fliegt aus Kita, weil er lieber mit Puppen spielt

Ein Junge fliegt aus seiner Kita, weil er lieber mit Puppen als mit Autos spielt? So scheint es im Fall des kleinen Elias (6) aus der Nähe von Gummersbach zu sein. Die Kita-Leitung ist überzeugt davon, dass der Sechsjährige ein Problem mit seiner Geschlechtsidentität hat - und deshalb oft Wutausbrüche bekommt. Jetzt muss er deswegen sogar die Kita wechseln – ein Schock für die Familie.

Für unsere Kollegin ein Ding der Unmöglichkeit. Sie sagt: Auch mein dreijähriger Sohn Elmo liebt Puppen, die Farbe Rosa und trägt gerne Kleider. Und ich möchte, dass er sich frei entfalten kann!

Ein Kommentar von Linda Elden

Geschlechterklischees: Rosa war nicht immer Mädchensache

Unser Sohn und seine Puppe
Elmo schiebt seinen Puppenwagen
© Linda Elden

Mein dreijähriger Sohn Elmo liebt Puppen, die Farbe Rosa und trägt gerne Kleider. Genau diese Dinge findet man aus diesem Grund auch in seinem Kinderzimmer. Neben einer quietsch-pinken Ukulele, die mein Mann Elmo im Urlaub kaufte, finden sich genauso Spielzeugautos und Lego, sowie eine Spielküche, seine Puppe Fibi und eine Meerjungfrauenbarbie namens Lilli in unserer Wohnung. Mittlerweile kann man sogar eine geschlechtsneutrale Puppe kaufen. Immer wieder zieht er die Kleidchen seiner Freundinnen an und nun hat er endlich auch sein eigenes!​

Regelmäßig schiebt Elmo seinen Puppenwagen durch unser Kölner Veedel und immer wieder begegnen mir Eltern, die automatisch denken, Elmo sei ein Mädchen.

Das liegt natürlich daran, dass unsere Gesellschaft uns vorlebt, dass Mädchen diejenigen sind, die mit Puppen spielen und Rosa zu tragen haben - und Jungs nicht!

Dabei war das mal ganz anders. Bis in die 40er-Jahre war Blau die Farbe der kleinen Mädchen. Rot stand hingegen für Männlichkeit und das "kleine Rot", sprich rosa, war damals den Jungs zugeschrieben.

Doch die Modeindustrie entschied sich mit dem Aufkommen der Blue-Jeans, der Matrosen- und Arbeitskleidung sowie dem guten, alten Blaumann, diese Farbzuweisung auf Links zu drehen.

Mit dem Wirtschaftsaufschwung entstand das sogenannte Gender-Marketing.

Die Leute hatten plötzlich mehr Geld für Kleidung und Spielzeuge und die Hersteller nutzten das dickere Portemonnaie der Käufer aus und boten ihre Produkte in zweifacher Ausführung an. Ein Marketing-Konzept, das bis heute hervorragend funktioniert. Vor allem bei vielen Eltern!

Love is love!

Love is Love
Elmo beim CSD
© Linda Elden

Elmo ist kein Mädchen. Er ist ein dreijähriger Junge, der noch nicht den Konventionen unserer Gesellschaft ausgesetzt ist. Er ist ein Kind und unabhängig vom Geschlecht möchten mein Mann und ich, dass unser Sohn sich frei entfalten kann.

Ich habe das große Glück, dass auch meine Eltern diese Einstellung teilen. Erst vor ein paar Wochen kaufte meine Mama ihrem lieben Enkelsohn Lippenstift und Nagellack. Und nicht nur Elmo war happy. Auch mein Mann Emrah und mein Papa lackierten sich die Finger rosa. Emrah ging damit sogar zur Arbeit. Ein Experiment, das also nicht nur Kinder glücklich macht :-)

Kinder experimentieren mit Geschlechterrollen – sie selbst haben schließlich noch kein Gefühl für ihr eigenes Junge– oder Mädchen-Dasein. Kinder orientieren sich an ihren Eltern und bei vielen Eltern ist das Klischee, dass Frauen die Kinder großziehen, putzen und kochen und der Mann arbeitet, längst verjährt. Mein Mann kocht und putzt genauso viel wie ich und ich arbeite genauso viel wie mein Mann. Dass Elmo in seiner Küche spielt und seine Puppe spazieren fährt, ist also genau das, was er vorgelebt bekommt.

In meinem Umfeld leben viele diese gleichberechtigte Rollenteilung und dennoch begegnen mir, selbst in meinem Bekanntenkreis, immer wieder Menschen, die es komisch finden, wenn Elmo ein Kleid trägt. Die uns schräg angucken, weil wir unseren Sohn beim Ballett anmelden wollen, und die es irgendwie befremdlich finden, wenn Elmo mit seiner Barbie durch die Gegend läuft.

Das tun sie nicht nur aus Angst, unser Kind könne in der Gesellschaft nicht akzeptiert werden, sondern aus Angst, man könne damit Homosexualität bei ihm auslösen!

Ich bin wirklich unfassbar geschockt, dass es nach wie vor Menschen gibt, die glauben, dass Schwulsein etwas ist, das man "auslösen" kann.

Zum einen glaube ich nicht, dass der Punkt, dass ein Dreijähriger, der die Farbe Rosa mag und es liebt, Kleider zu tragen, etwas über seine spätere sexuelle Orientierung verrät und zum anderen wäre es mir auch echt egal, ob Elmo später Frauen liebt oder Männer.

Ein Spielzeugroboter und die Farbe Blau würden das, by the way, nicht verhindern. Love is Love!

Und auch wenn Elmo irgendwann merken sollte, dass er im falschen Körper geboren ist, würden wir ihn auf seinem Weg begleiten.

Ich will einfach, dass Elmo glücklich ist und ich will ihn bei seiner Persönlichkeitsentwicklung unterstützen. Und auch wenn er sich dazu entschließt, später Kleider zu tragen, wird sich absolut nichts an der Liebe zu unserem Sohn ändern!