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Medizinexperte erklärt: Wann wird Desinfektionsmittel für mein Kind gefährlich?

RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht klärt auf

Wie gefährlich sind Desinfektionsmittel für mein Kind?

Wie gefährlich ist Desinfektionsmittel für mein Kind?
Wie gefährlich ist Desinfektionsmittel für mein Kind?
galitskaya, iStock

Hände desinfiziert und dann ins Brötchen gebissen: Ist das gefährlich?

Das Göttinger Giftinformationszentrum-Nord hat gerade zu mehr Achtsamkeit in deutschen Haushalten aufgerufen, nachdem es im ersten Halbjahr 2020 deutlich mehr Notrufe wegen Desinfektionsmitteln erhalten hat . Besonders bei Kleinkindern besteht während der Corona-Pandemie immer die Sorge, dass sie bei ständiger Desinfektion von Händen und Oberflächen im Haus unbeabsichtigt Desinfektionsmittel in den Mund nehmen – zum Beispiel, wenn sie ihre Fingerchen ablecken. RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht ordnet ein, wie gefährlich das für Kinder werden kann.

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Desinfektionsmittel stehen zu oft in Reichweite von kleinen Kindern

Unterwegs will das Kind etwas essen oder hebt etwas Dreckiges vom Boden auf. Dafür werden die Hände schnell mit Desinfektionsmittel- oder Tüchern saubergemacht. Die Finger des Kindes sind kaum trocken, schon nimmt es das Essen oder mit den Fingern in den Mund. Wie gefährlich kann das fürs Kind werden?

„Die meisten Mittel sind auf alkoholischer Basis“, erklärt uns Dr. Christoph Specht. „Oft sind es ja nur kleinste Mengen, die die Kinder dadurch aufnehmen. Dann bleibt das im Allgemeinen folgenlos“, lautet seine Experten-Meinung. Es schmecke den Kleinen auch überhaupt nicht – so sollte es auch nicht dazu kommen, dass sie mehr als einige Tröpfchen aufnehmen: „Man kann davon ausgehen, wenn es keine akuten Reaktionen gibt, wie das Gesicht zu verziehen, dann sind die Mengen auch so gering, dass nichts weiter passiert.“

Aber wie ist es, wenn man dem Kind mit Desinfektionstüchern das Gesicht reinigt? Hier macht Dr. Specht deutlich. „Mit Feuchttüchern darf man das Gesicht eines Kindes schon waschen, aber im Gesicht haben die in Desinfektionsmittel getauchten Tücher nichts zu suchen.“

Wie Sie Ihren Haushalt kindersicher machen, erfahren Sie hier.

Wie reagiere ich, wenn mein Kind Desinfektionsmittel ins Auge bekommt?

Kleinkinder nehmen ihre Finger nicht nur oft in den Mund, sie fassen sich auch oft ins Auge. Auch diese Situation sollte man schnell unter Kontrolle bekommen. Wenn das Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis ist, tut es dem Kind natürlich erstmal weh. Es kommt zu einer Reizung der Bindehäute. „Das Erste, was man dann macht, ist mit stillem Wasser das Auge großzügig auszuspülen. Wenn es nicht besser wird, sollte man einen Arzt aufsuchen.“

Bei den ungefährlichen Kleinmengen wird es in der Regel aber bleiben – denn die Mittel sind so bitter, dass Kleinkinder schnell die Finger davon lassen.

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Was wären die ersten Zeichen im Falle einer Vergiftung?

Schlimm wird es bei größeren Mengen, die unabsichtlich eingenommen werden. Dann können folgende Symptome auftreten: „Übelkeit, Erbrechen und Verwirrtheit sind die ersten Anzeichen für eine akute Vergiftung“, zählt Dr. Specht auf. Er könne sich aber kaum vorstellen, wie es bei Kleinkindern durch den bitteren Geschmack immer wieder soweit kommen kann.

Immer mehr Fälle von Vergiftung durch Desinfektionsmittel  seit Anfang 2020.
Immer mehr Fälle von Vergiftung durch Desinfektionsmittel seit Anfang 2020.
www.imago-images.de, imago images/7aktuell, 7aktuell.de | Max Rühle via www.imago-images.de

GIZ-Nord bittet um mehr Achtsamkeit

Und trotzdem warnt die Giftinformationszentrum in Göttingen auf seiner Webseite: „Die häusliche Betreuung von Kindern stellt momentan viele Menschen vor besondere Herausforderungen. Der Giftnotruf möchte vorsorglich zu vermehrter Achtsamkeit aufrufen. Wir bitten daher alle Betreuenden, Desinfektionsmittel aller Art, Medikamente, Putz-/Waschmittel, Zimmerpflanzen, Batterien und ähnliches von Kindern bestmöglich fernzuhalten.“

Das GIZ-Nord ist rund um die Uhr unter der Notrufnummer (0551) 192 40 erreichbar.