Was die Stiftung Warentest empfiehlt und wovor die Experten warnen

Medikamente für Kinder: Manche können gefährlich sein - diese Alternativen gibt es

Wenn das Kind krank ist, fühlen sich Eltern oft hilflos. Abhilfe versprechen da die Pharmakonzerne. Für den richtigen Durchblick sorgt die Stiftung Warentest, die 1.000 Arzneimittel für Kinder unter die Lupe genommen hat. Foto: Symbolbild.
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27. Mai 2020 - 13:39 Uhr

Auf die Dosierung kommt es an

Wenn das eigene Kind leidet, will man nur eines: dass es ihm schnell wieder besser geht. Und so greifen viele Eltern auf altbekannte Medikamente zurück, die einem aus Erfahrung auch schon selbst in jungen Jahren geholfen haben. Doch Vorsicht! Denn erstens reagiert jedes Kind anders auf Arzneimittel und zweitens heißt verschreibungsfrei nicht ungefährlich. Im Gegenteil: Einige Medikamente können sogar lebensbedrohlich sein.

Die Experten der Stiftung Warentest warnen deshalb vor der ungenauen Verabreichung von einigen Medikamenten, haben jedoch auch rund 1.000 rezeptfreie Medikamente für Kinder unter drei Jahren untersucht und eine Auswahl empfehlenswerter Mittel zusammengestellt. Wir präsentieren Ihnen hier einen Auszug. Die vollständige Liste mit den besten 80 Mitteln erhalten Sie auf der Seite der Stiftung Warentest zum Download.

Wichtig bei allen Arzneimitteln: Beachten Sie die genaue Dosierung!

Besondere Vorsicht bei diesen Wirkstoffen

Nach ihrer Untersuchung haben die Experten der Stiftung Warentest eindringlich vor einer zu hohen Dosierung von Paracetamol gewarnt. Nicht nur bei Erwachsenen, darunter auch Schwangere, sondern auch bei Kindern kann dies zu lebensbedrohlichen Lebervergiftungen führen. Paracetamol sei einer der am häufigsten Arzneimittelvergiftungen auslösenden Wirkstoffe. Deshalb sei hier besondere Vorsicht bei der Verabreichung geboten.

Seien Kinder unter zwölf Jahre alt, solle man ihnen auf keinen Fall den Blutverdünner ASS geben. Es bestehe das Risiko, dass der Wirkstoff das Reye-Sydrom auslöst, wenn das Kind unter einem viralen Infekt während der Einnahme leide. Mögliche Folge: schwere Leber- und Hirnschäden.

Bei einer Überdosierung der Antihistaminika Diphenhydramin und Dimenhydrinat könnten bei Kindern unter drei Jahren Krampfanfälle ausgelöst werden. Die Mittel helfen gegen Übelkeit und Erbrechen, sind aber, so die Experten, mit Vorsicht zu genießen.

Die besten rezeptfreien Medikamente für Kinder unter drei Jahren

Die besten rezeptfreien Medikamente für Kinder unter drei Jahren haben die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest untersucht und in einer ausführlichen Liste zusammengetragen. Einen Auszug haben wir für Sie zusammengefasst.

Fieber und Schmerzen

Grundsätzlich gilt: Für die Kleinen ist die optimale Darreichungsform die eines Saftes oder eines Zäpfchens. Jedoch wird bei Letzteren der Wirkstoff übers Blut unterschiedlich aufgenommen, sodass die Wirksamkeit nicht garantiert werden könne, so die Experten. Als kurzfristige Hilfe gegen die Symptome empfiehlt die Stiftung Warentest für Kinder unter fünf Kilo zum Beispiel den "Ibuflam Kindersaft"* 🛒 für 3,26 Euro pro 100 Milliliter. Bei Kindern ab sieben Kilo dürfe auch mal zu Paracetamol gegriffen werden – wie etwa zu dem "Paracetamol Saft 1A Pharma"* für 3,12 Euro pro 100 Milliliter.

Schnupfen

Bei Erkältungskrankheiten lassen sich die verstopften Näschen der Allerkleinsten mit schleimhautbefeuchtenden Mitteln wie zum Beispiel dem "Olynth Salin Dosierspray ohne Konservierungsstoffe"* für 5,59 Euro für 15 Milliliter befreien. Zur kurzzeitigen Anwendung eigne sich beispielsweise das "Nasivin Nasenspray ohne Konservierungsstoffe"* für 6,49 Euro für die 10-Milliliter-Flasche. Dies sollte jedoch nicht bei Kindern unter einem Jahr angewendet werden. Ein Jahr später dürfen Eltern die Näschen ihre Kleinen auch mit dem Wirkstoff Xylometazolin befreien, der sich zum Beispiel im "Ratiopharm Nasenspray für Kinder"* für 2,48 Euro (10 Milliliter) befindet.

Husten

Gegen den nervenden Husten helfen laut der Stiftung Warentest am besten entkrampfende und lösende Mittel – wie zum Beispiel der "Bronchofit Efeu-Hustensaft" (für Kinder ab einem Jahr) für 6,16 Euro pro 100 Milliliter oder dem "Bronchicum-Saft" mit Primel und Thymian* für 8,85 Euro für 100 Milliliter. Thymian findet sich zum Beispiel im "Aspectron-Hustensaft" für 9,25 Euro pro 100 Milliliter. Der sekretlösende Wirkstoff Acetylcystein steckt beispielsweise in den "ACC Aktu 200 mg Brausetabletten" für 8,29 Euro, die allerdings auch nur mit Einschränkung geeignet seien.

Der Wirkstoff Ambroxol löse Sekret zum Beispiel im "Ambrobeta Saft" für 2,42 Euro pro 100 Milliliter, der ebenfalls mit Einschränkung für Kinder ab zwei Jahren geeignet sei. Die Experten fordern, dass die therapeutische Wirkung der pflanzlichen Säfte durch mehr Studien belegt werden sollte. Von Mitteln mit Alkohol raten sie dringendst ab.

Wunden

Ist Mamas Liebling gestürzt, können kleinere Wunden einfach behandelt werden – wichtig hierbei, so die Experten, sei die keimfreie Versorgung. Unter denen von der Stiftung Warentest empfohlenen Mittel sind unter anderem die allseits bekannte "Bepanthen Wund- und Heilsalbe"* für 5,97 Euro pro 20 Milliliter mit dem Wirkstoff Dexpanthenol, die "Kamillosan-Salbe"* mit Kamille für 5,75 Euro pro 20 Milliliter und die "Zinkoxidsalbe LAW"* (3,17 Euro pro 25 Milliliter).

Übelkeit und Erbrechen

Die Experten der Stiftung Warentest warnen: Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen sollten Kindern niemals ohne Absprache mit einem Arzt verabreicht werden. Denn sie wirken auch im Gehirn und können bei Kleinkindern gefährliche Nebenwirkungen wie zum Beispiel einen Atemstillstand auslösen.

Empfohlen – mit Einschränkung – werden zum Beispiel die "Emesan K Kinderzäpfchen" (6,62 Euro für zehn Stück), wenn heftiges Erbrechen unterbrochen werden müsse. Doch auch hier sei Vorsicht geboten: nur zurückhaltend einsetzen. Der Wirkstoff Dimenhydrinat wirkt unter anderem in den "Vomacur 70mg Zäpfchen" (5,96 Euro für zehn Stück). Auch diese seien nur mit Einschränkung einsetzbar.

Allgemein gilt: Halten Sie sich immer strengstens an die Dosierungsanweisung auf den jeweiligen Gebrauchsanweisungen und halten Sie im Zweifel immer Rücksprache mit dem Kinderarzt!

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