Zwei-Klassen-Kita in Berlin

Wenn Eltern nicht mehr bezahlen, müssen die Kinder in die "Maulwurf-Gruppe"

Kinder sitzen auf einer Bank in der Kita
Kita (Symbolfoto)
ve axs amr gfh, dpa, Rolf Vennenbernd

Große Aufregung um die Betreuung der lieben Kleinen in Berlin. In der Hauptstadt ist der Kita-Besuch seit 2018 kostenlos. Trotzdem gibt es eine Einrichtung, in der offenbar Kinder benachteiligt werden, wenn ihre Eltern nicht dem Förderverein beitreten – und dafür bis 700 Euro pro Monat berappen. Das berichten die „Berliner Zeitung“ und die „Bild“. Wer nicht zahlt, dessen Kinder werden im Kindergarten „Nannys Place“ nicht wie alle anderen betreut, sondern in einer Extra-Gruppe namens „Die Maulwürfe“. Jetzt schreitet der Berliner Senat ein, denn die Praxis ist illegal.

Berliner Senat: „Wir missbilligen das Vorgehen des Trägers“

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Aziz Bozkurt, Staatssekretär für Jugend und Familie beim Berliner Senat.

„Wir missbilligen das Vorgehen des Trägers“, so Aziz Bozkurt, Staatssekretär für Jugend und Familie beim Berliner Senat. Man befinde sich wegen der Vorwürfe in Gesprächen mit der Kita-Leitung. Die Behörde habe dem Kita-Betreiber klar gemacht, dass Eltern nicht zu Zusatzbeiträgen von mehr als 90 Euro verpflichtet werden dürfen. Außerdem könne „die Separierung von Kindern nicht geduldet werden“, so der SPD-Politiker weiter.

Genau das ist den Zeitungsberichten zufolge aber passiert. Die „Maulwürfe“-Gruppe „ist für alle Familien, die nicht aus finanzieller Not heraus die Beiträge für den Förderverein nicht zahlen wollen“, zitieren die Blätter aus einem Schreiben der Kita an die Eltern.

Behindertes Kind muss wegen Separierung zuhause betreut werden

Das empört betroffene Eltern. „Die Kinder werden in einem Durchgangszimmer betreut. Sie müssen ihr eigenes Essen mitbringen und haben kein altersgerechtes Spielzeug“, so ein Vater laut „Bild“-Zeitung. Betroffen sei auch ein schwerbehindertes Kind, das jetzt zu Hause betreut werden müsse.

Staatssekretär Bozkurt sagt hierzu: „Dass ein Kind mit Behinderung aufgrund des Vorgehens des Trägers nicht mehr die Kita besuchen kann, ist keinesfalls hinnehmbar.“ Seine Behörde werde überwachen, „dass der Träger sich hier rechtskonform verhält.“

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Kita "Nannys Place" äußert sich bislang nicht zu Vorwürfen

Derzeit würden die Vorwürfe geprüft. Im äußersten Fall könnte „Nannys Place“ die Betriebserlaubnis entzogen werden. „Diesen Weg werden wir bei Bedarf auch gehen. Das sollte dem Träger bewusst sein“, droht Bozkurt.

Die Kita äußerte sich auf RTL-Anfrage bisher nicht zu den Vorwürfen. (uvo)