Prozess um sexuelle Belästigung in Hamburger Schwimmbad

Von wegen Wellness: Masseur befummelt seine Kundinnen

Prozess vor dem Amtsgericht Altona. Es geht um sexuelle Belästigung im Schwimmbad.
Prozess vor dem Amtsgericht Altona. Es geht um sexuelle Belästigung im Schwimmbad.
© RTL Nord

24. Juni 2021 - 13:53 Uhr

Angeklagter ist sich keiner Schuld bewusst

Eigentlich sollte der Masseur nur den Rücken massieren, doch dann hätte er plötzlich die Brüste und den Po seiner Kundinnen gestreichelt. So soll es sich im März 2019 mindestens dreimal im Festland, einem öffentlichen Hamburger Schwimmbad, abgespielt haben. Dafür wurde Ralf U. am Donnerstag vom Amtsgericht Altona verurteilt.

Betroffene Frauen waren geschockt

"Ich war wie paralysiert", berichtet eine der Betroffenen, eine Rumänin, vor Gericht. "Er hat angefangen meinen ganzen Körper zu streicheln." Am meisten hätte er dabei ihren Po gestreichelt und auch ihre Beine auseinander bewegt. Dazu habe er ihr gesagt: "Du kommst aus einem anderen Land, du weißt nicht, wie das hier läuft." Eine weitere Zeugin berichtet, sie habe monatelang nach dem Vorfall einen Bogen um das Schwimmbad gemacht und sagt im Prozess: "Wenn ich das Wort Massage höre, dreht sich mein Magen um."

Massieren habe er sich über YouTube beigebracht

Auf RTL Nord-Nachfrage kurz vor Prozessbeginn äußerte sich der Anwalt des Angeklagten nur knapp zu den Vorwürfen: "Das wird der Prozess zeigen." Vor Gericht zeigt sich der Angeklagte nicht einsichtig. Der bei einem Subunternehmen angestellte Masseur sei gar nicht als solcher ausgebildet. Massieren habe er sich über YouTube beigebracht. Der 54-Jährige spricht bei den Vorwürfen gegen ihn von Missverständnissen. Sein Chef habe ihm erklärt, welche Griffe er anwenden solle.

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Richter: „Das hatte mit einer bestellten Rückenmassage nichts zu tun“

Bei einer Kundin habe er sein T-Shirt ausgezogen, weil ihm so heiß gewesen sei. Bei zwei anderen Frauen habe er ganz aus Versehen beim Ausstreichen innerhalb einer ayurvedischen Massage oder bei einer Yoga-Übungen deren Brüste berührt. "Das hatte mit einer bestellten Rückenmassage nichts zu tun – da sind wir uns einig", kommentierte der Vorsitzende Richter die Aussagen des Angeklagten.

Masseur nach Vorfällen gefeuert

Die städtische Schwimmbad-Betreibergesellschaft Bäderland hatte den Masseur nach den Vorwürfen der Frauen entlassen, schon dabei hätte der Masseur bestritten, die Frauen unsittlich berührt zu haben. In einer schriftlichen Stellungnahme bekundet Bäderland: "Wir reagieren dann sehr strikt und konsequent, allerdings darf auch niemand vorverurteilt werden." Der Richter hat Ralf U. inzwischen wegen sexueller Belästigung zu 200 Tagessätzen von je 30 Euro verurteilt. (nid)

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