Experten sind sich uneinig

Maskenpflicht aufheben: ja oder nein? Warum Dr. Specht FÜR eine Lockerung ist

Der Arzt & Medizinjournalist Dr. Specht sieht die Beibehaltung der Maskenpflicht in den meisten geschlossenen Räumen kritisch.
Der Arzt & Medizinjournalist Dr. Specht sieht die Beibehaltung der Maskenpflicht in den meisten geschlossenen Räumen kritisch.
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14. Juni 2021 - 20:25 Uhr

Wir fragen Virologen und Allgemeinmediziner

Die Forderungen nach der Aufhebung der Maskenpflicht werden lauter: Die Inzidenzwerte sinken, das Wetter wird besser – die Normalität soll zurückkehren. Aber ist es wirklich der richtige Zeitpunkt, erneut über Lockerungen nachzudenken?

Um dieser Frage nachzugehen, haben wir mit zwei Experten gesprochen, die uns in den vergangenen Monaten mit ihrer Expertise zur Seite gestanden haben: Dr. Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia und Arzt & Medizinjournalist Dr. Specht.

Beide sind Experten auf ihrem Gebiet – haben aber unterschiedliche Meinungen zur Beibehaltung der Maskenpflicht.

Lesetipp: Warum Virologe Dr. Zinn die Maskenpflicht in Innenräumen weiterhin befürwortet.

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Dr. Specht: Findet Maskenpflicht in Innenräumen "ein bisschen scheinheilig"

Der Arzt und Medizinjournalist Dr. Specht hat zur Maskenpflicht im Freien eine klare Meinung: "Es macht aus meiner Sicht schon lange keinen Sinn, die Masken draußen vorzuschreiben." Ausnahmen bilden hierbei vielleicht Veranstaltungen, bei denen viele Menschen im Freien dicht beieinander stehen – und das für eine lange Zeit, so Specht. Auch im Innenbereich sei die Maske so gut wie unnötig: "Innenraum ist so ein allgemeiner Begriff – der öffentliche Innenraum, öffentlicher Nahverkehr, Ämter.", das alles falle unter diesen Begriff. Die meisten Ansteckungen finden aber in einem Innenraum statt, den man auch nicht mit einer Maskenpflicht kontrollieren kann: nämlich den privaten Innenraum. "Da tragen die Leute sowieso keine Maske. Insofern halte ich das mit der Vorgabe einer Maskenpflicht in Innenräumen für ein bisschen scheinheilig."

Dr. Specht will Normalität bewahren

Dr. Specht findet, "wir sollten nicht vergessen, was eigentlich für menschliches Verhalten normal ist." Er appelliert: "das Normale nicht zu verschieben oder gar zu vergessen." Das soll nicht heißen, dass alles ohne Einschränkungen öffnen soll, sondern "die Maskenpflicht nur dort aufrechterhalten werden soll, wo sie wirklich Sinn macht." Laut Specht ist das zum jetzigen Zeitpunkt ausschließlich in Innenräumen, wo mehrere Menschen für längere Zeit eng zusammenkommen. Dennoch bleibt er dabei: "Normal ist, dass wir Menschen uns vollkommen ohne Maske bewegen." Für ihn ist es außerdem wichtig, in Zukunft nicht nur die reinen Infektionszahlen zu betrachten, sondern auch die sogenannte Krankheitslast im Auge zu behalten: "Wer wird krank? Welche Menschen sind das? Welche Symptome bekommen die? Wie schwer krank sind die? Wer kommt ins Krankenhaus? Wer stirbt? Das sind die wichtigen Fragen." – nicht einzig und allein die Zahl der Infektionen ist da ausschlaggebend – viel wichtiger ist, "ob wir tatsächlich daran erkranken".

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