Depressiv nach bariatrischer Operation

Magenverkleinerung kann Risiko für Depressionen und Suizidrisiko erhöhen

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10. März 2020 - 17:53 Uhr

Magenverkleinerung kann vor allem stark übergewichtigen Menschen helfen

Menschen, die stark übergewichtig sind und einen BMI (Body Mass Index) von über 40 haben, hilft oft nur eine Operation, um ihr Gewicht zu reduzieren und dauerhaft in den Griff zu bekommen. Allerdings wirkt sich eine Magenverkleinerung nicht nur auf den Körper aus, sondern kann auch psychische Folgen haben. Was ist dran an der Behauptung, dass eine Magenverkleinerung zu Depressionen führen kann?

Diese Methoden zur Magenverkleinerung gibt es

Es gibt zwei gängige Methoden bariatrischer Operationen: Beim Einsetzen eines Magenbands wird ein Teil des Magens abgebunden, sodass das Magenvolumen abnimmt und folglich nur noch geringe Mengen Nahrung aufgenommen werden können. Bei dem anderen Eingriff, der heute häufiger angewendet wird, handelt es sich um den Magenbypass. Dabei werden große Teile des Magens und Dünndarms operativ entfernt und anschließend werden die Organe neu miteinander verbunden.

Beide Operationen haben zur Folge, dass nicht mehr so viel Nahrung wie zuvor aufgenommen werden kann und somit die Kalorienzufuhr teils drastisch sinkt. Viele Patienten verlieren bereits kurze Zeit nach dem Eingriff massiv an Gewicht. Aber auch andere Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes Typ 2 beispielsweise bessern sich oder verschwinden ganz.

Magenverkleinerung macht Kompensation negativer Gefühle durch Essen unmöglich

Fakt ist jedoch: Eine bariatrische Operation verkleinert zwar den Magen der Betroffenen, beeinflusst aber nicht die Lust am Essen. Zudem sind viele Menschen vor allem deswegen übergewichtig, weil sie negative Gefühle wie Traurigkeit und Einsamkeit, aber auch Stress durch Essen kompensieren. Nach einer Magenverkleinerung fällt dieser Kompensationsmechanismus flach. Schlicht, weil der Magen nicht mehr in der Lage ist, größere Mengen Essen aufzunehmen. Dadurch erhöht sich das Risiko für psychische Probleme und auch die Suizidrate steigt.

Nach Magenverkleinerung steigt die Suizidrate

Einer Studie zufolge ist die Suizidrate bei Patienten mit einem Magenband oder Magenbypass zehnmal so hoch wie bei nicht operierten Menschen mit ähnlichem Gewicht, erklärt Endokrinologe Jens Aberle im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Durch die Operationen wird das Essen als Kompensationsmechanismus für Frustrationserlebnisse deutlich erschwert". erklärt der Experte. Nicht wenige Menschen entwickeln nach einer Magenverkleinerung daher Süchte, wie etwa eine Kauf-, Spiel- oder Alkoholsucht.

Die Entwicklung einer Alkoholsucht kann durch die veränderte Alkoholwirkung nach der Magenoperation erklärt werden. So ist die Wirkung von Alkohol nach einer Magenverkleinerung stärker, weil der Alkohol schneller aufgenommen wird. Außerdem hält sie länger an, was die Betroffenen als "Alkoholkick" empfinden können. Wird dieses Gefühl des schnellen Betrunkenseins durch kleinste Mengen Alkohol als angenehm empfunden, kann dies die Entwicklung einer Alkoholsucht begünstigen.

Psychologische Beratung vor und nach bariatrischer Operation sinnvoll

Das erklärt, warum eine psychologische Beratung vor einer Magenverkleinerung Pflicht ist. So wird auch immer wieder Patienten von einer bariatrischen Operation abgeraten, wenn sie beispielsweise schon vor dem Eingriff unter Depressionen leiden oder psychisch instabil sind.

Ärzte raten aber dazu, Patienten nicht nur vor einer geplanten Magenverkleinerung, sondern generell auch nach dem Eingriff psychologisch zu betreuen. So können Menschen während einer Verhaltenstherapie beispielsweise neue Strategien lernen, um negative Gefühle zu kompensieren und Frust abzubauen.