Cold Case: Amy verschwand vor 15 Jahren

Anonymer Brief verrät, wo Amy begraben sein soll - Privatermittler: Deshalb melden sich Täter bei Opferfamilien

Vermisste Amy
Die Irin Amy verschwand vor 15 Jahren in Spanien.
privat

von Denise Kylla

Was ist mit Amy Fitzpatrick passiert? Diese Frage lässt die Familie der Irin seit 15 Jahren nicht los. Die damals 15-Jährige verschwand im Spanienurlaub spurlos. Dann die Wende: Vergangene Woche erhielt die Tante des Mädchens einen anonymen Brief. Darin beschreibt ein Unbekannter den Ort, an dem Amys Leiche vergraben sein soll. Warum meldet sich ein Mitwisser oder sogar der Täter so viele Jahre nach dem Vorfall? Im Interview mit RTL schätzt der private Ermittler Mario Arndt die Situation ein.

Cold Case Amy Fitzpatrick - auch Verwandte kommen als Täter infrage

Im Brief wird behauptet, dass die Überreste des Teenagers an einer alten Pferderennbahn in der Stadt Fuengirola (Spanien) vergraben seien. Im fünften Stall, im fünften Block, neben dem Wassertank. Die Rennbahn soll nur zehn Minuten von dem Ort entfernt sein, an dem Amy als 15-Jährige verschwand, das berichtete das irische Nachrichtenportal „Mirror“. Das Mädchen war am Neujahrstag auf dem Weg nach Hause, als sich ihre Spur für immer verlor.

Wenn Menschen vermisst werden, könne es dafür viele Gründe geben, erklärt der private Ermittler Mario Arndt. „Neben dem freiwilligen Verlassen der gewohnten Umgebung (aus welchen Gründen auch immer), kann ein Suizid vorliegen, ein Tötungsdelikt oder ein Unfall. Aber auch eine Entführung muss in Betracht gezogen werden“, sagt er. Die erste Aufgabe der Polizei sei es, diese Optionen auszuleuchten.

Amys Familie geht bis heute von einem Tötungsdelikt aus. Besonders der Brief, der die Familie kürzlich erreicht haben soll, bestärkte sie in der Annahme. Arndt könne das durchaus nachvollziehen – vielleicht gebe es auch Hinweise in den Akten. Die liegen dem Ermittler jedoch nicht vor. Auf der anderen Seite gibt er zu bedenken: „Über 90 Prozent aller Tötungsdelikte sind Beziehungstaten. Das heißt, dass Täter und Opfer in irgendeiner Beziehung zueinander standen. Daher wird grundsätzlich natürlich das gesamte Umfeld der vermissten Person ausgeleuchtet.“ Für gewöhnlich würden Ermittler allerdings schnell fündig, wenn sich der Täter im nahen Umfeld befinde. Das ist hier nicht der Fall. Bis heute tappt die Polizei im Dunkeln – Amy Fitzpatrick wurde zum Cold Case.

Wenn keine Beziehung zwischen Opfer und Täter bestehe, würden sich die Ermittlungen schwieriger gestalten. „In solchen Fällen ist die tatsächliche objektive Spurenlage am Tatort oder dem Auffindeort des Opfers von entscheidender Bedeutung“, so Arndt. Könnte die Pferderennbahn der Schlüssel sein?

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Tante der verschwundenen Amy hofft auf neue Ermittlungen

Amys Fitzpatricks Tante Christine
Amys Tante Christine kämpft dafür, dass die spanische Polizei den Fall wieder aufnimmt.
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Unterdessen kämpft Amys Tante Christine dafür, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden. Doch die spanische Polizei ist trotz des Briefs und den darin enthaltenen Hinweisen nicht dazu bereit, die stillgelegte Pferderennbahn zu durchsuchen. Mario Arndt weist daraufhin, dass es durchaus sein könnte, dass bereits ermittelt werde, die Familie allerdings nicht informiert wird.

Ohnehin gelten Verwandte aufgrund ihrer emotionalen Bindung nicht als die besten Zeugen. „Das heißt natürlich, dass es sehr subjektiv eingefärbte Aussagen und Ansichten der Verwandten gibt. Das ist normal und muss durch die Ermittler natürlich beachtet werden“, erklärt der private Ermittler. Außerdem müsse man bedenken, dass ein Verwandter auch immer noch der mögliche Täter sein könnte, wenn es sich dann um ein Verbrechen oder Ähnliches handle.

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Fall Amy Fitzpatrick: Warum schickt ein Mitwisser oder Täter einen Brief?

Man kennt die Geschichte aus Krimis und Thrillern: Der Täter kehrt an den Tatort zurück. Laut Mario Arndt, ist das auch in der Realität oft der Fall. „So schrecklich das klingt, aber auch ein Täter muss mit seiner Tat leben. In nicht wenigen Fällen ist das für den Täter eine sehr große psychische Belastung“, sagt der private Ermittler. Deshalb würden einige an Tatorte zurückkehren oder gar die Gräber ihrer Opfer besuchen, um sich zu entschuldigen. „Und so gibt es auch Täter, die per Brief an die Opferfamilien herantreten, um sich zu ‘entlasten’.“ Ob der Brief, der Amys Tante erreichte tatsächlich von dem Täter stammt, das ist bisher nicht bekannt.

Auf der anderen Seite müssen man aber auch in Betracht ziehen, dass es sich bei dem Absender des Briefes um einen Trittbrettfahrer handeln könnte. Genau das müsse jetzt die Polizei ermitteln. Wenn die nicht dazu bereit sei, an der Pferderennbahn zu graben, empfiehlt Arndt, privat tätig zu werden.

Hier finden Sie Hilfe in schwierigen Situationen

Sollten Sie selbst von Suizidgedanken betroffen sein, suchen Sie sich bitte umgehend
Hilfe. Versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.
Wenn Sie schnell Hilfe brauchen, dann finden Sie unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.