Einige Quadratmeter selbstbestimmtes Leben

Verein baut Unterkünfte für Obdachlose: Über 100 Wohnungslosen konnte schon geholfen werden

23. Dezember 2019 - 15:47 Uhr

Von Linda Kotterba und Finn Tönjes

Abseits einer Bundesstraße stehen in Köln kleine Holz-Häuschen. Erbaut von Sven Lüdecke und Helfern vom Verein Little Home. Einem Verein, der wohnungslosen Menschen ein Stück weit Normalität und Unabhängigkeit ermöglichen will. Auf wenige Quadratmeter verteilt, haben sie endlich wieder einen Platz, ein festes Zuhause. Im Video sehen Sie wie ein solches Häuschen gebaut wird und was ein solches Häuschen für einen Bewohner bedeutet!

„Jetzt musst du etwas machen!“

Die Idee für den Verein hatte Sven von drei Jahren. 2016 sah er, wie eine Obdachlose an einem Bahnhof gewaltsam fortgeschickt wurde. Das war der erste Berührungspunkt, sagt er. "Ich habe mich eingemischt und die Frau auf einen Kaffee eingeladen." Kurz darauf steigt er in den Zug, um zu seinem Job zu fahren und der Gedanke kommt ihm: "Verdammter Mist, jetzt kannst du nicht mehr weggucken, jetzt musst du etwas machen!" Und seitdem guckt er nicht mehr weg und seitdem macht er etwas – indem er Unterkünfte für Wohnungslose baut.

Little Homes bundesweit

Nicht nur in Köln finden sich die kleinen Häuschen. Unter anderem in Berlin, Hamburg und Nürnberg sind sie zu finden. Über 100 Wohnungslose haben durch den Einsatz von Little Home ein Dach über dem Kopf. Die Häuser zeigen Wirkung. Viele Obdachlose finden durch ihre neue Zuflucht den Mut, aktiv an ihrer Situation etwas verbessern zu wollen. So hat Sven schon mehr als 40 Menschen dabei geholfen, dass sie wieder einen Job gefunden haben.

Gelbe Karte, Rote Karte

Wer ein Little Home bekommt, finden Sven und seine Mithelfer durch "Bewerbungsgespräche" heraus. Im persönlichen Gespräch wollen sie die Person kennenlernen, die gern in eines der Häuschen ziehen möchte. Der Verein entscheidet nach Bauchgefühl, ob er sich vorstellen kann, dem/der Obdachlosen ein Little Home zu überlassen.

Wenn sich ein Bewohner nicht an Regeln hält oder sich nicht ausreichend um sein kleines Zuhause kümmert, ermahnt ihn Sven. Dafür macht er es wie beim Fußball: Beim ersten Verstoß gibt es eine gelbe Karte, die ans Haus geklebt wird. Wenn sich die Missstände im Little Home innerhalb von zwei Wochen nicht bessern, gibt es die rote Karte – und das Zuhause wird von Sven und seinen Mitarbeitern wieder einkassiert.

Denn seine Arbeit ist zwar kostenlos, aber sie soll nicht umsonst sein.

Ein Tag für ein Häuschen

Das handwerkliche Geschick musste sich Sven erst antrainieren. "Für das erste Haus habe ich zwei Monate gebraucht", sagt Sven lachend: "Ich habe viele Baufehler gemacht, die ausbessern musste." Mittlerweile ist er im Bauen geübt. Mit 10 Helfern schaffen sie es, innerhalb eines Tages ein Haus zu bauen.

Little Home e.V. finanziert sich ausschließlich über Spenden. Wenn Sie den Verein finanziell unterstützen wollen, können Sie an das Konto DE86 3705 0198 1934 1151 38 überweisen oder über PayPal Spendenkonto unter www.paypal.me/littlehomekoeln