Johannes Haller macht Urlaub, Yeliz Koc leidet zu Hause

Trennungsschmerz: Sind Männer und Frauen wirklich so verschieden?

Frauen heulen wochenlang, Männer lenken sich ab: Ein Klischee oder nach einer Trennung die Realität?
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06. Januar 2020 - 20:26 Uhr

Paarberaterin ist sicher: Bei Liebeskummer gibt es Unterschiede

Beim "Bachelor in Paradise"-Paar Yeliz Koc und Johannes Haller ist endgültig alles aus. Und während er Johannes in den Urlaub in Südafrika flüchtet, durchlebt Yeliz zu Hause eine schwere Phase der Trauer. Der Mann sucht die schnelle Ablenkung, die Frau suhlt sich im Liebeskummer – ist das ein Klischee, oder gehen wir wirklich so unterschiedlich mit dem Trennungsschmerz um? Paarberaterin Silvia Fauck weiß es und gibt Tipps, wie man nach dem Ende einer Beziehung wieder auf die Beine kommt.

Frauen: Trauer und Gesprächsbedarf

"Wenn man sich trennt, ist das auch eine Ablösung. Auch wenn die Liebe nicht mehr da ist, fehlt der Mensch, der Partner, mit dem man eine lange Zeit verbracht hat", so Fauck, die Menschen sowohl in als auch nach einer Beziehung betreut. Für sie ist bei der Verarbeitung der Trennung allerdings eindeutig ein Unterschied zwischen den Geschlechtern erkennbar.

"Eine Frau fällt in der Regel erst mal tief in ihre Trauer, verkriecht sich, hat einen ganz großen Gesprächsbedarf mit den Eltern oder Freunden." An anderen Männern hätten ihre weiblichen Klienten meist überhaupt kein Interesse. "Da heißt es oft: 'Jetzt alles, nur keinen neuen Typen. Ich will erst mal seelisch gesund werden.' Und dann ist eine Frau eventuell bereit für etwas Neues."

Im Video: So verarbeitet Yeliz die offizielle Trennung von Johannes

Männer: Verdrängung und Ablenkung

Männer finden nach der Trennung laut Fauck sehr schnell Ablenkung. Das bedeute aber nicht, dass sie nicht leiden. "Sie erzählen es nur keinem. Meist auch nicht dem besten Freund." Stattdessen könnten sie schlecht alleine sein, und oft gebe es schnell eine neue Frau in ihrem Leben. Doch neue Beziehungen direkt nach der Trennung würden oft nur "dem Trost und der Überbrückung" dienen. Das Selbstwertgefühl werde durch die neue Freundin, die den Mann bewundert, wieder aufgebaut. Die Paartherapeutin gibt zu bedenken: "Es ist selten, dass das lange hält. Wenn ein Mann sich am Anfang sehr stark ablenkt, dann kommt nach ein paar Monaten trotzdem die Trauer und haut ihn um."

Trennungsschmerz richtig verarbeiten: Tipps für Mann UND Frau

  • Genug Zeit für die Trauer

"Ein Rezept gegen Trennungsschmerz gibt es nicht. Jeder, der das sagt, lügt oder hat noch nie eine schlimme Trennung durchlebt." Das Wichtigste in der Zeit danach ist laut Fauck: "Trauer zulassen. Jeder, der geliebt hat, verlassen wird oder sich trennt, ist in Trauer. Das ist anstrengend und nimmt jegliche Energie." Wie lange diese Phase dauert, ist laut der Expertin genau so individuell wie die zerbrochene Beziehung selbst. Wer lernt, mit sich selber Geduld zu haben und sich Schritt für Schritt kleine Ziele sucht, sei jedoch auf dem richtigen Weg.

  • Ablenkung hilft nur kurzfristig

Sich durch Reisen, Party oder Flirts abzulenken, mag auf den ersten Blick helfen, aber Fauck warnt: "Die Trauer kann man verdrängen, aber sie kommt wieder. Man hat diesen Rucksack der Sorgen, der Enttäuschung, des Alleinseins dabei." Gerade, wer überstürzt Urlaub macht, könnte damit auf die Nase fallen: "Dann empfindet man den Schmerz eventuell noch stärker als zu Hause im eigenen Nest. Im Urlaub erlebt man schöne Dinge, und es wird einem bewusst: 'Ich bin alleine'. Denn das Schöne möchte man zu zweit erleben."

Und auch, wenn der Verdrängungsmechanismus wirkt: Spätestens, wenn der Alltag wieder das Ruder übernimmt, muss man sich laut der Paarberaterin erneut mit seinen Gefühlen auseinandersetzen.

  • Struktur wiederfinden

Wenn die erste Trauer vorbei ist, ist es wichtig, schnell wieder reguläre Abläufe zu erleben. "Sprich: Ich gehe wieder ordentlich arbeiten, ich versuche, dreimal am Tag was Ordentliches zu essen. Vielleicht gehe ich zweimal in der Woche spazieren oder laufe jeden Abend einmal um den Block. Man muss auf sich aufpassen und das machen, was einem guttut." Auch eine halbe Flasche Wein am Abend oder wieder mit dem Rauchen anzufangen, ist laut der Beraterin für einen gewissen Zeitraum erlaubt: "Alles, was hilft, erleichtert das Ganze."

  • Hilfe von außen holen

Bei richtig schlimmem Liebeskummer leidet nicht nur die Seele, sondern auch der Körper. Die Symptome können sich laut Fauck von Migräneanfällen über eine Depression sogar bis hin zu einem Herzinfarkt durch das sogenannte "Broken-Heart-Syndrom" erstrecken. "Jeder dritte Patient von mir braucht neben der Beratung auch medizinische Hilfe."

Ganz wichtig sei deshalb: Wer nach einer Phase von etwa sechs Wochen immer noch extrem leidet, nicht richtig schlafen oder essen kann, sollte sich Hilfe von außen holen. Dauerhaft nur mit der Familie oder Freunden darüber zu sprechen, sei nicht die Lösung: "Diese Gespräche drehen sich nach ein paar Wochen im Kreis, weil das Menschen sind, die uns lieben und uns nicht wehtun wollen." Ein Coach hingegen könne die Situation von außen betrachten und bessere, wertfreie Tipps geben.

Erste Hilfe nach der Trennung

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