Leukämiekranke in der Corona-Pandemie

Verzweifelter Hilferuf: Lasst euch als Stammzellspender typisieren!

Ein Stammzellspender liegt im Institut für Transfusionsmedizin in Chemnitz. Foto: Hendrik Schmidt
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26. November 2020 - 13:32 Uhr

Tausende Patienten hoffen auf Spender

Es ist oft eine fatale Diagnose: Leukämie. Allein in Niedersachsen warten laut Norddeutschem Knochenmark- und Stammzellspender-Register (NKR) 47 Blutkrebspatienten verzweifelt auf einen geeigneten Spender – darunter fünf Kinder ab einem Alter von sechs Wochen. Deutschlandweit sind es 1184 Patienten. Ihre einzige Chance auf Überleben ist eine Stammzellspende. Die Suche nach einem geeigneten Spender gleicht schon in normalen Zeiten der Nadel im Heuhaufen. Die Corona-Pandemie macht die Lage für Leukämie-Patienten noch einmal deutlich schwieriger.

Öffentliche Typisierungsaktionen sind nicht mehr möglich

Die Corona-Pandemie hat öffentliche Typisierungsaktionen unmöglich gemacht. "Das ist tragisch, denn Leukämie und ähnliche Krankheiten fordern ständig ihren tödlichen Tribut, und wir kämpfen verzweifelt dagegen an", so die Geschäftsführerin des Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Registers (NKR), Marlena Robin-Winn, gegenüber der dpa. Stattdessen versuchen Organisationen, die Aktionen in den virtuellen Raum zu verlegen und potenzielle Spender über soziale Medien zu erreichen. Doch viele halten sich zurück, wollen für eine Typisierung nicht ins Krankenhaus gehen.

Die Typisierung funktioniert aber auch von zuhause aus. Wer sich als Spender registrieren lassen will, kann sich ein Typisierungsset zuschicken lassen. Der Test erfolgt per Abstrich mit einem Wattestäbchen an der Innenseite der Wange. Stammzellen spenden kann jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren.

So können Sie sich typisieren lassen.

Besondere Herausforderung: Menschen mit Migrationshintergrund

Laut DKMS finden heute neun von zehn Erkrankten in Deutschland einen passenden Spender. Die Suche ist allerdings immer noch schwierig. Bei einer Stammzellenspende kommt es auf die sogenannten HLA-Merkmale an, die das körpereigene Gewebe vom Fremden unterscheiden. Um als Spender in Frage zu kommen, braucht es eine nahezu 100-prozentige Übereinstimmung. Viele Patienten warten laut NKR schon über ein Jahr auf ihre Transplantation, manche bis zu zwei Jahre. Patienten und Angehörige seien in einer Warteschleife, die auch psychisch an die Belastungsgrenze führe. "Die Corona-Krise hat die Situation noch verschlechtert", sagt Robin-Winn. "Es ist sehr schwer."

Besonders kompliziert sei die Situation für Menschen mit Migrationshintergrund. "Gerade für diese Betroffenen finden wir in deutschen Registern sehr wenige potenzielle Spender und müssen daher vermehrt Anfragen an das Ausland stellen", so die Ärztin. Das aber sei wegen internationaler Beschränkungen schwierig.

DPA / RTL.de