Erinnerungen vor dem 'ausgefallenen' deutschen Klassiker

Legendäre Duelle zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund

Bayern München - Robert Lewandowski
© dpa, Matthias Balk, mbk nic

03. April 2020 - 15:48 Uhr

Spitzenspiel in der 1 .Bundesliga und niemand kann hin

Der deutsche "El Clasico" – am Samstag wäre er wieder zur Aufführung gekommen. Dortmund gegen Bayern, das sind die beiden Schwergewichte des deutschen Fußballs. Leider fällt das 124. Duell (Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League, Super-Cup) vorerst dem Corona-Virus zum Opfer. Fünf von vielen legendären Partien wollen wir Ihnen in Erinnerung rufen.

27. November 1971, 16. Spieltag: Bayern – BVB 11:1

Jürgen Rynio im Tor des BVB erlebte sein persönliches Albtraum-Spiel. 11 Mal musste er hinter sich greifen, allein in den letzten 7 Minuten bekam er drei Tore eingeschenkt. Der FC Bayern spielte vor 17.000 Zuschauern an der Grünwalder Straße, der damaligen Heimstätte, groß auf.

Viermal Gerd Müller, jeweils zweimal Uli Hoeneß und Franz "Bulle" Roth, dazu Franz Beckenbauer, Paul Breitner und Wilhelm Hoffmann waren als Torschützen verantwortlich für das Desaster der Dortmunder. Bis heute ist das 11:1 der höchste Bundesliga-Sieg der Münchner, am Saisonende lösten die Bayern Borussia Mönchengladbach als Deutscher Meister ab, Borussia Dortmund musste den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten.

3. April 1999, 24. Spieltag: BVB – Bayern 2:2

Heiko Herrlich (Borussia Dortmund) und Oliver Kahn (FC Bayern)
Heiko Herrlich (Borussia Dortmund) und Oliver Kahn (FC Bayern)
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Allein Oliver Kahn machte dieses Spiel zu einem Ereignis. Die Emotionen damals im brodelnden Hexenkessel Westfalenstadion kochten über: 2:0 führte der BVB durch zwei Tore von Heiko Herrlich bereits nach 32 Minuten, danach flog auch noch Bayerns Sammy Kuffour vom Platz. Kahn, ohnehin geladen, weil er nach 736 Minuten wieder ein Gegentor kassiert hatte, wollte die drohende Niederlage nicht kampflos hinnehmen, stand vor dem Kontrollverlust.

Der berüchtigte "Vul-Kahn" explodierte: Zunächst knabberte er nach einem Mini-Rempler am Hals des zweifachen Torschützen Heiko Herrlich. Kahn, der Vampir! Wenig später rauschte er mit gestrecktem Bein auf BVB-Angreifer Stephane Chapuisat zu. Kahn, der Kung-Fu-Kämpfer!

Titan Kahn, damals 29 Jahre alt, hatte seine Mannschaft aber offenbar aufgerüttelt. Alexander Zickler und Carsten Jancker trafen zum 2:2, und Oliver Kahn hielt in der Schlussphase noch einen Elfmeter von Lars Ricken – vor der Südtribüne.

7. April 2001, 28. Spieltag: BVB- Bayern 1:1

Stefan Effenberg (FC Bayern) und Schiedsrichter Hartmut Strampe
Stefan Effenberg (FC Bayern) und Schiedsrichter Hartmut Strampe
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Der Hauptdarsteller dieser Auseinandersetzung ist Schiedsrichter Hartmut Strampe. Nach der frühen Bayern-Führung durch Roque Santa Cruz, ging auf dem Rasen das Treten und Provozieren los. Der Unparteiische verteilte 10 (!) Gelbe  Karten, eine Gelb-Rote (Lizarazu, 35.) und zwei Rote Karten (Effenberg 55., Evanilson 90.). Dortmund nutzte die Überzahl noch zum 1:1-Ausgleich durch Fredi Bobic.

Schiri Strampe hatte sich auf Schwerstarbeit eingestellt, er hatte bereits das Hinspiel gepfiffen. Doch dass beide Teams das "Karten-Ergebnis" noch steigern würden, damit hatte er wohl nicht gerechnet. Schon im Hinspiel beim 6:2-Heimsieg der Bayern hatte derselbe Schiri Strampe in München 8x Gelb und 1x Gelb-Rot gezeigt.

12. Mai 2012, DFB-Pokalfinale: BVB-Bayern 5:2

Bastian Schweinsteiger (FC Bayern) und Shinji Kagawa (Borussia Dortmund)
Bastian Schweinsteiger (FC Bayern) und Shinji Kagawa (Borussia Dortmund) beim DFB-Pokal-Finale 2012 in Berlin
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Berlin war eine einzige schwarz-gelbe Party-Stadt. Die Bayern bekamen an diesem 12. Mai eine richtige Packung – und das in einem DFB–Pokalfinale. 75.000 trauten ihren Augen nicht, der BVB und Jürgen Klopp legten ihre Meisterprüfung ab. Souverän mit acht Punkten Vorsprung hatten sie die 8. Deutsche Meisterschaft für Borussia Dortmund geholt und dann verprügelten sie noch die Konkurrenz aus München mit 5:2. Der überragende Robert Lewandowski mit 3 Toren, Shinji Kagawa und Mats Hummels sorgten für das erste Double der Vereinsgeschichte.

"Das Pokalfinale ist für mich bis heute das emotionalste Spiel, das ich beim BVB erlebt habe. Aber es war auch das Spiel, das uns dann die größten Schwierigkeiten gemacht hat", schreibt BVB-Boss Hans-Joachim Watzke in seinem Buch "Echte Liebe". Denn nach dieser Machtdemonstration begannen die Bayern, die BVB-Stars zu jagen.

"Ich hatte erwartet, dass sie an unsere Spieler rangehen", fuhr Watzke fort. "Aber ich habe nicht geglaubt, dass sie es in dieser Massivität machen. Es waren ja nicht nur Robert Lewandowski und Mario Götze. Bei den beiden wurde es damals nur sichtbar. Es waren dann aber auch noch zwei, drei andere Spieler, die dann aber standhaft geblieben sind. Mats Hummels wollten die Bayern auch schon  damals, und den ein oder anderen noch zusätzlich."

25.Mai 2013, Champions League-Finale: Bayern-BVB 2:1

Jupp Heynckes (FC Bayern) und Jürgen Klopp (Borussia Dortmund)
Jupp Heynckes (FC Bayern) und Jürgen Klopp (Borussia Dortmund) beim Champions-League-Finale 2013 in London
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Zwei deutsche Mannschaften im Finale der Königsklasse – das gab es noch nie! Die Bayern hatten im Halbfinale den FC Barcelona ausgeschaltet, der BVB Real Madrid. Beeindruckender hätte der deutsche Vereinsfußball seine damalige Klasse nicht demonstrieren können.

86.000 Zuschauer im Wembley-Stadion sahen ein attraktives und abwechslungsreiches Finale. Nach Treffern von Mario Mandzukic(60.) und Ilkay Gündogan per Elfmeter (68.) stand es 1:1, dann kam die 89. Minute und der Moment des Arjen Robben. Der Niederländer bugsierte den Ball irgendwie an Keeper Roman Weidenfeller vorbei und wurde zum Helden von Wembley, er  bescherte den Münchnern den insgesamt 5. Königsklassen-Titel.

"Wir wussten, dass wir dieses Spiel nicht verlieren dürfen", sagte Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge hinterher. "Es hatte so eine überragende Bedeutung für den Klub, für unsere Fans, für unsere Zukunft. Wenn wir dieses Finale verloren hätten, hätten wir uns davon auch erst mal erholen müssen. So haben wir daraus Kraft geschöpft – und die Party danach war die beste Party überhaupt."

BVB-Trainer Jürgen Klopp dagegen erlebte seine größte Niederlage mit Dortmund.