Hätte Katastrophe verhindert werden können?

Landesamts für Umwelt: Kreis Ahrweiler wurde doch vor Flut gewarnt

Mayschoss ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Altenahr an. Hier hat das Hochwasser extrem gewütet.
Mayschoss ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Altenahr an. Hier hat das Hochwasser extrem gewütet.
© imago images/Reichwein, Christoph Reichwein (crei) via www.imago-images.de, www.imago-images.de

30. Juli 2021 - 19:57 Uhr

Krisenstab reagierte nicht schnell genug

Der Krisenstab des Landkreises Ahrweiler soll angeblich doch vor der verheerenden Flutkatastrophe in der Nacht zum 15. Juli gewarnt worden sein. Die Kreisverwaltung habe im Laufe des Abends mehrere automatisierte E-Mails des Landesamts für Umwelt erhalten, das erfuhr die FAZ von einem Sprecher des Landesamts.

Landesamt für Umwelt warnte vor dem hohen Pegelstand

Das Landesamt für Umwelt habe demnach bereits am Nachmittag des 14. Julis seine Prognosen veröffentlicht, darunter auch den Pegelstand von rund sieben Metern. Dennoch wurde im Kreis Ahrweiler bis zum späten Abend kein Katastrophenfall ausgerufen oder eine Evakuierung eingeleitet.

Wie es bei der FAZ heißt, habe das Landesamt am frühen Abend einen etwas reduzierten Pegelstand prognostiziert. Darauf hatte sich zuletzt der Landrat des Kreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler, berufen und als Erklärung genannt, warum es zunächst keine Evakuierung gab. Der CDU-Politiker ist für den Katastrophenschutz verantwortlich.

Das Landesamt änderte seine Prognose aber wieder schnell und informierte laut FAZ um 21:26 Uhr die Kreisverwaltung direkt darüber.

Der Katastrophenfall wurde dennoch erst gegen 23 Uhr ausgerufen und dann auch eine Teil-Evakuierung angeordnet. Zu diesem Zeitpunkt war der Wasserstand allerdings schon viel zu hoch.

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Auch der Bürgermeister der von der Unwetterkatastrophe stark betroffenen Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler hatte den Krisenstab zuvor öffentlich kritisiert und ihm unter anderem mangelnde Koordination vorgeworfen. In einem Interview der "Rhein-Zeitung" (Freitag) sagte Guido Orthen (CDU): "Was allerdings die operative Arbeit des Krisenstabes, die Koordination der Hilfsorganisationen und so weiter angeht, haben wir bis heute starken Verbesserungsbedarf."

So sei die Forderung der Stadt nach einer "unmittelbaren Verbindungsperson" im Krisenstab bislang nicht erfüllt worden. Alles Wesentliche, was funktioniere, sei "eigeninitiativ und unter dem Radar des Krisenstabes" geschehen.

Innenminister Roger Lewentz (SPD) nahm die Arbeit des Krisenstabs hingegen in Schutz. Sicherlich ließen sich bei der großen Zahl von Einsatzkräften und ehrenamtlichen Helfern im Katastrophengebiet Beispiele finden, dass in Einzelfällen die Koordination von Einsätzen hätte besser laufen können, sagte er. Es laufe aber vieles "gut koordiniert", sagte er. "Insgesamt wird eine so große Hilfe organisiert, dass sich das sehen lassen kann." Der Leiter des Krisenstabs, Thomas Linnertz, erklärte, die Versorgung von Einsatzkräften und Helfern habe in dem Gebiet "flächendeckend" funktioniert, er könne aber nicht ausschließen, dass es örtlich auch gehakt habe.

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(dpa,jti)