Experte: "Weiteres Opfer der vielen Hochgeschwindigkeitsfähren"

Junger Wal vor La Gomera getötet - vermutlich von Fähre zerteilt

Zerteilter Pottwal vor den Kanaren geborgen
Zerteilter Pottwal vor den Kanaren geborgen
© dpa, Fabian Ritter, flm

13. November 2021 - 12:46 Uhr

La Gomera: Zerteilter Pottwal geborgen

Vor der Kanaren-Insel La Gomera ist ein in der Mitte zerteilter Pottwal-Kadaver geborgen worden. Das junge Tier sei mutmaßlich "ein weiteres Opfer der vielen Hochgeschwindigkeitsfähren, welche die Kanarischen Inseln miteinander verbinden", sagte Fabian Ritter, Meeresschutzexperte der Organisation Whale and Dolphin Conservation (WDC).

Tierschützer fordern Konsequenzen

Pottwal tot aus Meer geborgen
Hier wird der tote Pottwal aus dem Meer geborgen

Ritter, der auch wissenschaftlicher Leiter des Berliner Vereins M.E.E.R ist, betonte: "Es gibt keine andere Erklärung für einen zweigeteilten Wal, als dass er von den scharfen Rümpfen der Fähren erfasst wurde." Die Ermittlung der Todesursache werde zwar "noch eine ganze Weile dauern". Die Verantwortlichkeit müsse aber "dringend geklärt werden".

Die "entscheidende Frage" sei, ob der Wal bereits tot war, als er überfahren wurde "oder ob die Kollision mit einem Schiffsrumpf zum Tod geführt hat." Die Statistik sage, "dass es wahrscheinlicher ist, dass der Wal durch eine Schiffskollision ums Leben kam".

Das reglos an der Oberfläche treibende Tier sei circa zwei Seemeilen vor der Küste entfernt bei einer Walbeobachtungstour gesichtet worden. Für Untersuchungen sei es über und unter Wasser fotografiert worden. Zudem seien Fett- und Hautproben entnommen worden.

Wale werden regelmäßig überfahren

Der zu Spanien gehörende Inselarchipel vor der Westküste Afrikas gilt als einer der wichtigsten und artenreichsten Lebensräume für Delfine und Wale im Nordatlantik. Insgesamt 30 Arten wurden hier laut WDC schon dokumentiert, 24 davon vor La Gomera - das sei "Europarekord".

Es komme dort "regelmäßig" vor, dass Wale von schnellen Schiffen überfahren werden. Fast 100 Fälle seien allein für die Kanaren erfasst worden, die Dunkelziffer sei aber vermutlich sehr hoch.

Junge, unerfahrene Pottwale seien besonders gefährdet. Studien hätten gezeigt, dass die Pottwal-Population auf den Kanaren vom Aussterben bedroht sei, wenn diese Gefahr nicht gemindert werde. Die Tierschützer empfehlen, dass dazu die Geschwindigkeit der Fähren reduziert wird und Meeresschutzgebiete gemieden werden.(uvo; dpa)