Das sollten Sie tun

Kreuzallergien: Plötzlich allergisch gegen Obst und Gemüse?

Es geht schon wieder los! Vor allem Pollenallergiker kommen im Frühling auf ihre Kosten...
Es geht schon wieder los! Vor allem Pollenallergiker kommen im Frühling auf ihre Kosten...
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27. April 2022 - 12:03 Uhr

von Johanna Luda

Die Pollen fliegen wieder! Gerade jetzt in der Pollensaison haben viele Menschen mit juckenden Augen oder einer laufenden Nase zu kämpfen. Doch plötzlich kratzen auch einzelne Obst- und Gemüsesorten im Hals? Oft treten zu den gewohnten Allergieauslösern Kreuzallergien auf. Doch was ist überhaupt eine Kreuzallergie, und wie entsteht sie? Welche Kreuzallergien typisch sind und wie Sie mit diesen am besten umgehen, erklärt Prof. Dr. med. Mark Jakob, HNO-Arzt und Allergologe aus Köln.

So entstehen Kreuzallergien

Vorab erklärt Dr. Jakob, was eine Allergie überhaupt ist: Eine Allergie ist eine überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems auf harmlose Umweltstoffe.

Eine Kreuzallergie entsteht dann, wenn ein anderes Allergen eine ähnliche Proteinstruktur wie das eigentlich auslösende Allergen besitzt. Dadurch, dass der Körper immer wieder in Kontakt mit dem Kreuzallergen kommt, erkennt er die Ähnlichkeit zum Hauptallergen. Viele Stoffe in der Umwelt haben eine ähnliche Proteinstruktur – der Körper reagiert also ähnlich, obwohl er eigentlich keine Allergie gegen den Stoff hat.

Typische Kreuzallergien bestehen zwischen:

  • Pollen und Nahrungsmitteln: z.B. zwischen Birke und Kernobst / Steinobst oder zwischen Hasel und Nüssen
  • Hausstaubmilben und Nahrungsmitteln: z.B. zwischen Hausstaub und Shrimps bzw. Schalentieren
  • verschiedenen Pollenarten: z.B. zwischen Birke und Pflanzenfamilien wie beispielsweise Buche, Eiche, Erle oder Hasel

Das Immunsystem ist laut Jakob ein lernendes System. Deshalb entwickeln wir schon im Kindes- und Jugendalter Allergien. Die Kreuzallergien entwickeln sich meistens erst im Laufe der Zeit.

In der Allergiezeit ist das Immunsystem in Alarm-Bereitschaft und reagiert dadurch auch auf die Kreuzallergene. So kann es sein, dass außerhalb der Allergiezeit keine Symptome beim Kontakt mit dem Kreuzallergen auftreten.

Wie ausgeprägt eine Kreuzallergie ist, unterscheidet sich laut dem Allergieexperten von Mensch zu Mensch. Während der eine in der Allergiezeit ein Nahrungsmittel gar nicht essen kann, hat der andere nur ein leichtes Kratzen im Hals.

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Prof. Dr. med. Mark Jakob, HNO-Arzt und Allergologe aus Köln
Prof. Dr. med. Mark Jakob, HNO-Arzt und Allergologe aus Köln
© Mark Jakob, Prof. Dr. med. Mark Jakob

Das sind die Symptome

Die Symptome der führenden Allergien und Kreuzallergien treten im Allgemeinen überall auf, wo Schleimhäute sind und können sich hierbei überschneiden. Das Hauptallergen löst häufig Symptome aus wie:

  • Mundschwellungen, Jucken im Mund und Rachenraum, Zungenschwellung, Heiserkeit oder auch Asthmaanfälle
  • Quaddeln, Rötungen oder Jucken der Haut
  • Magenkrämpfe, Erbrechen oder Beschwerden im Darmbereich wie z.B. Durchfall

Bei Kreuzallergie treten die Symptome hauptsächlich im Mund und Rachenraum sowie in der Lunge oder auf der Haut auf.

Lese-Tipp: Allergietest online: Habe ich eine Allergie?

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Das sollten Sie bei Allergien und Kreuzallergien tun

Allgemein wird zwischen Akutbehandlung und langfristiger Behandlung unterschieden. Wenn gerade viel fliegt, greifen viele Menschen zu Allergietabletten und verzichten auf die allergieauslösenden Lebensmittel.

Tipp: Wer nicht auf Lebensmittel wie Äpfel oder Karotten verzichten möchte, kann diese einfach kochen. Die Hitze zerstört die Proteinstruktur, sodass keine allergische Reaktion mehr auftritt.

Langfristig gesehen rät Prof. Dr. med. Mark Jakob allerdings dazu, sich von einem HNO-Arzt oder Dermatologen untersuchen zu lassen. Dieser führt einen Allergietest durch und berät zu einer eventuellen Hyposensibilisierung. Allergietestungen sollten außerhalb der Allergiezeit im Oktober oder November gemacht werden. Hierbei werden die führenden Allergene herausgefunden.

Bei einer Hyposensibilisierung wird der Körper über drei Jahre in kleinen Dosen an das führende Allergen wie zum Beispiel Pollen oder Hausstaubmilben gewöhnt. Dabei lernt er nicht mehr mit einer Immunreaktion zu reagieren, wodurch auch die Kreuzallergie nachlässt. Eine Hyposensibilisierung sollte am besten so früh wie möglich beim Jugendlichen oder jungen Erwachsenen durchgeführt werden, bringt aber auch später noch sehr gute Therapieerfolge.

Achtung: Kreuzallergien sind keine Nahrungsmittelallergien oder Unverträglichkeiten. Bei diesen tritt eine andere Immunreaktion auf, weshalb es sich nicht um eine klassische Allergie handelt.

Lese-Tipp: Hyposensibilisierung: Allergien einfach "abgewöhnen"?