Bitte hab Verständnis dafür, dass wir in diesem Browser keine optimale Nutzung von RTL.de gewährleisten können. Bitte benutze einen aktuelleren Browser (z.B. Chrome, Firefox, Safari oder Edge), damit du die Seite wie gewohnt nutzen kannst.

Interview mit Meike Ista

Krankenschwester aus "Joko & Klaas Live": "Es fühlt sich so an, dass man Angehöriger und Pflegekraft gleichzeitig ist"

Meike Ista, Krankenpflegerin im Knochenmark- und Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Münster (UKM)
Meike Ista, Krankenpflegerin im Knochenmark- und Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Münster (UKM)
© Foto UKM

01. April 2021 - 19:43 Uhr

von Giulia Asbeck

"Entweder wir brauchen mehr Personal oder weniger Patienten – und eines davon können wir nicht kontrollieren."

Dieser Satz beschreibt den in Deutschland herrschenden Pflegenotstand. Sie stammen von Krankenpflegerin Meike Ista, die diesen Notstand tagtäglich zu spüren bekommt. Die 28-Jährige arbeitet als Krankenpflegerin im Knochenmark- und Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Münster (UKM). Jetzt ist sie bekannt. Bekannt als die Frau, die Deutschland einen Tag lang mit auf ihre Station nimmt.

Krankenpflegerin plötzlich bekannt

Grund dafür ist die Entscheidung von "ProSieben", ihren Moderatoren Joko und Klaas Sendezeit frei zu überlassen. Die beiden zeigten zur Primetime einen siebenstündigen Beitrag über Meike Ista und ihr Leben als Krankenpflegerin. Seit dieser Ausstrahlung steht Meikes Telefon nicht mehr still. Ein Interview mit der plötzlich berühmten Krankenpflegerin.

Woran fehlt es in der Pflege deutschlandweit?

"Definitiv ist das Thema 'Notstand' nicht seit Corona erst ein Thema. Durch die Pandemie hat es einen kleinen Aufschrei gegeben. Personalmangel ist ein riesiger Aspekt. Es kommt vieles zusammen beim Notstand der Pflege. Überall fehlt es."

Wie erlebst Du den Alltag auf deiner Station?

"Man lernt während der Corona-Pandemie die Nicht-Anwesenheit der Besucher zu kompensieren. Das ist ein großer Teil, der sich verändert hat. Manchmal fühlt es sich so an, dass man Angehöriger und Pflegekraft gleichzeitig ist. Dadurch, dass die Patienten auf meiner Station eine relativ lange Liegezeit haben, wächst man zusammen. Das ist eine Zeit, die man nur zusammen überstehen kann."

Läuft denn etwas gut in der Pflege?

"Ich glaube, dass viel gut läuft. Das darf man nicht vergessen. Krankenpfleger ist ein toller Beruf! Ich glaube, dass man in vielen Krankenhäusern tolle Ausbildungen erleben darf und viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Das sind alles Dinge, die den Beruf attraktiv machen. Besonders die Zusammenarbeit mit den Menschen ist unglaublich toll! Es ist ja auch wichtig, dass alle negativen Aspekte kommuniziert werden, aber es wird dadurch vergessen, was an dem Beruf gut ist und warum wir das alles trotzdem machen. Man kriegt ganz viel von den Patienten zurück, das macht vielen Mut und diese Situation erträglicher."

Was wünschst Du dir als Pflegekraft von der Regierung?

"Ich wünsche mir, dass all' diese Probleme angegangen werden. Dass jede Pflegekraft die Chance bekommt Patienten so zu pflegen, dass man mit einem guten Gefühl nach Hause gehen kann. Wir brauchen mehr Mitarbeiter oder weniger Patienten - und eines davon können wir nicht kontrollieren. Wir brauchen einfach mehr Personal. Gutes, langjähriges mit Erfahrung muss gehalten werden!"

Ist „ProSieben“ durch Zufall auf Dich gekommen?

"Ich habe vor einigen Wochen auf unserem Social Media Account von meinen Arbeitsalltag erzählen dürfen. Und das kam sehr gut an. So bin ich dann gefragt worden. Ich hab' relativ schnell gesagt, dass ich dabei bin."

Hättest Du mit so einem Medienecho gerechnet?

"Vielleicht bin ich zu naiv da rangegangen, aber mit so einem Ansturm hätte ich nicht gerechnet. Ich wünsche mir, dass alle gesehen haben, wie toll dieser Beruf ist – trotz der unglücklichen Umstände."

Glaubst Du, dass deine Schicht als Krankenpfleger im Fernsehen zu einem Umdenken führen wird?

"Ich hoffe, dass sich da jetzt was ändert. Wir brauchen Anerkennung, Personal, Vergütung! Damit einfach die begleitenden Umstände in Kliniken verbessert werden. Das Ziel war:Klar machen zu wollen, dass sich endlich etwas ändert. Hoffentlich zieht es einen nachhaltigeren und längeren Effekt mit sich als der Anfang der Corona-Pandemie."

Auch interessant