„Ich musste viele ärztliche Untersuchungen bezahlen"

Junge Krankenschwester raubt Toten aus

Eine 30-jährige Krankenschwester muss sich wegen mutmaßlichen Diebstahls vor Gericht verantworten.
Eine 30-jährige Krankenschwester muss sich wegen mutmaßlichen Diebstahls vor Gericht verantworten.
RTL

von Sophia Haak und Annika Redmer

Ein 62-jähriger Herzinfarkt-Patient wird im Februar 2021 ins Albertinen Krankenhaus in Hamburg-Schnelsen eingeliefert. Eine Krankenschwester sollte sich eigentlich um ihn kümmern, doch stattdessen raubt sie ihn aus! Ein paar Tage später stirbt der Mann. Seit Montag muss sich die Frau vor Gericht verantworten.

Zum Tatzeitpunkt bekommt sie die Diagnose Brustkrebs

Diebstahl in vier Fällen – so lautet die Anklage am Hamburger Landgericht am Montag. Die 30-Jährige ist alleinerziehende Mutter und hat zehn Jahre lang als Krankenschwester auf der Intensivstation gearbeitet. Um den Tatzeitpunkt herum bekommt sie die Diagnose Brustkrebs und der Kindesvater trennt sich von ihr. Aus Not heraus, habe sie den Diebstahl begangen, erklärt die junge Frau vor Gericht: „Ich musste viele ärztliche Untersuchungen bezahlen.“

Angeklagte soll mehrere tausend Euro abgehoben haben

Mehrere tausend Euro soll die Krankenschwester vom Konto des am 5. Februar eingelieferten Patienten abgehoben haben: Am 7. Februar soll sie mit dem geklauten Haustürschlüssel in die Wohnung eingedrungen sein, sich den PIN geholt und mit der Kreditkarte insgesamt 4.900 Euro abgehoben haben. Doch das sei noch nicht alles gewesen. Zwei und drei Tage später habe sie insgesamt weitere 1860 Euro von dem schwerstkranken Patienten abgehoben.

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Krankenschwester sei ihr Traumjob

Vor Gericht kämpft die 30-Jährige mit den Tränen, ihre Stimme zittert: Sie sagt, dass sie das heute nicht mehr so machen würde, sie fühle sich schrecklich. Krankenschwester zu sein, wäre ihre Erfüllung, führt sie fort. Sie habe sich schon auf eine neue Stelle beworben, erklärt sie. Einige der Anwesenden im Gerichtssaal reagieren empört. Darunter auch der Bernd Littau, der Bruder des Verstorbenen. Er kann noch immer nicht den Tod seines Bruders verarbeiten, der durch das perfide Verbrechen überschattet wird.

Angeklagte Krankenschwester: "Mir tut das ganz ganz leid."

Die Staatsanwaltschaft erhebt den Vorwurf, die Frau wollte damals einen Kredit in Höhe von 100.000 Euro mithilfe des verstorbenen Patienten erhalten: „Das ist eine Maßlosigkeit, das hat nichts mit Not zu tun,“ erklärt die Staatsanwaltschaft am Montag, die drei Jahre Freiheitsstrafe forderte. Der Anwalt erklärt hingegen, dass die 100.000 Euro nicht ermittelt seien: „Meine Mandantin hat in einer persönlichen Zwangslage gehandelt.“

Die Angeklagte hätte ab dem 1. Oktober einen neuen Job anfangen können. Doch das Gericht verurteilt sie zu zwei Jahren und vier Monate Haft. „Mir tut das ganz ganz leid und sowas wird nicht mehr vorgekommen in jeglicher Art“, erklärt die angeklagte Krankenschwester.