Das sagt der Experte

Krallenschutz für Katzen: Tierquälerei oder sinnvolle Erfindung?

So sieht ein Krallenschutz für Katzen aus.
So sieht ein Krallenschutz für Katzen aus.
© iStockphoto

22. September 2021 - 10:42 Uhr

Keine zerkratzen Möbel und Tapeten mehr

Hand aufs Herz: Welcher Katzenbesitzer war nicht schon einmal genervt, wenn der Stubentiger voller Genuss seine Krallen an der Tapete oder am Lieblingssessel gewetzt hat? Einige Tierhalter greifen dann zu einem Krallenschutz. In bunten Farben gibt es die Kappen für die Katze. Auch Schauspielerin Kate Beckinsale hat ihrer Mieze pinke Kappen auf die Krallen gesetzt. Aber ist das überhaupt gut für das Tier? Wir haben einen Experten gefragt.

Sinnhaftigkeit des Krallenschutzes ist situationsabhängig

In knallbunten Farben erleuchten so manche Krallen der Fellnasen. In den sozialen Netzwerken scheint der Trend beliebt zu sein. Aber ist der Krallenschutz auch gut fürs Tier? Prof. Dr. Ralf S. Müller ist Fachtierarzt für Kleintierdermatologie am Zentrum für klinische Tiermedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und erklärt:

"Es kommt auf die Situation an. Bei Wohnungskatzen ist das kein Problem, bei Freigängerkatzen halte ich den Krallenschutz deswegen für ungeeignet, weil die Katze ja auch in Situationen kommt, wo sie flüchten oder sich verteidigen muss (z. B. beim Angriff eines freilaufenden Hundes) und da werden die Krallen dringend gebraucht, um sich zu schützen oder auf einen Baum zu flüchten."

Im medizinischen Bereich sind die Kappen für die Krallen der Fellnasen sogar sinnvoll: "Bei Wohnungskatzen, die an schwerem Juckreiz leiden, kann die Schädigung der Haut durch Kratzen eingeschränkt werden, bis die Krankheitsursache abgestellt ist oder eine erfolgreiche medizinische Therapie gefunden wurde", so Prof. Dr. Müller. Dennoch wird es nicht jede Katze tolerieren, einen Krallenschutz angelegt zu bekommen. Bei Freigängerkatzen rät der Fachtierarzt von solchen Maßnahmen ab.

Verhaltenstherapie für Katzen, die Mobiliar zerkratzen

Viele Tierbesitzer legen ihren Katzen Krallenschützer nicht aus medizinischen Gründen an, sondern um ihre Möbel vor Kratzern zu bewahren. Dennoch sollten die Kappen für Krallen nicht als einzige Maßnahme ergriffen werden. Prof. Dr. Müller rät dazu, einen Verhaltenstherapeuten zu kontaktieren, um die Ursache des Verhaltens herauszufinden und abzustellen.

Insgesamt birgt der Krallenschutz für Freigängerkatzen kaum Vorteile, bei Wohnungskatzen ist das Anlegen der Kappen je nach Situation möglich. (pdr)