Energiekrise trifft alle - auch Vierbeiner

Explodierende Kosten erdrücken Deutschlands Tierheime: "Wir sind am Ende!"

Explodierende Kosten erdrücken Deutschlands Tierheime Energiekrise trifft alle - auch Vierbeiner
02:32 min
Energiekrise trifft alle - auch Vierbeiner
Explodierende Kosten erdrücken Deutschlands Tierheime

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Tierheime in Deutschland haben es alles andere als leicht: Erst müssen sie die vielen Vierbeiner, die von ihren Besitzern nach dem Corona-Haustierboom wieder abgegeben wurden, beherbergen. Dann kamen die Tiere von Ukraine-Flüchtigen dazu – und jetzt schlägt auch noch die Energiekrise zu. Den Platz für Pfiffi und Bello warm zu halten, zwingt viele Einrichtungen in die Knie. Wie das Tierheim in Darmstadt (Hessen) mit den immensen Kosten umgeht und ob es eine Zukunft für die Vierbeiner-Pflege gibt – im Video!

Keine Überlebenschance ohne Spenden und Erbschaften

„Die Situation ist wirklich lebensbedrohend für die Tierheime in ganz Deutschland geworden“, bringt Ute Heberer vom Landestierschutzverband Hessen, die Notlage im RTL-Interview auf den Punkt. „Es war die ganzen Jahre schon wirklich dramatisch.“ Und das hat viele Gründe: Kritisch ist die Überfüllung durch Tiere, für die nach dem Pandemie-Lockdown keine Zeit mehr da war. Auch der Anstieg des Mindestlohns und die nötige Unterstützung von angestellten Geringverdienern bei den derzeitigen Belastungen sind eine riesige Herausforderung. Allein in Darmstadt brauchen 14 Angestellte derzeit diese finanzielle Unterstützung durch ihren Arbeitgeber.

Ute Heberer, die Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Hessen im RTL-Interview
Ute Heberer, die Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Hessen, warnt vor den finanziellen Engpässen in den Tierschutzheimen.
rtl.de

Ohne Spenden finanziell am Ende

Außerdem gebe es durch Corona und die hohen Inflationsraten einen „massiven Spendeneinbruch“, so Ute Heberer. Staatliche Unterstützungen seien Fehlanzeige – Hilferufe an die Parteien und das Innenministerium waren erfolglos. Eins ist für die Vorsitzende klar: „Ohne Erbschaften und ohne Spenden werden die Tierheime auf keinen Fall überleben – wir sind am Ende.“ Die Energiepreise hätten dazu ihr Übriges beigetragen.

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"Ein Tierheim ist nicht nur ein Hobbybetrieb - Wir tragen Verantwortung!"

Die finanzielle Unterstützung durch den Deutschen Tierschutzbund und den Landestierschutzverband Hessen ist nur eine Übergangslösung. Eine Schließung über die Wintermonate ist ganz offensichtlich nicht möglich: „Es geht nicht mal eben: Wir machen ein paar Monate zu“, bestätigt Ute Heberer. Bereits bei zwei, drei Schließungen in Hessen wüsste man nicht, wohin mit all den Tieren. Vor allem Rassen, die „Erfahrung brauchen“, sprich gefährliche Listenhunde seien vermehrt am Start und ein großes Problem. Die Tierheime seien seit dem Ende der Lockdown-Phase „voll mit bissigen Hunden“.

Heberer sagt: „Wir haben Angst, wir wissen einfach nicht mehr weiter.“ Die Energiepreise sind nicht mehr tragbar, zusammen mit dem Mindestlohn haben sich die Kosten verdreifacht. Auch die Gaspreisbremse könne da nichts retten.

Die Politik muss dem Tierschutz eine andere Wertigkeit geben, fordert sie. Tierheime seien nicht einfach „Hobbybetriebe“, sie tragen Verantwortung für die Gesellschaft.

Geht hier im Tierheim Darmstadt bald das Licht aus? ... sieht ohne Spenden und Erbschaften keine Zukunft für die Einrichtung.
Geht im Tierheim Darmstadt bald das Licht aus? Leiter und Tierarzt Christian Zentgraf sieht ohne Spenden und Erbschaften keine Zukunft für die Einrichtung.
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Am Ende bleiben die Tiere auf der Strecke

80 Tierheime und über 100 Tierschutzvereine gibt es in Hessen. Die wenigsten davon haben ein Polster durch eine Erbschaft. Und nur das alleine könne die Rettung für eine Einrichtung sein, da ist sich der Darmstädter Tierheimleiter und Tierarzt Christian Zentgraf sicher.

Verzicht auf einige der Kühlschränke und Gefriertruhen und geringere Raumtemperaturen sind erst der Anfang der notwendigen Sparmaßnahmen. „Irgendwann wird es zu Personalkürzungen kommen müssen und wir werden weniger Tiere aufnehmen können,“ so Zentgraf. Auch müsse man sich von Extraleistungen wie Igelstationen oder Greifvögel-Betreuung verabschieden.

„Ein Tierheim ist ein Minusgeschäft.“ Am Ende bleiben die Tiere auf der Strecke, ihrem Auftrag als Tierschutzverantwortliche können Tierheime bei den derzeitigen Kosten bald nicht mehr gerecht werden. (sth/gmö)