Kommentar zur Kimmich-Debatte

Darum ist seine Entscheidung unsolidarisch und falsch

Joshua Kimmich
Joshua Kimmich
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25. Oktober 2021 - 19:36 Uhr

Bayern-Star Joshua Kimmich und die Impfdebatte

Fußball-Nationalspieler und Bayern-Star Joshua Kimmich hat vor Kurzem öffentlich gemacht, nicht gegen Corona geimpft zu sein. Seitdem debattiert Deutschland über seine Rolle als Vorbild und ob er als Person des öffentlichen Lebens nicht mit gutem Beispiel – also einer Impfung – vorangehen sollte. Zwei unserer Autoren diskutieren mit – und ergreifen in ihren Kommentaren einmal Partei für Kimmich und einmal Partei für die Menschen, die seine Entscheidung kritisieren:

Falsch. Unsolidarisch. Verlogen.

91,5 Millionen. So viel Social-Media Follower hat der FC Bayern München. Die meisten davon dürften Fans sein. Und die Mehrheit wohl auch Anhänger von Joshua Kimmich. Wow! Was für ein Potential. Was für eine Reichweite, um als Vorbild Dinge zu bewegen, anzustoßen. Mit gutem Beispiel voran zu gehen.

Chance vertan! Ausgerechnet von dem, der als Muster-Vorbild galt. Den selbst der misstrauischste Vater, seine Tochter bedenkenlos anvertraut hätte. Der lässt sich nicht impfen?

Seine Begründung? Falsch.

Sein Verhalten? Unsolidarisch.

Der Eindruck? Verlogen.

Fünf Bayern-Profis - so zumindest heißt es - sind nicht geimpft. Kimmich ist bisher der einzige, der das offen zugegeben hat. Das ist mutig und gradlinig. Seine Begründung aber zeugt von überraschendem Nichtwissen und ist schlicht falsch.

Er spricht von fehlenden Langzeitstudien über Nebenwirkungen. Und kaum hatte er es ausgesprochen, meldeten sich schon die ersten Experten und stellten klar: Es gibt bei Impfstoffen keine Langzeitwirkungen. Entweder man bekommt eine Nebenwirkung direkt oder nicht. Und offenbar zum ersten Mal in der Pandemie sind sich alle Experte bei etwas einig.

Wieso weiß das Kimmich nicht? Er ist kein Durchschnittsbürger, der sich die Informationen mühsam zusammensuchen muss und keinen direkten Zugang zu Experten hat. Nein, Kimmich wurden wie allen anderen Spielern beim FC Bayern und der Nationalmannschaft immer wieder Beratungen und Informationsgespräche angeboten. Wieso hat er sie offenbar nicht genutzt?

Umfrage zur Impfdebatte um Kimmich

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Es nicht zu tun, ist unsolidarisch

Und ja: Impfen oder nicht impfen ist eine freie Entscheidung. Das muss man akzeptieren und aushalten. Aber Impfverweigerer müssen es aushalten, dafür kritisiert zu werden. Denn es ist unsolidarisch. Die Impfung ist der Ausweg aus der Pandemie. Der Weg zurück zu einem normalen Leben. Und die Impfung rettet möglicherweise nicht nur das eigene Leben, es schützt auch alle Menschen um einen herum. Es nicht zu tun, ist unsolidarisch. Es sorgt für mehr schwere Fälle, für mehr Intensivpatienten und für mehr Belastung des eh schon hoch belasteten Pflegepersonals.

Kimmich ist in der Debatte ein Verlierer

Kimmichs Verhalten ist deshalb unsolidarisch. Seine Begründung falsch und ja, der Eindruck, der bleibt ist verlogen. Wieso?

Weil da einer seit Monaten Gutes getan hat. Er hat zusammen mit Kollege Leon Goretzka die Iniative "#WEKICKCORONA" gegründet. Er hat Spenden gesammelt, er hat selber sehr viel gespendet und damit viele Menschen unterstützt. Seine Kampagne sagt: "Corona ist dauerhaft nur in den Griff zu bekommen, wenn überall auf der Welt Impfstoff verabreicht werden kann".

Wie kann man der Gründer und das Gesicht einer solchen Kampagne sein und dann heimlich die Impfung verweigern? Denn zugegeben hat er es jetzt nur, weil die BILD-Zeitung es wusste und veröffentlichte.

Und geradezu absurd wird es, wenn er sagt, er wäre kein Impfverweigerer. Aber was ist er dann?

Auf jeden Fall ein Verlierer. Er verliert, wenn er sich weiter der Impfung verweigert, er verliert, wenn er sich jetzt plötzlich doch impfen sollte und damit zugeben müsste, dass er falsch lag. Trotzdem wäre es besser. Für ihn. Für seine Kollegen. Für alle. Es würde mehr helfen als jeder Euro. Es wäre solidarisch. (gjf)